Designleuchten

Lichte Momente

Festliche Illuminationen im neuen Gewand

Auf einen Blick

Welche Leuchtobjekte setzen familiäre Weihnachtsfeiern, Jubiläen oder das romantische Dinner ins beste Licht? Moderne LED-Technik, Lichtmöbel und portable Lichtquellen übernehmen heute die strahlende Inszenierung von Räumen oder Situationen – und kommen dabei auch ohne opulentes Funkeln traditioneller Kronleuchter aus.

Mit »Volver« hat der italienische Leuchtenhersteller Terzani seine erste LED-Pendelleuchte vorgestellt, die sogleich mit einem Designpreis ausgezeichnet wurde. Der glanzvolle Behang aus Metallketten entsteht in Handarbeit. Foto: Terzani.

Das Leben steckt voller besonderer Anlässe. Um ihnen eine eigene Bühne zu schaffen und sie zu zelebrieren, geben uns Lichtdesigner spannende Instrumente an die Hand. Leuchten, die die Stimmung des Moments unterstreichen. Oder sie erst kreieren. Die in uns Bilder entstehen lassen und positive Erinnerungen in uns wecken. An den Anblick glitzernder Lichtpunkte, die sich im Wasser spiegeln. An eine dunkle, klare Sternennacht, die wir draußen unter freiem Himmel erlebt haben. Sie versetzen uns mitten in den Loungebereich eines edlen Clubs oder lassen uns zurückreisen in die glamourösen Zwanziger Jahre, und das mit nur einem leichten Federschwung.

Ein Collier fürs Wohnzimmer

Um das Spiel mit Materialien geht es bei der Leuchte »Volver« aus dem Hause Terzani. Diego Bassetti und Andrea Panzieri von Design Studio 14 haben das spektakuläre Schmuckstück für den italienischen Leuchtenhersteller aus Florenz entworfen. Es ist deren erste Pendelleuchte, die mit LED-Technologie funktioniert.

Einzelne Metallbänder schmiegen sich um die 130 cm lange Konstruktion und lassen sie optisch verschwinden. Nur das Licht fällt durch die in Handarbeit über- und nebeneinander drapierten Ketten, die je nach Ausführung in vernickeltem, schwarz vernickeltem, in Gold- oder Bronze-Finish für aufregende Glanzeffekte sorgen. »Volver« ist dimmbar und liefert ein warmweißes Licht von 3000 Kelvin. Im Gegensatz zu exquisiten Colliers, die eher selten den Hals ihrer Trägerinnen zieren, sorgt dieses strahlende Objekt täglich für etwas mehr Luxus in den eigenen vier Wänden. Die Leuchte ist demnächst auch in ringförmiger Ausführung erhältlich und wurde mit dem International Product Design Award 2014 ausgezeichnet.

Wie Rockstars leben & First Class sitzen

Wenn das Licht brennt, ist die Bar eröffnet: Whiskyschrank »Rockstar« liefert alles, was für gepflegte Cocktailstunden oder eine hollywoodreife Verkostung feiner Tropfen nötig ist. Massives Holz aus Nussbaum, Esche oder Eiche sowie Scharniere und Knöpfe aus Messing verschaffen ihm ein zeitloses Äußeres, die Innenverkleidung aus gesteppter Seide oder Leder ruft das Bild klassischer Chesterfield-Sessel hervor. Kein Zufall, denn das Möbel wird von Hand in England gefertigt.

»Whisky ist flüssiges Sonnenlicht«, philosophierte einst der in Irland geborene Dramatiker George Bernard Shaw. Um diese gereifte Spirituose entsprechend zu genießen, hat das Designerteam von Buster & Punch seinen »Rockstar« stilecht und nostalgisch mit Retro-Glühlampen bestückt, die ein besonders warmes Licht abgeben. Damit es beim Mixen und Servieren der hochprozentigen Drinks auch sicher zugeht, trägt die Lampe einen Schutzkorb. Nur für alle Fälle.

Whiskyschrank »Rockstar« präsentiert sich als professionelle Minibar mit integrierter Beleuchtung im klassisch-britischen Stil. Design+Foto: Buster & Punch

Wer jedoch den Augenblick für sich genießen möchte, zieht sich zurück und schafft sich seinen eigenen Kosmos der Ruhe. Der »Wingback Remix« taucht als kleine Insel im Raum auf – überall dort, wo er benötigt wird, um ungestört zu lesen oder Musik zu hören. Auch dieses Möbel trägt die Handschrift des britischen Labels Buster & Punch: Massives Holz, Seide oder Leder und Messing machen diese coole Sitzgelegenheit zum Lieblingsstück. Das besondere Highlight ist die seitlich befestigte, golden glänzende Metallplatte, die mit einem Haken ausgestattet ist: ideal, um dort Leseleuchte »Hooked« lässig am Kabel aufzuhängen. Understatement erster Klasse aus Great Britain.

