Lichtkunst

Ergänzend zum Artikel „Eine Begegnung der besonderen Art“ von Falko Köhler (LICHT 2/2017) schreibt er uns hier einige seiner persönlichen Reise-Highlights aus Andalusien:

Highlights in Andalusien zu sehen und erleben

Natürlich gilt das Hauptaugenmerk den großen Städten mit ihren spektakulären Sehenswürdigkeiten:

Granada: Alhambra mit Generalife (Alcazaba, die alte Festung) – Achtung, Karten frühzeitig kaufen (Internet: www.alhambra-patronato.es – die Eintrittspreise sind moderat, Kinder > 12 Jahre kostenlos, verschiedene Rabatte). Weil täglich nur eine beschränkte Anzahl Besucher in das Weltkulturerbe hineingelassen werden, teilweise auf Monate hinaus ausverkauft. Die gebuchte Einlasszeit muss eingehalten werden, für den Nasridenpalast, das ist der wunderschöne Kern der Anlage, sind max. 3 Std. Besuchszeit vorgesehen (ich bin aber nie kontrolliert worden). Denken Sie daran, dass genügend Zeit für das Generalife zur Verfügung bleibt, dieser Bereich kann vor oder nach der Alhambra besucht werden.

Das Generalife ist das „Paradies auf Erden“, überall sprudelt Wasser auch in raffinierten Wasserspielen, der Duft der unzähligen Rosen ist betörend. Wir lassen uns immer sehr viel Zeit und machen ausgedehnte Pausen. Vom Generalife hat man einen sehr schönen Blick auf die „Rote Burg“, zwischen beiden erkennt man Nutzgärten, in denen Obst, Wein, Gemüse angebaut werden, dieser riesige Garten ist authentisch und diente zur Maurenzeit der Versorgung des Hofes. Übrigens schaue ich gern vor oder nach dem Besuch der Alhambra in das kleine Büchlein „Erzählungen von der Alhambra“, das der amerikanische Diplomat und Schriftsteller Washington Irving vor fast 200 Jahren geschrieben hat, als er mehrere Monate dort wohnte: ein bunter Reigen von Kurzgeschichten, die starke Beachtung fanden und eine Renaissance der Alhambra nach jahrhundertelangem Dornröschenschlaf einleitete. Es lohnt sich auch, in den Prosawerken von Frederico Garcia Lorca zu stöbern, dem berühmten andalusischen Lyriker und Dramatiker, der 1936 von den Faschisten im Bürgerkrieg brutal ermordet wurde. Seine Lyrik ist sehr einfühlsam und spiegelt die andalusische Seele wider.

Granada ist eine große Stadt mit vielen Sehenswürdigkeiten. Wir gehen nach dem Besuch der „Burg“ runter ins Zentrum und suchen uns eine kleine Bar, um Tapas zu essen – also die kleinstmögliche Portion, die auf der Theke sichtbar angeboten wird – und davon mehrere verschiedene. Interessant ist auch ein Spaziergang durch den Albaicin. Von der roten Burg, nur durch das Tal des Darro getrennt (vom „Mirador San Nicolas“), hat man einen sehr schönen Blick auf die Burg – vor allem am späteren Nachmittag, wenn die tiefstehende Sonne die Burg in ein mildes rotes Licht taucht, im Hintergrund die fast immer schneebedeckte Sierra Nevada), Albaicin ist der älteste Stadtteil Granadas. Von dort gelangt man auch zum Sacromonte mit seinen zahlreichen Höhlenwohnungen, die immer noch fast ausschließlich von Zigeunern bewohnt werden.

Alhambra mit dem Löwenbrunnen.

Alhambra mit dem Löwenhof.

Alhambra, Myrtenhof.

Alhambra, das steingewordene Wunder.

Generalife.

Blick vom Generalife.

Cordoba: Unbedingt die Mezquita sehen und begreifen. Der Weg dorthin könnte über die Puente Romano führen: Erstens, weil man auf der Seite davor mit etwas Glück Parkmöglichkeiten findet, zweitens, weil man sich mit stetigen Blick auf die Mezquita jenseits des Guadalquivir mit seinem riesigen Wasserrad und den alten Mühlen die zentrale Lage und die Größe des Komplexes überschaut. Die Annäherung über die uralte Brücke und durch das alte Stadttor ist ein erhebendes Erlebnis. Auch, was übrigens für alle Städte gilt, trifft auf Cordoba zu: Es lohnt sich, anschließend durch die Gassen schlendern (mit oder ohne Plan):

Eines der sehenswerten Ziele könnte das Judenviertel mit seiner ca. 700 Jahre alten Synagoge sein. Von dort aus die Stadtmauer zur Bodega Guzmàn entlang, nichts wie hinein, dort ist es noch echt spanisch, man trifft sich am späteren Nachmittag. Übrigens: Zuhause trinke ich gerne auch Bier, aber in Andalusien gern einen Fino, ein dem Sherry ebenbürtiger Wein, der in der Umgebung Cordobas angebaut wird.

