Lichtkunst

Scheinwerfer – Lichtkunst in Deutschland im 21. Jahrhundert

Mehrteiliges Ausstellungsprojekt des Kunstmuseums Celle

Auf einen Blick

»Das Ausstellungsprojekt »Scheinwerfer« zeigt Deutschland als »Lichtkunst-Landschaft« mit internationaler Ausstrahlung. Zu sehen ist herausragende Lichtkunst vom Jahr 2000 bis heute, von Künstlerinnen und Künstlern, die durch Herkunft, Wohnsitz, Ausbildung oder Lehrstuhl in Bezug zu Deutschland stehen«, fasste der künstlerische Leiter Robert Simon seine Motivation für das Jahresprojekt 2014 des Kunstmuseums Celle zusammen. Seine Sammlung von Lichtkunst-Werken seit 1945 bildet die Grundlage für den Sammlungsschwerpunkt des Museums. Seit 1998 erweitert er die Sammlung regelmäßig, auch eine Reihe der Arbeiten der Ausstellung »Scheinwerfer« werden im Museum oder entlang der Verbindungsstrecke vom Celler Bahnhof bis zum Kunstmuseum verbleiben.

Lichtkunst

In drei Sequenzen spürte das Ausstellungsprojekt der Entwicklung der Lichtkunst in Deutschland in den letzten Jahrzehnten nach und zeigte 66 künstlerische Positionen. Zu sehen waren Arbeiten, die physikalisches Licht integrierten, die mit Lichtschein als bildnerischem oder plastischem Material arbeiteten, die mit der Geometrie des Lichts als Farb- und Formgeber spielten oder solche, die Licht als Bildträger nutzten. Dass in der Ausstellung Protagonist_inn_en, wie beispielsweise John M Armleder, Monika Bonvicini, Nan Hoover, Takehito Koganezawa, Christina Kubisch, Ólafur Elíasson, Dieter Kiessling oder Haegue Yang nicht vertreten waren, zeigt, dass das Spektrum der lichtbasierten Arbeiten noch weiter gefasst werden muss, als es das Celler Konvolut nahe legt.

Constantin Jaxy

Gunda Förster


Hans Kotter

Rosmarie Weinlich

Susanne Rottenbacher

Lichtkunst aus Kunstlicht

Mit der enzyklopädischen Ausstellung »Lichtkunst aus Kunstlicht« 2005/2006, kuratiert von Peter Weibel mit den Ko-Kuratoren Gregor Jansen und Christian Gögger im Zentrum für Kunst und Medientechnologie (ZKM) in Karlsruhe, hat sich der Terminus »Lichtkunst« in den Kontexten der bildenden Kunst durchgesetzt. Der Begriff legt die Verwandtschaft zur Video- oder Medienkunst nahe, wie sie im 20. Jahrhundert entwickelt wurde. Es sind Kunstformen, die eng mit der Entwicklung technischer Möglichkeiten verwoben sind und nach deren impliziten ästhetischen Potentialen fragen. Zehn Jahre nach dem Ausstellungsprojekt »Lichtkunst aus Kunstlicht« hat sich die ästhetische Artikulation, die Licht als Material oder Medium reflektiert, weiter ausdifferenziert. Nach dem enzyklopädischen Anspruch der Karlsruher Ausstellung war die geografische Beschränkung des Projektes »Scheinwerfer« auf Deutschland nicht hilfreich, um einen Überblick zu dem Phänomen Lichtkunst im 21. Jahrhundert zu ermöglichen. Die Erweiterung des Blicks auf die verschiedenen Entwicklungslinien, die in Europa und den USA besonders viele Anknüpfungspunkte haben, wäre wünschenswert gewesen.

Lichtkunst im 21. Jahrhundert

Neon- und Leuchtstoff-basierte Arbeiten gab es viele, darunter Arbeiten wie von Björn Dahlem, Günther Dohr, Albert Hien, Gunda Förster, Molitor und Kuzmin oder Boris Petrovsky. Die Auseinandersetzung mit lichttechnischen Entwicklungen indizierten aufschlussreiche Arbeiten wie die von Max Sudhues (Tageslichtprojektor), Rosmarie Weinlich (LED) oder Stephan Reusse (Laser). Mit dem Zusammenspiel von Lichtbrechung und Bildgebung durch Linsensysteme arbeiteten Dieter Jung und  Andrea Thembie Hannig. Eindrücklich war die Farblichtkomposition von Stefanie Lambert. Sehenswert auch die Arbeiten von Jakob Mattner und Daniel Hausig, die beide seit Jahrzehnten Malerei, nicht als statische, sondern als veränderlich-mediale, entwickeln. Zu dem Wechselspiel von Raum, Licht und Wahrnehmung, als einem der wenigen wesentlichen thematischen Stränge der Lichtkunst, gab es nur wenige Arbeiten, eine Ausnahme waren die »Sehräume« von Jürgen Albrecht. Zu den wenigen Arbeiten, die sich mit Licht als allgegenwärtigem Anzeige- und Trägermedium der digitalisieren Welt auseinandersetzen, gehörten die Arbeiten von Gudrun Bahrenbrock sowie Hermelinde Hergenhahn. Zwei der Arbeiten, eine von Hartung und Trenz und eine von Sebastian Hempel, integrierten die Besucher_innen in den Werkraum.

Das Ausstellungsprojekt »Scheinwerfer« zeigte, dass sich das Sammeln und Sortieren lohnt, aber die Vielfalt der Lichtkunst-Positionen des 21. Jahrhunderts bedarf der wissenschaftlichen Untersuchung und kuratorischen Kategorisierung, um die künstlerische Auseinandersetzung mit Licht als Medium der visuellen Wahrnehmung und mit Licht als Medium der ephemeren Darstellung in ihrer kulturellen Dimension zu verstehen. Umso wichtiger ist es, dass es Kunst- und Kultureinrichtungen wie das Kunstmuseum Celle gibt, die sich im Dialog mit dem ästhetischen Diskurs der Gegenwart weiter entwickeln wollen. Die Vielfalt der künstlerischen Positionen ist es wert. Zur Ausstellung erscheint ein Katalog.

Björn Dahlem

Max Sudhues

Weitere Informationen:

Autorin: Bettina Catler-Pelz

Fotos: Kunstmuseum Celle, www.kunst.celle.de


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