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Wie beeinflussen LEDs die Biodiversität?

21.06.2021

Die Eidgenössische Forschungsanstalt für Wald, Schnee und Landschaft WSL und EKZ starten eine neue Studie zu den Auswirkungen der öffentlichen Beleuchtung auf nachtaktive Insekten und Fledermäuse. Die Forschungspartner untersuchen die Anlockwirkung verschiedener Lichtfarben, Lichtlevels und Leuchtenformen. Die Informationen sollen dazu dienen, wirkungsvolle Maßnahmen gegen die Lichtverschmutzung zu ergreifen. Erste Erkenntnisse liegen aus der Feldstudie in Weiningen vor.

Der Grosse Abendsegler gehört zu den Arten, die Licht tolerieren. Er profitiert davon, dass Insekten von Lichtquellen angezogen werden. (Foto: fledermausschutz.ch)

Die Forschungspartner nahmen im Juni 2021 drei Versuchsanlagen an Standorten in der Schweiz in Betrieb, wo Kunstlicht bisher wenig Einfluss hatte. Pro Standort wurden mehrere Leuchten unterschiedlicher Form und mit unterschiedlichen LED-Leuchtmitteln aufgestellt. Die Leuchtmittel variieren in der Farbtemperatur von neutralweiß (4000 Kelvin), warmweiß (3000 Kelvin) und amberfarben (2000 Kelvin). Die Aufbauten auf den Kandelabern, sogenannte Diffusoren, sorgen für eine unterschiedliche Streuung des Lichts: Leuchten mit einem Diffusor simulieren die in der Praxis noch weit verbreiteten Pilzleuchten und verteilen das Licht vor allem seitlich und führen so zu einer Erhellung der Umgebung. Die Standard-LED-Leuchten hingegen leuchten nur nach unten.

Unter den Leuchten sind automatische Insektenfallen montiert. Damit kann die Anzahl fliegender Insekten bestimmt und die Insekten systematischen Gruppen wie Nachtfaltern zugeordnet werden. Mit Bodenfallen werden am Boden laufende Insekten und andere wirbellose Tiere gefangen. Akustische Aufnahmegeräte zeichnen die Laute (Echoortung) von jagenden Fledermäusen auf und erlauben es, die Fledermausarten zu identifizieren.

Der Versuch soll aufzeigen, wie stark die Lichtfarbe und die Leuchtenform Insekten anlocken und wie sie Fledermäuse in ihrem Jagd- und Fressverhalten beeinflussen. Das Forschungsprojekt an den drei dunklen Standorten ist über mehrere Jahre angelegt, um die längerfristigen Auswirkungen von LED-Leuchten auf die Insektenwelt zu messen. Informationstafeln informieren vor Ort die Bevölkerung über den Versuch.

Informationen über Helligkeit, Lichtfarbe und Leuchtenform sind Voraussetzung, um die Lichtverschmutzung effektiv zu verringern. Die Umweltverträglichkeit ist nebst Sicherheit, Komfort und Energieeffizienz eine relevante Größe bei der Planung der öffentlichen Beleuchtung.

Erkenntnisse aus der Feldstudie in Weiningen

Schon 2019 haben EKZ und die WSL eine ähnlich angelegte Feldstudie in Weiningen durchgeführt. Es zeigte sich, dass neutral- und warmweißes Licht eine stärkere Anlockwirkung auf Insekten aufwies als amberfarbenes Licht um 2000 Kelvin. Einen entscheidenden Einfluss hatte dabei auch die Form der Leuchte, die die signifikant höhere Lockwirkung von weißem Licht noch verstärkte: Leuchten mit starker Abstrahlung in die Umwelt ziehen deutlich mehr Insekten an als Leuchten, die das abgestrahlte Licht auf die Straße fokussieren.

Diese Erkenntnis ist wichtig, denn in den letzten Jahren lag der Fokus bei der Beleuchtung vorwiegend auf der Energieeffizienz, die bei der LED-Technologie bei Lichtfarben um 4000 Kelvin besser ist. In Bezug auf Ökologie und Biodiversität können diese kühleren weißen Lichtfarben dagegen nachteilige Auswirkungen haben, besonders in Kombination mit erhöhter Lichtabstrahlung in die Umwelt, wie die Forschungsergebnisse aus Weiningen zeigen.

www.ekz.ch | www.wsl.ch


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