Projekte

Gutes Licht, gute Reise

10.08.2020

Auf einen Blick

Das Terminal 4 am Singapore Changi Airport ist eine wichtige Station der Passenger Journey. Um den Aufenthalt für die Fluggäste so angenehm wie möglich zu gestalten, setzen die Betreiber auf ein holistisches
Beleuchtungskonzept, das Orientierung schafft und gleichzeitig entschleunigt.

Der Changi Airport in Singapur wird seit Jahrzehnten immer wieder zum beliebtesten Flughafen der Welt gewählt. Aus gutem Grund: Beim Flughafenbetreiber steht der Fluggast mit seinen Bedürfnissen und Anforderungen im Mittelpunkt. Dabei verfügt Changi über die Besonderheit, überproportional viele Stopover-Gäste zu versorgen – Umsteigegäste auf Langstreckenflügen, die einige Stunden im Flughafen verbringen und idealerweise so für die Stadt begeistert werden, dass sie bei einer nächsten Reise einige Tage hier verbringen wollen.

Das Terminal 4 am Flughafen Changi in Singapur verfügt über moderne Technologie, genügt hohen Ansprüchen und fügt sich nahtlos in den bestehenden Kontext ein. (Foto: Benoy)

Moderne Technologie für hohe Ansprüche

Mit der seit Jahren stark wachsenden Anzahl an innerasiatischen Fluggästen, stieg auch in Singapur zunehmend die Nachfrage nach Kurz- und Mittelstreckenflügen mit günstigen Airlines. Aus diesem Grund fiel 2012 der Startschuss zum Wettbewerb für das neue Low Cost Carrier Terminal 4, was auch zur Entlastung der bereits stark strapazierten Kapazitäten der Terminals 1 bis 3 dienen sollte. Changi wäre nicht Changi, würde es sich hier um ein Low Cost Terminal im klassischen Sinne handeln. Vielmehr sollte ein Terminal mit modernster Technologie entstehen, welches höchsten Ansprüchen genügt und sich nahtlos in den bestehenden Kontext einfügt. Deutlich wird dies auch daran, dass Terminal 4 heute der lokale Hub für den 5-Sterne-Carrier Cathay Pacific aus Hongkong ist – das Gegenteil einer Low Cost Airline.

Vom Check-In bis zum Abflug ist das Terminal 4 auf die Passenger Journey ausgerichtet und ermutigt die Reisenden, zu entschleunigen und Raum, Architektur und Ausstattung zu genießen. (Foto: Benoy)

Die Beleuchtungsplanung für das Terminal 4 bot die seltene Gelegenheit, ein holistisches Konzept gemeinsam mit dem Kunden und den Architekten zu entwickeln und das Tages- und Kunstlicht von den ersten Konzeptskizzen bis zur Fertigstellung integrativ zu betrachten. Größten Wert legten die Lichtplaner von Lichtvision Design auf visuellen Komfort, intuitive Orientierung und die Schaffung einer für den lokalen Kontext Singapurs charakteristischen Identität. Die »Passenger Journey « war das Kernthema, das dem Flughafenbetreiber am meisten am Herzen lag. Sie bietet positive Überraschungen und ermutigt die Reisenden, zu entschleunigen und Raum, Architektur und Ausstattung zu genießen – anstatt durch den Flughafen zu hetzen und das Umsteigeprozedere so schnell wie möglich hinter sich zu bringen.

Das Design von T4 sollte die für Changi typische, zum Verweilen einladende Atmosphäre schaffen, den Passagieren und dem Personal höchsten Komfort bieten und insgesamt ein unvergessliches Reiseerlebnis ermöglichen. Dabei unterstützt die Beleuchtung die Raumfolgen, Funktionen und Designelemente, auch indem natürliches und künstliches Licht in der Architektur zu einer selbstverständlichen Einheit verschmelzen.

Tag- und Nachtbetrieb als Herausforderung

Da das Gebäude rund um die Uhr genutzt wird, sind Tag- und Nachtbetrieb von gleicher Bedeutung. Das Design reagiert auf einen hellen, bedeckten Himmel oder direkte Sonne ebenso wie auf einen dunkelverregneten Tag oder die Nacht. Dies erfolgt durch eine differenzierte Konzeption von diffuser und direkter Tageslichttransmission, Lichtverteilung und Farbtemperatur des Kunstlichtes und dem adaptiven Übergang von hellen zu dunklen Zonen, von Tag und Nacht. Für die Tageslichtplanung war die Lage am Äquator maßgeblich. Hier fällt diffuses Tageslicht vorwiegend aus nördlicher und südlicher Orientierung in den Innenraum, während direktes Sonnenlicht aus Osten über den Zenit bis Westen den Innenraum penetriert. Geometrie und Anordnung der Gebäudeöffnungen wurden sehr früh in der Entwurfsphase optimiert und festgelegt.

