Projekte

Kostbare Schätze unter Tage

Die Goldkammer Frankfurt/Main

Auf einen Blick

In einer spektakulären Abfolge unterirdischer Stollen und Schatzkammern präsentiert die Goldkammer in Frankfurt/Main mehr als 500 Goldartefakte aus unterschiedlichsten Epochen der vergangenen 6.000 Jahre. Den Ausstellungsgestaltern von merz merz ist es gelungen, auf insgesamt nur 480 m2 eine beeindruckende Museumswelt zu arrangieren. Mit einer unaufdringlichen, aber nachdrücklichen Inszenierung der Exponate aus integrierten Beleuchtungselementen unterstreicht Licht Kunst Licht die Dramaturgie dieses innovativen Ausstellungskonzeptes.

Herausfordernde bauliche Vorgaben
Aus architektonischer Sicht ist die Goldkammer Frankfurt ein recht ungewöhnlicher Museumsbau. Zum einen stand schon vor der Auswahl des Gebäudes fest, welche Exponate darin ausgestellt werden sollten. Zum anderen fiel die Wahl für den Museumsstandort auf eine denkmalgeschützte Stadtvilla im Frankfurter Westend. Aufgrund der strengen Denkmalschutzvorgaben sollten die Ausstellungsräume allesamt unterirdisch entstehen. Diese baulichen Anforderungen verhalfen der Goldkammer schließlich zu ihrem einzigartigen Erscheinungsbild. Für die Exponate entstand eine raffinierte Abfolge von Gewölben unter der Erdoberfläche, während sich in den oberirdischen Geschossen des kernsanierten Gebäudes das Foyer mit Ticketverkauf, eine Café-Tagesbar und ein Restaurant befinden.

Die Goldkammer in Frankfurt/Main präsentiert sich über Tage als Stadtvilla, unter der Erde erwartet die Besucher ein Kammersystem, in dem mehr als 500 Exponate einen kulturhistorischen Rahmen von über 6.000 Jahren aufspannen. (Foto: Hubertus Hamm. Alle Rechte bei Goldkammer Frankfurt GmbH)

Warm Welcome über Tage
Das Eingangsfoyer empfängt den Besucher mit einer freundlichen, warmen Beleuchtung, die aus den Deckenfeldern heraus und mit eigens für das Museum entworfenen Pendelleuchten erfolgt. Mit ihrer engabstrahlenden Lichtcharakteristik erzeugen die Leuchten ein gerichtetes und brillantes Licht, das auf den polierten Oberflächen zu gewünschten Lichtabbildungen und Reflexen führt. Zusätzlich kommen in den Deckenkassetten umlaufende Lichtvouten als zweite, weiche und homogene Lichtkomponente zum Einsatz. Die Lichtfarbe der LEDs beträgt 3.000 K und bringt sowohl die vorherrschenden tiefblauen Wandfarben als auch die Akzente in warmtonigem Messing zur Geltung. Messing als ein dem Gold artverwandtes Edelmetall findet jedoch nicht nur als Oberfläche seine Verwendung, sondern ist in den Pendelleuchten auch als lichttechnisches Bauteil enthalten: Wie einst der Glühstrumpf bei einer alten Gaslaterne sitzt ein zylindrisch geformtes Gewebe aus feinem Messingdraht unterhalb der COB-LED, fungiert als Lichtträger und lässt es für den Betrachter als sanft glimmender Körper wahrnehmbar werden.

Bevor es in die Unterwelt hinabgeht, begrüßt den Besucher ein warmer Glanz im Foyer. (Foto: Marcus Ebener)

Lebendige Reise unter die Erdoberfläche
Die Reise zu den unterirdischen Ausstellungsräumen beginnt vom Foyer aus mit einer Fahrt in einem Aufzug. Die Liftkabine bewegt sich ausgesprochen langsam und wird medial bespielt. So entsteht beim Besucher das Gefühl, tief unter die Erdoberfläche zu gelangen. Unten angekommen, beeindrucken schon auf den ersten Blick die Gewölbe mit ihren außergewöhnlichen Marmorböden. Licht und Farben werden in den Kammern im Kontrast zur Oberwelt nur dezent eingesetzt. Vier Naturmaterialien dominieren den Raum: Stampflehm, Bronze, Marmor und Stein.

Die facettenreiche Welt des Goldes eröffnet sich in vielen kleinen Ausstellungsräumen, doch eine raffinierte Lichtführung lässt die Grundrisse großzügiger wirken, als sie tatsächlich sind. Lineare Lichtbänder suggerieren einfallendes Tageslicht, während dezent gesetzte Lichtakzente eine geheimnisvolle und spannungsreiche Atmosphäre erzeugen.

