Designleuchten

Nicht von dieser Welt

Newcomer Arnout Meijer bringt Licht in eine neue Dimension

Auf einen Blick

Seinen Abschluss hat das niederländische Nachwuchstalent Arnout Meijer Ende 2012 gemacht, an der Design Academy Eindhoven. Schon im Oktober 2013 stellte er seine Leuchtenserie »Thanks for the Sun«, die er während des Studiums bereits konzipiert hatte, auf der Dutch Design Week in Eindhoven vor. Als Lichtdesigner ist er fasziniert von dem Aspekt, das immaterielle Licht in etwas Materielles, ein Leuchtobjekt, zu verwandeln. Dabei sind für ihn Leuchtmittel oder Optiken nur Werkzeuge, um Licht in neue Formen zu fassen. Er bevorzugt dabei transparente bis halbtransparente Materialien, die den Weg des Lichts mit beeinflussen.

Poetisches Licht aus Purer Technik

Arnout Meijer war schon als Student fasziniert von Lichtdesign. Doch schnell wurde ihm klar, dass Faszination allein nicht ausreicht, um aus einer Idee eine geniale Leuchte zu entwickeln. »Man muss die Technik verstehen, die sich dahinter verbirgt. Wie die gesamte Elektrik funktioniert, wie sich Linsen und Materialien einsetzen lassen oder wie Farbtemperaturen die Wirkung des Lichts beeinflussen«, erklärt Arnout.

Die Art und Weise, wie Licht wahrgenommen werden kann, war für ihn wichtigster Anhaltspunkt beim Entwurf der »Thanks for the Sun«-Serie. »Ich wollte warmes und kaltes Licht in einer Leuchte integrieren. Dieser Wechsel des Lichts sollte nicht nur den Charakter eines Raumes verändern, sondern auch die Identität der Leuchte«, so der Designer. Nach verschiedenen Experimenten fand er in transparentem Acryl ein ideales Produkt, um seine Vorstellungen umzusetzen. Der Kunststoff erhielt unterschiedliche Einkerbungen an verschiedenen Stellen, wodurch das Licht immer wieder auf andere Weise gebrochen wird.

Die Lichtskulpturen »Thanks for the Sun« bilden eine große Bandbreite von kaltem bis zu warmem Weißlicht ab. Die Farbtemperaturen reichen dabei von 2700 bis 7000 Kelvin.

Durch dieses breite Spektrum ist es möglich, den natürlichen Verlauf des Sonnenlichts innerhalb eines Raumes zu erleben – und das auch im eigenen Rhythmus. Wie es funktioniert, zeigt ein Film anhand der Wandleuchte auf Arnout Meijers Homepage.

Bei Leuchte »De Zwarte Straler« handelt es sich um den Vorgänger der Serie »Thanks for the Sun«, Meijer hat sie daraus weiter entwickelt. Eine runde, flache OLED bildet das Zentrum der Leuchte. Sie ist drehbar, wodurch sich das Licht nach Wunsch ausrichten lässt. Über einen Schiebemechanismus sind die integrierten LEDs zusätzlich dimmbar. Der Lichtwechsel ist in einem kurzen Film festgehalten, zu sehen auf Arnout Meijers Homepage.

Leuchtende Sonnen und Planeten

Etwa 300 LEDs verteilen sich auf eine Leuchte der »Sun«-Serie und ermöglichen den Wechsel zwischen kaltem und warmem Licht, das weite Spektrum der Farbtemperaturen reicht von 2700 bis zu 7000 Kelvin. Die Leuchte soll damit den natürlichen Rhythmus des Lichts widerspiegeln: Sie spendet kühles, aktivierendes Licht wie am Tag oder warmes, beruhigendes Licht, das der Dämmerung ähnelt. Auch entgegen des herkömmlichen Tagesablaufs liefert »Thanks for the Sun« das Licht, das der Nutzer sich wünscht, zum Beispiel brillantes Arbeitslicht auch bei Nacht. »Diese Eigenschaft des Lichtwechsels in der Natur wollte ich in ein häusliches Umfeld transferieren. Daher sollte auch die Steuerung des Lichts manuell verlaufen«, erläutert Arnout Meijer. Der Drehschalter zum Dimmen ist bei der Wandleuchte mittig am unteren Ende angebracht.

