Designleuchten

Schichtarbeit

Dirk Vander Kooij stellt Leuchten im 3D-Druckverfahren her

Auf einen Blick

Längst werden mittels 3D-Druck Architekturmodelle oder Prototypen gebaut; die industrielle Produktion spart Zeit und Geld. Sogar für den privaten Bereich rücken 3D-Drucker immer mehr ins Interesse. Für Künstler und Designer eröffnet diese Technik neue Möglichkeiten in der Gestaltung: Dirk Vander Kooij aus den Niederlanden setzt Roboter als 3D-Drucker ein, um Möbel und Leuchten zu kreieren. Sein Ausgangsmaterial ist recycelter Kunststoff.

Ein langer Roboterarm schreibt Linien auf den Boden, offenbar einem Schema folgend. Die flüssige Kunststoffmasse kommt in einem endlosen Strang aus der schmalen Öffnung der Maschine, so leicht, wie wir unsere Zahncreme aus der Tube drücken. Ist die erste Schicht ausgehärtet, folgt die nächste – bis am Ende ein neues Produkt entstanden ist. Im Studio von Dirk Vander Kooij könnte das zum Beispiel ein »Endless Flow Dining Chair« sein (ein Entstehungsvideo ist auf seiner Facebook-Seite gepostet). Was zuvor am Computer entworfen wurde, setzt der 3D-Drucker per Knopfdruck in die Realität um. Aus einem Guss, ganz ohne Verschrauben oder Verschweißen.

Eiskalt wiederverwertet

Für seine Abschlussarbeit 2010 an der Design Academy in Eindhoven experimentierte der niederländische Produktdesigner mit einem 3D-Drucker der älteren Generation, der allerdings keine größeren Objekte produzieren konnte. Also organisierte er sich einen ausgedienten Roboter und funktionierte ihn seinen Vorstellungen entsprechend um. Damals wie heute besteht der Rohstoff, den die Maschinen in seiner Werkstatt in Zaandam füttern, aus Plastikresten. Häufig handelt es sich dabei um geschredderte Kunststoffteile ausrangierter Kühlschränke.

Industrielle Fertigung per 3D-Druck steht normalerweise für Präzision und hohe Auflösung, doch das Designstudio in der Nähe von Amsterdam setzt in seiner künstlerischen Arbeit anders an und sieht jede mechanisch hervorgebrachte Linie bereits als eine Art Ornament. Man solle diese Strukturen auch zeigen und nicht versuchen sie zu verstecken, so Dirk. Das schaffe den Raum für eine eigene Ästhetik.

»Satellite« – Lichtstimmung nach Bedarf

»Satellite« war das erste Lichtobjekt, das Dirk Vander Kooij entworfen hat. Hierfür nutzte er dieselbe Technik wie zuvor für seine Endless-Stühle. Ging es erst darum, eine Form, etwa einen Stuhl, auf effiziente Weise zu erschaffen, kam nun eine weitere Funktion hinzu: das Material als Filter für Licht zu verwenden. »Es gibt warmes und kaltes Licht. Ich wollte beides, so kam ich auf ein simples System«, erklärt Dirk. Die Leuchte ist mit kaltweißen und warmweißen LEDs gespeist, verteilt auf drei kreisförmige Lichtquellen. Diese sind über zwei Knöpfe jeweils getrennt ansteuerbar. Ähnlich wie bei einer Mischbatterie ist es dem Nutzer so möglich, »kalt« und »warm« separat oder zusammen zu bedienen, je nach gewünschter Lichtstimmung – aktivierend oder entspannend. »Satellite« offenbart durch ihr transparentes Gehäuse dabei ihre gesamte Elektronik. Die Bodenleuchte wirkt, als sei sie aus Glas, besteht jedoch aus Kunststoff, im 3D-Druck hergestellt. Durch den spezifischen Schichtaufbau bricht sich das Licht und bringt magische Lichtbilder hervor – vor allem, wenn der Lichtkegel zur Wand hin ausgerichtet ist.

Das transparente Material der »Satellite« ist kein Glas, sondern wiederaufgearbeiteter Plastikabfall, per 3D-Druck in eine komplett neue Form gebracht. Über zwei Knöpfe lässt sich bei der »Satellite« kalt- und warmweißes LED-Licht einstellen, getrennt oder miteinander kombiniert.

Aus der Nähe erkennt man die geschichtete Struktur der Leuchte deutlich.

»Lenses Vase« – 3 Meter hohes Lichtobjekt

Für die Lobby des multifunktional genutzten »New Babylon«-Gebäudes in Den Haag entstand ein drei Meter hohes Lichtobjekt, die »Lenses Vase«. Laut Designstudio ist es das bisher größte, das jemals per 3D-Verfahren gedruckt wurde. Es besteht aus recyceltem, klarem Kunststoff, dessen reliefartige Oberfläche an die Struktur von Kristallglas erinnert. Der Korpus ist ein Puzzle aus unzähligen, kleinen Dreiecken, die wiederum durch ein dreidimensionales Linienmuster geprägt sind. So ergibt sich ein zweifacher Effekt: tagsüber reflektiert die Vase das Sonnenlicht aufgrund des Materials und seiner Formgebung, abends bringen 12.000 LEDs die »Lenses Vase« von innen zum Strahlen. Ebenso wie bei der Leuchte »Satellite« sind kaltweiße und warmweiße LEDs integriert, jeweils separat ansteuerbar.

In der Lobby des »New Babylon«-Gebäudes in Den Haag zieht die Lichtskulptur »Lenses Vase« alle Blicke auf sich. Sie kommt auf eine stolze Höhe von drei Metern.

Erst in der Nahaufnahme kommen die einzelnen Schichten der gedruckten Lichtskulptur zur Geltung.

»Fresnel« –  Schicht für Schicht warmes Licht

Die golden schimmernde »Fresnel«-Pendelleuchte ist die neueste Entwicklung aus dem Hause Vander Kooij. Ihren Namen verdankt sie der Fresnel-Linse, die das Licht in einem schmalen Strahl bündelt und bei Leuchttürmen oder für Suchscheinwerfer eingesetzt wird. Auch die durch 3D-Druck hergestellte Form ist an die Bauweise einer Fresnel-Linse angelehnt, deren Front nicht einheitlich nach außen gewölbt ist, sondern aus mehreren, ringförmig angeordneten Linsen besteht. Durch die zahlreichen Schichten aus recyceltem Kunststoff entsteht dieser warme Farbton, den die enthaltenen 360 LEDs gefällig zum Leuchten bringen. Auch der direkte Blick in die dimmbare Leuchte bleibt angenehm. Da sie an einem Kugelgelenk aufgehängt ist, lässt sie sich auf Wunsch auch zur Seite neigen.

Die Pendelleuchte »Fresnel« verdankt ihr warmes Licht den unzähligen Lagen aus recyceltem Kunststoff, aus denen sich der Lampenschirm zusammensetzt. Die Form ist entstanden per 3D-Ausdruck, gesteuert durch einen Roboter.

Weitere Informationen:

Studio Dirk Vander Kooij
Hemkade 18G-217
NL-1506 PR Zaandam
The Netherlands
www.dirkvanderkooij.nl
www.facebook.com/studiodirkvanderkooij
Fotos: Studio Dirk Vander Kooij
Text: Andrea Mende, Leipzig

Dirk Vander Kooij ist für seine Arbeiten mehrfach ausgezeichnet worden, verschiedene Museen stellen seine Objekte aus, darunter das Vitra Design Museum in Weil am Rhein oder das Museum of Modern Art in New York.


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