Im unterirdischen Museum fügen sich Grundrissplanung, Materialkonzept, multimediale Bespielung und Beleuchtung zur optimalen Kulisse für die kostbaren Exponate. (Foto: Marcus Ebener)

Einstimmung in die unterirdische Welt des Goldes
Der Auftakt der Ausstellung widmet sich der Frage, wie das Gold auf die Erde gelangt ist und wie es aus unterirdischen Vorkommen gewonnen wird. Die dunkel gehaltenen Räume verfügen über Wände aus schroff behauenem Naturstein. Gedämpftes Licht kommt aus explosionsgeschützten Leuchten, die entlang des Stollens auf die Wände aufgesetzt wurden. Lose hängende Kabel, mit denen die Leuchten verbunden zu sein scheinen, verstärken die Assoziation mit Grubenlampen. An einigen Stellen ergänzen oberhalb des Deckengitterrostes platzierte LED-Leuchten, die an freistrahlende Leuchtstofflampen erinnern, das Grundlicht und verstärken den groben, zweckmäßigen Charakter der Räume. Eine Standvitrine beherbergt 4,6 Milliarden Jahre alte Meteoriten. Ihre flächige, dynamische Beleuchtung unterstützt die raumfüllende 360°-Videoprojektion, die den Meteoriteneinschlag auf der Erde simuliert.

Wie ist das Gold auf die Erde gelangt und wie wird es geschürft, gereinigt und anschließend eingeschmolzen? Diesen Fragen widmet sich der Prolog zur Ausstellung in dunkel gehaltenen und gedämpft beleuchteten Räumen, die an Bergwerksstollen erinnern. (Foto: Marcus Ebener)

Kühler Tageslichteindruck und warmtonige Ausstellungsbeleuchtung
Der Hauptbereich des Museums widmet sich den Themen Gold als Währung, Frühe Kulturen und Schmuck. Die sich in diesem Abschnitt nach oben hin verjüngenden Räume mit Stampflehm und Lehmputz lassen an die Pyramidenbauwerke der alten Ägypter und Mayas denken. In Deckenversprüngen sind für den besucher nicht sichtbar lineare Lichtbänder untergebracht und erwecken den Anschein, als würde aus ihnen kühles Tageslicht hervorquellen. Die Strahler für die Exponate dagegen sind mit warmweißen Leuchtmitteln mit 2.700 K Farbtemperatur bestückt, um die goldenen Exponate in warmtonigem, intensivem Licht glänzen zu lassen. Deckenbündige Stromschienen nehmen die zumeist in Gruppen angeordneten Strahler zusammen mit einem linearen Downlightmodul für die Wartungsbeleuchtung auf. Die Anordnung der Stromschieneneinheiten nimmt dabei Bezug auf die von allen Seiten zugänglichen Standvitrinen, die in den Räumen symmetrisch angeordnet sind. Ergänzt werden sie durch zahlreiche Wandvitrinen, die jeweils mit einer Batterie sehr kleiner, blendfreier LED-Spots bestückt sind.

Aus den Deckenversprüngen scheint dank versteckt montierter Linearleuchten kühles Tageslicht hervorzuquellen; die Beleuchtung der Exponate erfolgt mit Strahlern in warmer Lichtfarbe. (Foto: Marcus Ebener)

Warmweißes Licht arbeitet die Goldtöne der Exponate optimal heraus. (Foto: Hubertus Hamm. Alle Rechte bei Goldkammer Frankfurt GmbH)

Lichtbänder als visuelle Verbindungselemente
Zwei Highlights der Ausstellung – die einzig erhaltene Goldbüste von Licinius I. und eine kostbare Goldmaske aus Kolumbien – werden in zwei gegenüberliegenden Kammern gezeigt, die durch den Ausstellungsraum »Antike Kulturen« miteinander verbunden sind. In den rückseitigen Wänden der Kammern befindet sich ein senkrechter, konisch zulaufender Rücksprung, der als Vitrine ausgestaltet ist und jeweils ein Exponat beherbergt. Beidseitig, von außen unsichtbar in den Fugen angebrachte Linearleuchten erzeugen den Eindruck eines glühenden Lichtbandes, das auch den mittleren Raum in Form eines Deckenrücksprungs durchzieht und das Raumensemble visuell verbindet. Das Lichtband sorgt für die Grundhelligkeit und bildet zugleich die Rückwandbeleuchtung der beiden Wandvitrinen. Die direkte Beleuchtung der Exponate erfolgt mit für den Betrachter nicht einsehbaren Strahlern.

