Lichtkunst

Speed of Light

»Lichtläufer« in LED-Anzügen illuminieren die Metropole Ruhr

Auf einen Blick

Vom 3. bis 5. Oktober erlebten die Besucher der »speed of light ruhr« eine Lichtperformance der besonderen Art. An drei Abenden durchquerten 120 Läuferinnen und Läufer in LED-Anzügen den Emscher Landschaftspark und schufen mit speziell einstudierten Lichtchoreografien an sechs industriekulturellen Orten atemberaubende Bilder.

Metropole Ruhr im neuen Licht

Die Ruhr Tourismus GmbH (RTG) und der Regionalverband Ruhr (RVR) brachten das Großprojekt »speed of light« der schottischen Kunstorganisation NVA erstmals nach Deutschland. Drei Nächte, sechs Orte, 120 Läufer: »speed of light ruhr« verbindet Industriekultur, Ausdauersport, Choreografie und Licht zu einem visuellen Erlebnis, das an futuristische Science-Fiction-Filme wie »Tron« oder »Blade Runner« erinnert.

Hinter dem internationalen Lichtkunstprojekt steckt die 1992 in Glasgow gegründete Kunstorganisation NVA. Diese hat sich zum Ziel gesetzt, öffentliche, urbane oder ländliche Räume durch ihre Kunstprojekte neu zu definieren. Mit ihrem künstlerischen Leiter Angus Farquhar realisierte NVA bereits mehrere außergewöhnliche international anerkannte Projekte. Dazu gehörten Lichtanimationen in den Bergen der Insel Skye (»The Storr: Unfolding Landscape«) oder Stadtfeste in Glasgow und Edinburgh. »Speed of light« sorgte 2012 im Rahmen der Olympischen Sommerspiele und Paralympics in Großbritannien beim Edinburgh International Festival erstmals für Furore.

Mit »speed of light ruhr« geht für den künstlerischen Leiter Angus Farquhar nach eigenem Bekunden ein Traum in Erfüllung: »‘Speed of light ruhr’ ist die bisher ehrgeizigste Demonstration unserer künstlerischen Arbeit und zugleich auch diejenige, die dem Herzen unserer Arbeit am nächsten kommt. Es ist ein Zelebrieren des gemeinsamen Ausdauerlaufes, das die überwältigende Industriearchitektur der Region hervorhebt und gleichzeitig den Fokus auf die grünen Korridore legt, die die Städte im Ruhrgebiet verbinden.«

Lichtperformances vor beeindruckender Architekturkulisse: Die Kokerei Hansa bildete den idealen Ort für ein spannendes Zusammenspiel zwischen Lichtkunst und Industriedenkmal.

Die Läuferinnen und Läufer führten in ihren als »Stick Man« bezeichneten LED-Anzügen speziell einstudierte Lichtchoreografien auf. Zum Einsatz kamen LEDs, die als Leuchtmittel direkt ins Gewebe der Anzüge eingearbeitet wurden. Die Lichtanzüge sind so konzipiert, dass sie die Bewegungen nicht beeinträchtigen.

Halbstündige Licht-Choreografien

An den drei Abenden legten die Läufer zwischen acht und 19 Kilometer zurück, von der Halde Hoheward in Herten zur Jahrhunderthalle in Bochum, vom Gelsenkirchener Nordsternpark zum Essener Welterbe Zollverein und vom CentrO in Oberhausen zum Landschaftspark Duisburg-Nord. An allen sechs Start- und Zielpunkten führten die mit eigens designten Lichtanzügen ausgestatteten Läufer zu speziell komponierten Sounds halbstündige Choreografien auf. Unmittelbar verändert werden konnten die Lichtstärke, Frequenz und Farbe jedes einzelnen Lichtanzuges.