Vor den Toren Cordobas liegt Medina Azahara – für historisch Interessierte hochinteressant, dort sind die Ruinen der ehemaligen Regierungsstadt von vor mehr als 1000 Jahren zu erleben, die eine „Idealstadt“ darstellt (Regierung, Beamte, Dienstleister, klerikales Zentrum etc., natürlich auch die Gärten, streng getrennt, hierarchisch in Hanglage von oben nach unten). Damit verbinden kann man den Besuch der Einsiedeleien (Las Ermitas) in den nahen Wäldern. Cordoba war zu Zeiten Karls des Großen eine Millionenstadt, die größte islamische Stadt nach Damaskus.

Cordoba mit Mesquita und römischer-Brücke.

Bodega Guzmán Fasslager.

Das Gewölbe der Mihrab.

Mesquita, das Innere der Moschee.


Sevilla: Die Hauptstadt Andalusiens und heute seine größte Stadt. Man sollte sich die Kathedrale und die Reales Alcazares (königl. Residenz, teilw. aus der Maurenzeit, sehr schöne Gärten) anschauen. Besonders gefallen hat uns der alte Stadtteil „Macarena“ , dort liegt auch die älteste Kneipe von Sevilla, El Rinconcillo (Straße Dona Maria Coronel Ecke Gerona – Eckhaus). Übrigens gilt auch hier: Gute spanische Kneipen erkennt man (auch) daran, dass die „Reste“ von der Theke davor entsorgt werden, häufig essen und trinken und vor allem ratschen Einheimische gern stehend in Grüppchen vor der Theke. Wenn man Anfang April in der Gegend ist, muss man die „Feria d’Avril“ besuchen, etwa vergleichbar mit dem Oktoberfest in München, nur ganz anders: Neben den hauptsächlich einheimischen Besuchern, die auf den Straßen flanieren und in den (meist privaten) Zelten feiern, sind Ross und ReiterInnen die Hauptakteure auf diesem riesigen Veranstaltungsgelände – alle schick herausstaffiert – statt Dirndl und Lederhose, natürlich echt und teuer andalusisch. Die Stadt ist in dieser Woche im Ausnahmezustand. Die Behörden haben (meist) geschlossen, die Menschen sind beschwingt und schon am frühen Nachmittag kennen sie nur eine Richtung: die Feria!

El Rinconcillio, gegr. 1670.


Feria d'Avril, die Wirtin bedient dürstende Caballeros.


Feria d'Avril, früh übt sich...


Feria d'Avril, auch 5-spännig.


Feria d'Avril, eines von ca. 1000 Zelten.


Feria d'Avril, Ross und Reiter.


Senoras im Damensattel.


Glockenturm der Kathedrale, früher: Minarett der maurischen Moschee.

Cadiz: Ein Kleinod in sich, man begebe sich in die Altstadt, äußerster Zipfel der Stadt – eine Halbinsel, nach den großen Torbögen ist man gleich im Hafen, wenn man Glück hat, sind nur einige wenige Kreuzfahrtschiffe vor Anker oder an den Piers. Im kleinen Fremdenverkehrsbüro (übrigens wie in jeder Stadt gibt es meist auch Unterlagen auf Deutsch) ist der nötige Stadtplan für die Routenführung je nach Anspruch farbig markiert erhältlich, so wie man es auf dem Pflaster der Gassen wiederfindet. Manchmal zaubert ein plötzlich auftretender Seenebel einen Filter vor die Kuppel des Domes, um einen Augenblick später schon wieder verschwunden zu sein. Der Dom ist ein dominantes Wahrzeichen, in seiner Krypta, die unter dem Meeresspiegel liegt und eine sagenhafte Akustik hat, befindet sich das Grab von Manuel de Falla, dem großen spanischen Komponisten.

In Andalusien haben die Mauren eine schmackhafte Tradition hinterlassen, die „Leckermäuler“ begeistert: Wir schauen immer bei den Feinbäckern/Patisseuren durch’s Fenster, und wenn wir dann viele kleine Törtchen oder anderes „Kleingebäck“ entdecken, können wir nicht widerstehen, da wir gern von jedem etwas probieren mögen, lassen wir uns die Teilchen dann auch teilen, der Wunsch wird anstandslos gern erfüllt. Wenn man dann eine schöne Bank im Windschatten mit Meeresblick findet, dann schmeckt das Gebäck nochmal so schön. Viele Städte haben eigene Spezialitäten entwickelt, eine leckerer als die andere.