Die einzig erhaltene Goldbüste von Licinius I. wird in einem als Vitrine ausgestalteten Wandrücksprung gezeigt. Beidseitig in den Fugen angebrachte Linearleuchten erzeugen den Eindruck eines glühenden Lichtbandes. (Foto: Marcus Ebener)

Versunkene Schätze im lichtdurchfluteten Meer
Die Goldschätze aus den Meeren werden in einem lichten, in zartem Blau gehaltenen Raum präsentiert. Die Exponate sind in der Raummitte platziert und von deckenhohen Glasscheiben umschlossen. Die Verglasung dient nicht nur als Schutz, sondern auch als multimediale Projektionsfläche und Informationsträger. Über den Exponaten schwebende historische Modellschiffe geben einen Hinweis darauf, dass man sich unter dem Wasser auf dem Meeresgrund befindet. Verstärkt wird dieser Eindruck durch eine raumgreifende Lichtinstallation. Von der Decke hängen sich ständig drehende mundgeblasenen Glaskolben herab, die von kleinen Halogenlampen durchstrahlt werden. So entstehen Projektionen von kaustischen Lichteffekten an allen Raumflächen und ahmen das Brechungsverhalten von Sonnenstrahlen an der Wasseroberfläche nach. Das Grundlicht für diesen Raum kommt aus deckenbündig integrierten Linearleuchten und ist mit mehreren Farbfilterfolien satt Blau eingefärbt, was das »Unterwasser-Gefühl« zusätzlich unterstreicht. Die Exponate erstrahlen dabei aber – wie es ihnen gebührt – in einem warmen, nahezu goldenen Licht.

Die Goldschätze aus den Meeren werden in einem lichten, in zartem Blau gehaltenen Raum gezeigt. Lichtreflexe an den Raumflächen schaffen eine Unterwasser-Welt. (Foto: Marcus Ebener)

Licht unterstützt digitales Museumskonzept
Begleitet wird die unterirdische Entdeckungsreise durch die Welt des Goldes von zahlreichen animierten Schautafeln und Videos der Medienplaner von Art+Com aus Berlin. Entlang einer im Boden eingelassenen Goldader, die sich durch die gesamte Ausstellung zieht, erfährt der Besucher an verschiedenen digitalen Stationen Wissenswertes über das Edelmetall. Marker im Boden, die über sehr engstrahlende Deckeneinbaurichtstrahler zur Geltung gebracht werden, offenbaren – wenn diese mit dem Smartphone gescannt werden – Informationen. Zusätzlich projizieren insgesamt 18 Goboprojektoren Informationstexte zu den jeweiligen Räumen auf die Wände. Die Projektoren sind unsichtbar in der Abhangdecke installiert und bringen den Content durch kleine, ovale Öffnungen in der Deckenverkleidung auf die Wände.

Das Restaurant im ersten Obergeschoss wird mit kleinen Einbau-Richtstrahlen erhellt. Ein modern interpretierter Kronleuchter zieht die Aufmerksamkeit auf sich, ohne den Raum zu dominieren. (Foto: Marcus Ebener)

Weitere Informationen:
Bauherr: Pacelli Immobilien- und Liegenschaftenverwaltung GmbH, München
Nutzer: Goldkammer Frankfurt GmbH, www.goldkammer.de
Architekt: AS+P Albert Speer + Partner GmbH, Frankfurt am Main, www.as-p.de
Ausstellungsgestaltung: merz merz gmbh & co. kg, Berlin, www.hgmerz.com
Lichtplanung: Licht Kunst Licht AG, Bonn/Berlin, www.lichtkunstlicht.com
Lichtplanung Sammlung Rothschild: Pfarré Lighting Design, München, www.lichtplanung.com
Mediengestaltung: ART+COM AG, Berlin, https://artcom.de
Elektroplanung: Speidel GmbH, Niederlassung Frankfurt, www.speidel.de
Fertigstellung: 2019

Hersteller und Leuchten:
Deckenleuchten:
Bergmeister: Sonder-Pendelleuchte, www.bergmeister-leuchten.de
Moooi: Mechmatics Chandelier, www.moooi.com
Bega: Studio Line Aufbaudownlight, www.bega.com
iGuzzini: Laser Downlight, www.iguzzini.com
Ledlinear: Xooline Voutenbeleuchtung, www.led-linear.de

Vitrinenbeleuchtung:
XAL: Move-it und Nano Systeme, www.xal.com
DGA: Tono und Brio Einbaurichtstrahler, www.dga.it
Ledlinear: Xooline LED-Leisten, Voutenbeleuchtung, www.led-linear.de

Außenleuchten:
Bergmeister: Canna Poller- und Mastleuchten und Abadia Wandleuchte, www.bergmeister-leuchten.de
Filix: RDD60 Bodeneinbaurichtstrahler, www.filixlighting.com

Effekt- und Spezialleuchten:
Lobmeyr: Ripple Wassereffektleuchte, https://light.lobmeyr.at
Rosco: Image Spot Gobo-Projektor, www.rosco.com


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