Die »Signature Farbtemperatur« des Terminals beträgt 3.500 Kelvin und mischt sich gut mit kühlerem Tageslicht. Weiße Oberflächen und gesättigte Farben strahlen, während nachts eine angenehme und einladend ruhige Atmosphäre entsteht. (Foto: Benoy)

Die künstliche Beleuchtung wurde in einem einheitlichen Raster in Richtung des Passagierflusses implementiert. Leuchten wurden in unterschiedlicher Dichte platziert, um weiche Übergangszonen zu schaffen. Diffuse Lichtquellen ergänzen die Atmosphäre und verweisen auf das charakteristische Blütenblatt – dem gestalterischen Leitmotiv des Terminal 4. Im weiteren Projektverlauf wurden verschiedene Mock-ups im Maßstab 1:1 getestet, um die visuelle Wirkung der Tageslichtlösung und unterschiedlicher Farbtemperaturen des Kunstlichts auf Materialien und Oberflächen bei Tag und Nacht zu bewerten. Schließlich wurde eine »Signature Farbtemperatur« von 3.500 Kelvin gewählt, die sich gut mit kühlerem Tageslicht mischt. Weiße Oberflächen und gesättigte Farben strahlen, während nachts eine angenehme und einladend ruhige Atmosphäre entsteht.

Ein besonderes Beispiel ist die Gepäckausgabe. Sie öffnet sich als zentrale, vom Tageslicht durchflutete Galerie für eine einladende Ankunft. Die Transparenz bis hin zu den Gates verbindet alle Bereiche visuell miteinander. Die Orientierung ist intuitiv, was zu einem komfortablen Reiseerlebnis beiträgt. Das direkte Tageslicht wird durch das in den Oberlichtern integrierte Verschattungssystem ausgeblendet, ausgewogene Kontraste und weiche Übergänge zeichnen die außergewöhnliche Architektur des Raumes aus. Somit entsteht Raum für visuelle Akzente und Kunstwerke, die über das gesamte Terminal und die Galerie verteilt sind. Insbesondere die von Art+Com realisierten, im Luftraum schwebenden kinetischen Kunstwerke sind aus allen Richtungen im passenden Kontrastverhältnis zu genießen.

Die Gepäckausgabe öffnet sich als zentrale, vom Tageslicht durchflutete Galerie für eine einladende Ankunft. Die Transparenz bis hin zu den Gates verbindet alle Bereiche visuell miteinander. (Foto: Benoy)

Internationale Zusammenarbeit

Das Projekt ist beispielhaft für eine erfolgreiche, professionelle Zusammenarbeit zwischen Design- und Kundenteam über alle Phasen hinweg Lichtvision war zum Zeitpunkt des Wettbewerbserfolges Anfang 2013 seit einem knappen Jahr mit einem kleinen Design-Team in Hongkong vertreten. Der Designpartner Benoy leitete das Projekt ebenfalls aus Hongkong, Konsortialführer waren SAA Architects aus Singapur, die Ausführung erfolgte durch den japanischen Baukonzern Takenaka. Das hohe Maß an Designinput und Qualitätsanspruch der Architekten, sowie höchste funktionale und operative Anforderungen vom Flughafenbetreiber machten eine klare und strukturierte Kommunikation aller am Planungsprozess Beteiligten essenziell für den späteren Erfolg des Projektes. Am Ende steht ein Projekt, das sowohl im Hinblick auf die Planung und die Gestaltung, als auch auf die technische Umsetzung und die Teamdynamik, vorbildlich ist.

Weitere Informationen:
Bauherr und Nutzer: CAG Changi Airport Group, Singapur
Eröffnung: Oktober 2017
Tages- und Kunstlichtplaner: Lichtvision Design, Berlin und Hongkong, www.lichtvision.com/de
Architekten: SAA Architects (Executive Architect), Singapur, www.saaarchitects.com.sg; Benoy (Design Architect), London, www.benoy.com
Generalunternehmer: Takenaka Corporation, Osaka
Kinetische Skulpturen: Art+Com, Berlin, artcom.de
Eingesetzte Leuchten: iGuzzini, www.iguzzini.com/de; Feelux, www.feelux.com/global/; Acclaim Lighting, acclaimlighting.com; Philips, www.philips.de; acdc, www.acdclighting.com


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