Designleuchten

Leipziger Unikate

Altes und neues Industriedesign aus dem Osten

Auf einen Blick

Der Name ist Programm: WLM Leipzig steht für »Werkstätten für Licht und Mobiliar«. Folker Keck und Norman Becker bringen ehemalige Fabrik- und Arbeitsleuchten wieder auf Vordermann, bauen und entwerfen aber auch ihre eigenen Möbel im rustikalen Retrodesign. Um die klare Ästhetik des unverfälschten Materials zu erhalten, setzen sie auf bewährte Arbeitstechniken und reine Handarbeit.

Mit einer zufällig entdeckten Arbeitsleuchte fing vor etwa 25 Jahren alles an. Damals besaß Folker Keck eine kleine Druckerei und fand im Keller eine »Midgard«-Leuchte von 1923, die sofort sein Interesse weckte. Er brachte sie wieder in Schuss und fand großen Gefallen am Ergebnis. »Das Ganze entwickelte sich Schritt für Schritt weiter«, berichtet Folker, nach und nach kamen mehr Leuchten dieser Art dazu. Durch Betriebsauflösungen ergaben sich günstige Gelegenheiten, den Bestand zu erweitern – der Startschuss für die Gründung einer eigenen Werkstatt war gefallen.

Bei der Scherenleuchte von Midgard handelt es sich um ein Sondermodell von ca. 1930, da die Ausziehlänge außergewöhnlich groß ist. Das Material ist Stahl mit emailliertem Schirm. (Foto Mirko Ettlich)

Erste Aufträge erhielt der gelernte Drucker und Zimmermann von einem Leipziger Café, für das er Tische und Stehtische baute und die Innenbeleuchtung übernahm. Während dieser Zeit lernten sich Folker Keck und Norman Becker über einen gemeinsamen Freund kennen. Norman beschäftigte sich damals neben seinem Maschinenbaustudium mit Goldschmiedearbeiten, später folgte noch eine Ausbildung zum Ergotherapeuten. Beide verband neben dem handwerklichen Hintergrund auch der Wunsch, eigene Ideen umzusetzen, und zwar im Umgang mit so »ehrlichen« Werkstoffen wie Holz und Metall. »So hat sich die Zusammenarbeit in der Werkstatt einfach entwickelt«, meint Norman.

Folker Keck (links) startete mit seiner Werkstatt vor rund 15 Jahren. Zusammen mit Norman Becker (rechts) hat er sich auf das Restaurieren von ehemaligen Industrieleuchten und den Bau von Industriemöbeln aus alten, wieder aufbereiteten Materialien spezialisiert. (Fotos Mirko Ettlich)

Reine Handwerkskunst

Ganz bewusst auf die altmodische Art wird in der Leipziger Werkstatt noch geschliffen und poliert, geschweißt und gelötet. Hinter dieser Herangehensweise steckt jede Menge Know-how, was dem engagierten Team die Teilnahme an bedeutsamen Ausstellungen einbrachte. Das Leipziger Grassimuseum dokumentierte 2002/2003 mit »Bauhausleuchten? Kandemlicht!« die Zusammenarbeit der Firma Kandem mit dem Bauhaus. »Die Leuchten, die wir damals geliehen haben, wurden auch von uns restauriert«, erzählt Folker. Im Anschluss waren die Exponate im Berliner Bauhausarchiv-Museum für Gestaltung zu sehen. Im Sommer 2015 unterstützte WLM die Ausstellung »Tür an Tür – Geschichte und Geschichten jüdischer Nachbarn in Leipzig-Schleußig« mit Lichtobjekten.

