Lichtkunst

Light_Act_Project Saarbrücken

Zwischen Malerei und Mapping: Licht als Medium der Kunst

Auf einen Blick

Mit dem Light_Act_Project unter der Leitung von Prof. Daniel Hausig hat die Hochschule der Bildenden Künste Saar ein umfangreiches Lehr- und Lernprojekt realisiert, das das Potential von Mappings aus künstlerischer Perspektive auslotete.

Light_Act_Project von Rosita Hofmann; Foto: Daniel Hausig.

Architektur-Projektionen sind im Trend. Medien-Begeisterte, Festivals des Lichts und kommerzielle Werbung entwickeln großformatige »Mappings«, in denen Architekturensembles zur Leinwand werden. Die Bildinhalte werden in Farbe und Form an die Architekturvorgaben angepasst. Mit dem Light_Act_Project unter der Leitung von Prof. Daniel Hausig hat die Hochschule der Bildenden Künste Saar ein umfangreiches Lehr- und Lernprojekt realisiert, das das Potential von Mappings aus künstlerischer Perspektive auslotete.

Tausende von Besucher_innen säumten die Straßen, als die HBK Saar das Light_Act_Project präsentierte. Über drei Semester lang hatten Designer_innen und Künstler_innen das Zusammenspiel von vorgefundenen Räumen und projizierten Bildern untersucht. Im Light_Act_Project präsentierten sie eine Vielfalt von Optionen, wie sich architektonische Oberflächen und Strukturen mit Zeichnung, Malerei, Fotografie, Film und digitaler Animation bearbeiten lassen.

Light_Act_Project von Michael Voigt; Foto: Daniel Hausig.

Fassaden als Projektionsflächen

Mitten in der Stadt, entlang der Saar, auf der Rückseite der Saarbrückener Bahnhofsstraße, erstreckt sich über 600 Meter die Einkaufsmeile »Berliner Promenade«. Helle Gebäudeoberflächen und lange Fensterbänder charakterisieren die Geschäftshäuser, davor eine moderne Uferpromenade mit Sitzgelegenheiten und Aussichtspunkten. Gegenüber, auf der anderen Seite der Saar, hatten Studierende und Lehrende im April 2014 Projektoren aufgebaut, um die gesamte Fassade zur Bildfläche zu machen. Als eine Art »ästhetische Belagerung« empfand Daniel Hausig die Arbeit mit den lichtstarken Projektoren.

Licht als Bildträger

In der Vorbereitung ging es immer wieder darum zu sehen, was von dem digitalen Bildmaterial via Projektion auf der Fassade erschien und welche Abweichungen es gab. In der Untersuchung der ästhetischen Phänomene entstanden künstlerische Interventionen, in denen die Differenz zu den Erscheinungsweisen des Alltags das Prozesshafte des Sehens vergegenwärtigte. Das dynamische Gefüge von analogem oder digitalem Ausgangsmaterial, Projektions- und Umgebungslicht sowie Reflexionsverhalten der Gebäude zu verstehen und zu gestalten, war eine Herausforderung für alle Beteiligten. Ausgangsmaterialien waren analoge Zeichnung und Malerei, fotografisches und filmisches Material, Bildgebungs- und Steuerungsprogramme ebenso wie algorithmische Systeme.

Stadt als Reflexionsgrund

Die Geschäfts- und Wohnhäuser entlang der »Berliner Promenade« bildeten die Matrix, die die Verschiedenartigkeit der künstlerischen Ansatzpunkte sichtbar machte. Projizierte Zeichnungen verwebten sich mit den Linienführungen der Gebäude zu neuen Bildwerken, projizierte Farbflächen verwandelten die architektonische Leinwand in leuchtende Körper, geometrische Kompositionen überformten die Kubaturen. Die Herkunft und die Lesbarkeit der Bildinhalte traten in den Hintergrund zugunsten des Wechselspiels der architektonischen Strukturen mit den verschiedenen Projektionsinhalten.

Light_Act_Project von Jill Els; Foto: Henrik Elburn.

Dunkelheit als Ausgangspunkt

Das Nachtlicht der Stadt ist, ebenso wie alle anderen urbanen Interieurs, aufgeladen mit den Erfahrungen und Bedeutungen des alltäglichen Gebrauchs und, wenn es Teil künstlerischer Praxis wird, verändert es sich – sowohl in der Wahrnehmung wie auch in seiner Semantik. Eine Projektion ist in erster Linie eine Intervention, die die bestehenden Lichtverhältnisse außer Kraft setzt, um andere Bildwelten und Sichtweisen aufscheinen zu lassen. Um dem Projektionslicht eine möglichst perfekte Umgebung zu bieten, mussten Alltags- und Umgebungslicht verdunkelt werden und auch Schaufenster sowie Lichtwerbungen mussten pausieren. Neben der Weiterentwicklung der individuellen gestalterischen oder künstlerischen Position öffnen solche Lehrprojekte den Blick für die Omnipräsenz des Lichts, vermitteln eindrücklich wie sehr das Lichtgeschehen den nächtlichen Stadtraum prägt.

Light_Act_Project von Henrik Elburn; Foto: Daniel Hausig.

Stadt als ästhetische Erfahrung

Mit der Vervielfältigung der Perspektiven als Teil der künstlerischen Forschung korrespondiert die Idee von der Stadt als kollektivem Raum des Möglichen. Etwa 10.000 Besucher_innen haben sich die Zeit genommen, um das Ergebnis in Augenschein zu nehmen und damit ist das Light_Act_Project auch ein exzellentes Beispiel wie Hochschul-Projekte künstlerische Artikulation im Öffentlichen ermöglichen können, die sich in das kollektive Gedächtnis in das Bild von der Stadt einschreiben.

Weitere Informationen:

Autorin: Bettina Catler-Pelz
www.hbksaar.de
www.xmlab.org/light


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