Wie jede größere Stadt hat auch Cadiz eine Markthalle, wie könnte es anders sein, seine meerumtoste Lage führt natürlich zu einem riesigen Angebot tagesfrischen Fischs. Erstaunlich, was das Meer hier alles anbietet. In oder auch um diese Markthallen gibt es kleine Stände/Bars, die zum Imbiss einladen, meist finden sich hier Einheimische zum Plaudern beim Fino und leckeren Tapas, besonders empfehlenswert neben Cadiz auch in Malaga (mercado central).

Dom.


Von Cadiz aus kann man in Richtung Tarifa fahren (oder auch umgekehrt), die Straße – N 340 – führt nicht immer direkt am Meer entlang, man mag sich ein paar schöne Flecken anschauen: z.B. Vejer de la Frontera (schöne weiße Stadt). Von Norden kommend, kurz nach Vejer, bei Kilometer 42,5, befindet sich der – sagen Kenner – schönste Golfplatz Andalusiens mit pompösem Entré. Achten Sie dort auf das unscheinbare Schild: „NMAC: Fondacion Montenmedio Arte Contemporaneo“ (www.fundacionnmac.org), ein hervorragender Skulpturenpark mit großartigen Werken der weltweiten Künstlerelite: Öffnungszeiten sind nicht immer eindeutig und variieren. Neben den international anerkannten Künstlern findet man dort auch eine Installation von James Turrell (Second Wind 2005), s. hierzu meine Ausführungen in der LICHT 2/2017.

Wahrscheinlich möchte man auch noch das Meer fühlen; so empfiehlt sich der traumhafte Strand von Bolonia, wo vor einer riesigen Sanddüne der Atlantik mit wunderschönen Wellen auf den feinen Sandstrand trifft – man muss einfach ins Meer springen! Dort hat man auch die Gelegenheit, den Ruinen einer römischen Stadt (samt einem ansprechenden Museum) zu begegnen, die vor mehr als 2000 Jahren für die Herstellung von Fischpasten bekannt war und das gesamte römische Reich belieferte.

Bolonia, feiner Sandstrand und römische Ruinen.


Aber es muss nicht immer (groß)städtisch sein: Allseits bekannt sind die weißen Dörfer, wie auf einer Perlenkette aufgereiht im Hinterland der Costa del Sol, immer einen Ausflug wert. Ganz besonders reizt uns die bergige Landschaft um Grazalema. Dort finden wir in streng geschützter Berglandschaft gut ausgezeichnete Wanderwege – Achtung: für manche Wege benötigt man eine schriftliche Erlaubnis. Diese erhält man im Informationszentrum des Naturparks in El Bosque nahe der Stierkampfarena, Tel. 956 727029. Für Wanderungen in der Kernzone des Naturparks sollte man besser tel. vorab reservieren lassen, da sie an Wochenenden und zur spanischen Ferienzeit stark frequentiert sind. So gelangt man u.a. zu den fast einzigen Pinsapienwäldern („Igeltannen“) und zu einer Tropfsteinhöhle „Garganta Verde“ in einem (meist) wasserfreien Canyon, es erfordert aber schon Ausdauer und Geschicklichkeit für diesen Weg. Dafür bieten sie aber zumeist ein schönes Erlebnis: die wunderbare Landschaft, Flora und Fauna mit vielen schönen Überraschungen. In der Gegend wird ein sehr guter Käse hergestellt und in eigenen Läden vermarktet, für uns immer ein Einkauf wert!

Uns zieht es nach solch einer Tour gern nach Zahara de la Sierra, eines der weißen Dörfer am Weg, mit schönen kleinen Bodegas und (natürlich) Tapas in allen Variationen. Auf dem Rückweg zur Küste fahren wir an Ronda vorbei – für Ronda selbst nehmen wir uns immer einen Tag, um dieses Kleinod zu erleben, die Stadt auf den schroffen Felsen mit den schönen Brücken zwischen Alt- und Neustadt – und versuchen den Sonnenuntergang auf dem nächsten Pass auf der Terrasse eines Gasthauses zu erleben: Bei entsprechender Witterung, ein Lichtspektakel von bizarrer Schönheit inmitten der karstigen Gebirge.

Ronda, Blick in die Landschaft.


Ronda, Brücke über dem Tajo.

Ronda, die Stadt auf dem Felsen.

Ronda, Feingebäck.

Ronda, Ross und Reiter an der Tankstelle.

Natürlich möchte ich keinen Reiseführer ersetzen und habe nur einige Erlebnisse aus unserer langjährigen Erfahrung aufgeschrieben – ohne Anspruch auf Vollständigkeit. Vielleicht hatten Sie einige Anregungen.

Falko Köhler, März 2017

 

Costa del Sol.

NMAC, Skulpturenpark bei Vejer la Frontera.

Sonnenuntergang in den Bergen.

Weißes Dorf.


Teilen & Feedback