Die »Thanks for the Sun«-Serie umfasst Wandleuchte, Tisch- und Schreibtischleuchte. Die integrierten LEDs der limitierten vier Lichtobjekte »Thanks for the Planets« bilden hingegen definierte Farben ab: Weißrot, Blaugrün, Amberblau oder Gelbrot mischen sich jeweils individuell mit Nuancen von weißem Licht und verleihen so jeder Lichtskulptur ihren eigenen Charakter.

»Photon Vortex« beschreibt ein sinnliches, interaktives Spiel aus Licht und Bewegung. Die Scheibe aus Acryl und Museumsglas beinhaltet LED-Elemente, die manuell zum Drehen gebracht werden können. Je schneller sie ihre Bahnen ziehen, um so weniger sind die Augen in der Lage, ihre Position auszumachen – es entstehen Kreise und Segmente in Form von Schichten aus Licht.

Die Komponenten der »Photon Vortex«-Leuchte in Ruheposition.

Vom Entwurf zur Umsetzung

Die Komponenten für seine Leuchten bezieht Meijer von spezialisierten Firmen, die zum Beispiel das Zuschneiden der Acrylscheiben präzise und computergesteuert umsetzen. Das Zusammenbauen erfolgt in der hauseigenen Werkstatt. Teilweise sind die Lichtobjekte in der Produktion sehr aufwändig, das betrifft etwa die Tisch- und Schreibtischleuchte der »Thanks for the Sun«-Modelle. Im Gegensatz zur bereits erhältlichen Wandleuchte sind diese Objekte im Moment noch zu kostspielig, um in Serie gehen zu können.

»Für mich ist Lichtdesign ein hoch interessantes Arbeitsfeld. Auf der einen Seite gehe ich mit einem attraktiven Element um, das sehr funktional ist und zu unserem täglichen Leben gehört. Gleichzeitig ruft es Gefühle hervor und ist in der Lage, uns zu beeinflussen, etwa als Beleuchtung im Handel oder im Museum. Neue Techniken entstehen quasi jeden Tag, das macht den Beruf des Lichtdesigners so spannend«, fasst Meijer zusammen.

In sphärischen Farbwelten erscheinen die vier transzendenten Leuchtkörper der »Thanks for the Planets«-Serie. Weißrot...

... Blaugrün ...

... oder Rotgelb tauchen Räume in ein faszinierendes Licht. Dafür sorgt das Zusammenspiel aus etwa 300 LEDs und den mit Einschnitten versehenen Acrylscheiben.

Fotos: Pim Top

Zukunftsvisionen

Wie könnten Beleuchtungskonzepte von morgen aussehen, vor allem im privaten Bereich? LICHT hat den Nachwuchsdesigner nach seiner Einschätzung gefragt. Meijer: »Eine denkbare Entwicklung ist, dass Licht dynamischer wird. Ist der Himmel draußen grau, passt sich das Licht drinnen automatisch an und leuchtet heller. Oder es werden Bereiche nur dann beleuchtet, wenn sich dort auch jemand aufhält. Auch integriertes Licht wird eine Rolle spielen – ganze Wände oder Decken, die sich in eine Lichtfläche verwandeln. Das Resultat wäre, dass man nicht mehr über eine Leuchte nachdenkt, sondern über Licht im allgemeinen Sinn.

»Get ready for the Launch« bringt sich durch seinen gleichmäßig hellen Lichtstrahl in Startposition. Die 60 cm hohe Stehleuchte erinnert an das Space Design der Sechziger Jahre, Arnout Meijer produziert sie in seinem Studio. Er ist inspiriert von der klaren, modernen und futuristischen Formensprache dieser Ära. Hergestellt im 3D-Druckverfahren, Leuchtmittel sind Glühlampen.

Weitere Informationen:

Arnout Mejier, Amsterdam (NL), www.arnoutmeijer.nl
Text: Andrea Mende, Leipzig
Fotos: Arnout Meijer Studio


Literatur

Li10.14P2_6

 

ADRESSE

Arnout Meijer Studio, Voorhaven 57,
NL-3025 HD, Rotterdam
The Netherlands
www.arnoutmeijer.nl
Tel.: +31 (0) 6 43 02 1001
mail@arnoutmeijer.nl

 

 

 

Termine

Arnout Meijer stellt auf der Dutch Design Week
in Eindhoven aus:
18. – 26.10.2014
www.ddw.nl

Zusammen mit dem Lichtdesigner Paul van Laak nimmt er am Amsterdamer Light Festival teil:
27.11.14 – 18.1.15
www.amsterdamlightfestival.com/en/
www.paulvanlaak.com/

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