Erst rosten die Lampenschirme kontrolliert vor sich hin, damit sie Patina entwickeln. Bis das Ergebnis so überzeugend ist, dauert es schon ein Vierteljahr. Anschließend wird die Oberfläche durch eine matt schimmernde Versiegelung geschützt. (Foto links: Mirko Ettlich, Foto rechts: Franziska Frenzel)

Bei der Produktion von limitierten Auflagen und Einzelanfertigungen gehen die beiden richtig auf. »Es macht Spaß, wenn Bewegung ins Spiel kommt, wenn es sich nicht zu einer Großserie entwickelt und wir am Ende eine gute Resonanz auf unsere Arbeit bekommen«, so Folker. »Ich finde es spannend, dass wir Objekte reproduzierbar machen, dass wir eine Art Selbstläufer daraus entwickeln«, sagt Norman. »Wir zerlegen die Leuchten, holen den Lack runter, machen die Oberfläche schön und werten sie auf«, beschreibt Folker.

»Jetzt geht es auch immer mehr darum, dass wir unsere eigenen Sachen machen«, ergänzt Norman. Für das Leipziger Café hatten sie eine Straßenlaterne zur »Öllampe« umfunktioniert: in den langen Glaskörper setzten sie einen zweiten hinein, extra von einem Glasbläser angefertigt. Das innere Glasgefäß füllten sie mit Öl und halterten es mit Messingdrehteilen, darin befand sich auch das Leuchtmittel. »Wir haben lange daran herumgetüftelt. Als Ergebnis erhielten wir eine Leuchte, die sich dimmen ließ und ein unglaublich bernsteinfarbenes Licht abgegeben hat«, so Norman.

Diese Fabrikleuchte stammt wahrscheinlich aus den 1950er Jahren und ist dem VEB Leuchtenbau Leipzig zuzuordnen. Die Leuchte wirkt massiv, ist durch ihren polierten, getreppten Schirm aus Aluminium jedoch recht leicht. (Foto: Mirko Ettlich)

Zeitzeugen mit Charakter

Es sind ganz unterschiedliche Leuchtenmodelle, mit denen es die Spezialisten von WLM zu tun haben. Ihnen kommen explosionsgeschützte Bunkerleuchten ebenso auf die Werkbank wie Stativstrahler oder Gelenkleuchten. Einige bekannte Herstellernamen aus dem Osten tauchen immer wieder auf, darunter Midgard, Paul Mrosek KG (seit 1990 LBW, Leuchtenbau Wittenberg), EOW (Elektroinstallation Oberweimar), Kandem und später als Nachfolger LBL (VEB Leuchtenbau Leipzig).

Das Bild zeigt eine Doppelgelenkleuchte mit Wandhalterung von Midgard, von etwa um 1935. Sie verfügt über einen lackierten Aluschirm und über ein Versteifungsblech im ersten Arm, das für extreme Belastungen ausgelegt ist. (Foto: Mirko Ettlich)

Bei der Restaurierung zählt jedes Detail, es geht immer um den Erhalt von Individualität. Patina und Schönheitsfehler dürfen daher bleiben. »Wir nehmen alle technischen Anpassungen vor, rüsten die Leuchten so um, dass sie dimmbar sind oder mit einer Glühlampe bestückt werden können«, sagt Folker. Doch wie stehen die Beiden eigentlich zur LED-Technik? Norman: »Bisher setzen wir das weniger ein. Wenn es zum Beispiel ums Dimmen geht, können wir auch gut auf Leuchtstoffröhren zurückgreifen.« Folker: »LED wäre in dem Moment praktikabel, um die Leuchte über Bluetooth per Smartphone und APP ansteuern zu können.« Das wäre etwa bei kompakten Pendelleuchten eine komfortable Lösung. »Wichtig ist uns, dass das Leuchtmittel genau das Licht erzeugt, wie wir es uns vorstellen«, sagt Norman.

Weitere Informationen:
WLM Leipzig beliefert Kunden in Deutschland sowie im Ausland, ihre Leuchten und Möbel sind auf ihrer Homepage zu sehen: www.w-l-m.com
Text: Andrea Mende, Leipzig


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