Die Technik der Lichtanzüge

Mit hohem Aufwand, ausführlichen Tests und Liebe zum Detail entwickelten die Designer von NVA die Lichtanzüge. Hierbei entstanden insgesamt 15 Prototypen, bei denen man unterschiedliche Leuchttechniken ausprobierte. Im Herbst 2011 wurde die Entwicklung der Anzüge abgeschlossen. Zum Einsatz kamen LEDs, die als Leuchtmittel direkt ins Gewebe der Anzüge eingearbeitet wurden. Damit die »Stick Man« genannten Anzüge während der Performances einwandfrei funktionierten, widmete man sich einigen Funktionen mit besonderer Aufmerksamkeit: Die Lichtanzüge sind so konzipiert, dass sie die Bewegungen nicht beeinträchtigen. Das war gerade mit Blick auf die Licht-Choreografien für die Künstler von besonderer Bedeutung. Außerdem wurde der Energieverbrauch möglichst weit reduziert, damit die Anzüge aufgrund der Akkus nicht zu schwer werden. Nicht zuletzt müssen die Anzüge sehr strapazierfähig sein, um sie problemlos in schwierigem Gelände und unabhängig vom Wetter einsetzen zu können. Schlamm, Wind und Regen können somit der robusten Technik nichts anhaben.

Jeder einzelne Anzug kann mittels einer drahtlosen DMX-Steuerung selbst über größere Distanzen und in unübersichtlichen Gebieten angesteuert werden. Dabei lassen sich die LEDs nicht nur ein- und ausschalten, zusätzlich können von den Künstlern Farbe, Leuchtfrequenz und Lichtstärke per Fernsteuerung verändert werden. Durch die Steuerung der LED-Anzüge entstanden so die faszinierenden choreografierten Lichtmuster. Selbst aus der Distanz vermittelten die »Stick Mans« noch gute Eindrücke von der Form des menschlichen Körpers und erzeugten über die Anordnung und die Wege der Läufer im Gelände einzigartige Lichtstimmungen.

Die Kokerei Hansa bietet als begehbare Großskulptur faszinierende Einblicke in die Geschichte der Schwerindustrie des vergangenen Jahrhunderts. Die 1928 in Betrieb genommene Kokerei war ein wichtiger Teil in der Verbundwirtschaft der Dortmunder Montanindustrie.

»Lichtlauf« inmitten industriekultureller Standorte: Bei dieser Aufnahme sind die einzelnen Lichtläufer gut zu erkennen.

Einstudierte Lichtchoreografien am UNESCO-Welterbe Zollverein: Die Zeche galt bis zu ihrer Stilllegung 1986 als modernste und schönste ihrer Art. Zusammen mit der Kokerei und der Gründungsschachtanlage bildet sie heute das Welterbe Zollverein. Das Wahrzeichen des alten und neuen Ruhrgebiets.

Größter Regionalpark Europas

Die Ruhr Tourismus GmbH hat es sich zum Ziel gemacht, die Metropole Ruhr als modernes Reiseziel bekannter zu machen und den Tourismus über eigene Projekte und Angebote zu fördern. »Nach der Extraschicht ist ‚speed of light ruhr’ unsere zweite große Veranstaltung für die Region in diesem Jahr. Sie verbindet auf völlig neue Art Kunst mit sportlicher Aktivität und wird im Wortsinn den Emscher Landschaftspark in völlig neuem Licht erstrahlen lassen«, erklärt Axel Biermann, Geschäftsführer der Ruhr Tourismus GmbH. Die Veranstaltungen sind Teil der nachhaltigen Fortsetzung der Kulturhauptstadt Europas RUHR.2010.

Der zentrale Park der Metropole Ruhr ist mit einer Fläche von rund 450km2 und über 200 umgesetzten Projekten der größte und am weitesten ausgebaute Regionalpark Europas. Dazu Ulrich Carow, Bereichsleiter Umwelt beim Regionalverband Ruhr: »In Bewegung wird die Vielfalt von Industriekultur und Städtelandschaft im Emscher Landschaftspark auf beeindruckende Weise deutlich, genauso wie das die Lichtläuferinnen und -läufer von ‚speed of light ruhr’ getan haben. Denn der große Regionalpark mitten durch die Metropole Ruhr besteht aus vielen einzelnen Parks, Halden und Landmarken und ist tatsächlich am besten erlebbar, wenn man ihn bereist.«

Alles im Fluss: Die dynamischen »Lichtwellen« korrespondieren mit der geschwungenen Brückenform am Westpark ist ein Standort für Kunst, Kultur und Kreativwirtschaft von internationaler Bedeutung.

Die »Lichtwellen« erinnern an den Lichtschweif eines Kometen.

Weitere Informationen:

Projekt: »speed of light ruhr«, www.speed-of-light-ruhr.de
Lichtkunstkonzept: NVA, Glasgow, www.nva.org.uk
Fotos: Christian Nielinger, Essen, www.nielinger.de


Teilen & Feedback