Bei Sessel »Wingback Remix« hängt die Leseleuchte seitlich am Haken, eine spezielle Vorrichtung aus Messing macht‘s möglich. Design+Foto: Buster & Punch

Schillernde Erscheinung

Extravagante Fransenkleider, lange Perlenketten und exotischer Federschmuck am kurzen Bubikopf – das gehörte zum stylishen Outfit trendbewusster Damen der Goldenen Zwanziger Jahre. Ein wenig versetzt uns Leuchte »Luna Nova« von pluma cubic in diese überschwängliche Zeit des Great Gatsby, der eleganten Salons und rauschenden Feste. Die textile Schirmbespannung ist von smaragdgrünen, glänzenden Hahnenschlappen (Federn) besetzt. Der Fuß besteht aus schwarz geölter Eiche, ein schwarzes Textilkabel mit Kippschalter und Schukostecker runden das Design konsequent ab. Ihr ineinander verschränktes Federkleid lässt die Leuchte sowohl bei Tag als auch bei Nacht mondän aussehen. Die Berliner Architektin Heike Buchfelder verwendet für ihre Entwürfe das Gefieder von Hähnen und Gänsen, die in die handgenähten, gelochten Lampenschirme mit den Kielen nach innen gesteckt werden. Das natürliche Material ist weich, langlebig und schmutzabweisend. Direkte Sonneneinstrahlung und Hitze (mehr als 65/70°) sollte vermieden werden. Zum Einsatz kommen Federn von Vögeln aus Zuchtbetrieben, die für den Verzehr bestimmt sind.

Tischleuchte »Luna Nova« schmückt sich gekonnt mit echten Federn. Deren dunkles Grün harmoniert mit dem schwarzen Fuß aus Eichenholz, aufeinander abgestimmt wie bei einer Abendgarderobe. Design: Heike Buchfelder, pluma cubic. Foto: Christoph Sagel

Den Kopf auf Reisen schicken

Um in eine andere, magische Welt abzutauchen, ist das Koffer packen nicht immer nötig. Mit nur einem Handgriff lässt sich das heimische Zimmer in einen paradiesischen Strand oder eine stimmungsvolle Uferpromenade verwandeln, dafür braucht es nur die »Ripple lamp«. »Ripple« kommt aus dem Englischen und bedeutet »Welle«, und diese weiß die kleine Tischleuchte auch zu schlagen. So simpel die Idee erscheinen mag, um so mehr Raffinesse und handwerkliches Können steckt dahinter: Licht fällt durch die mundgeblasene Glaskuppel, die sich langsam dreht. Dieser glühlampenförmige Schirm ist leicht uneben und speziell bearbeitet, so dass sich die projizierten Lichtbilder, die an der Wand entstehen, an die Bewegung sanft wogender Wellen erinnern. Den Entwurf lieferten die Designer Hanhsi Chen and Shikai Tseng, die ihr Studio poetic lab in London haben. Ihre Realisierung gelang in Zusammenarbeit mit der österreichischen Glasmanufaktur Lobmeyr. Ein Video auf der Homepage von poetic lab zeigt eindrucksvoll das faszinierende Lichtspiel und erlaubt einen Einblick in die Herstellung des Glases. Die Leuchte ist in verschiedenen Größen erhältlich, der Fuß besteht aus Messing, Leuchtmittel sind Halogenlampen (G4, max. 35 W).

Wenn das Licht durch die Kuppeln aus mundgeblasenem Glas fällt, entstehen bewegte, wellenförmige Bilder an der Wand. Der Effekt gelingt durch die von Hand bearbeitete Oberfläche des Glases und wirkt so real, da sich der Schirm der »Ripple lamp« langsam dreht. Design: poetic lab für Lobmeyr. Fotos: Lobmeyr

Galaktischer Mikrokosmos

Leuchte »Orion« macht es zum Kinderspiel, die Sterne vom Himmel zu holen – und sie im heimischen Territorium aufblitzen zu lassen. Die transparente, klare Struktur aus Metall ist mit 148 LED-Lampen besetzt, die sich per Fernbedienung dimmen lassen. Diese filigrane Formensprache prägt die Arbeiten des niederländischen Designers Jan Pauwels. Das luftige, schwebende Objekt »Orion« hat er für den niederländischen Leuchtenhersteller Quasar entworfen. Es spendet ein warmweißes Licht von 2700 Kelvin und ist wie dafür gemacht, auf unserem Planeten zu landen, um dort für eine überirdische Atmosphäre zu sorgen.

»Orion« bildet in sich eine eigene, kleine Galaxie aus 148 »Sternen«, bestehend aus LEDs, die sich je nach Anlass und Lichtstimmung dimmen lassen. Design: Jan Pauwels für Quasar. Foto: Quasar

Einer für alles

Ob zum Glühwein-Umtrunk im Winter oder für die Gartenparty im Sommer: »Jack« ist immer zur Stelle und setzt jede Feierlichkeit ins rechte Licht, sowohl drinnen als auch draußen. Neben herkömmlichen Laternen aus Zink oder Edelstahl spielt »Jack« die Rolle des schicken Gentleman, dafür sorgt sein Outfit aus geschliffenem Kristallglas, oberflächenveredeltem Kupfer und kernigem Leder. Er lässt sich über USB aufladen, so dass die integrierten LED-Lampen bis zu sieben Stunden lang warmweißes Licht (2700 Kelvin) abgeben können. Roel Haagmans und Clarissa Dorn von Windfall aus München sind sonst auf größere Kristallleuchter spezialisiert. »Jack« ist jedoch genau dafür konzipiert, um ihn überall hin mitzunehmen, aufzuhängen oder hinzustellen. Ein moderner Nomade im Glitzergewand.

Die LED-Laterne »Jack« ist für drinnen und draußen gleichermaßen geeignet. Sie ist über USB wieder aufladbar und gibt dann bis zu sieben Stunden ein warmweißes Licht ab. Der Korpus besteht aus geschliffenem Kristallglas. Foto: Windfall

Weitere Informationen:

Autorin: Andrea Mende, Leipzig
www.terzani.it
www.busterandpunch.com
www.pluma-cubic.com
www.poetic-lab.com
www.lobmeyr.at
www.quasar.nl
www.random.be
www.windfall-gmbh.com


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