Wissenschaft

European Lighting Expert und geprüfter Lichtexperte (LiTG)

Interview mit Stefan Grimm zum europäischen Bildungsstandard und zum Weiterbildungsangebot der LiTG

Auf einen Blick

Die rasanten Entwicklungen in Wissenschaft, Forschung, Technik und Anwendung in den Bereichen Licht und Beleuchtung machen eine qualifizierte Aus- und Weiterbildung durch unabhängige Institutionen wichtiger denn je. Seit 2015 bietet die LiTG ein herstellerneutrales Weiterbildungsprogramm an. Im Herbst beginnt ein neuer Ausbildungszyklus. LICHT sprach mit Dr.-Ing. Stefan Gramm, der seit Oktober 2016 als wissenschaftlicher Leiter für Fortbildung und Förderprogramme bei der LiTG zuständig ist.

LICHT: Herr Gramm, was zeichnet einen European Lighting Expert (ELE) aus?

Stefan Gramm: Der registrierte European Lighting Expert beherrscht die Grundlagen der Lichttechnik und ist in der Lage, eine praktische Beleuchtungsplanung durchzuführen, die sowohl lichttechnische als auch lichtgestalterische Aspekte berücksichtigt. Wer in Deutschland, Österreich, der Schweiz und den Niederlanden ELE werden möchte, muss sein Wissen durch Bestehen einer qualifizierten Prüfung unter Beweis stellen. Die reine Anwesenheit bei einer Weiterbildung genügt nicht.

Für die Lichtplanung von Innenräumen werden Architekturpläne herangezogen.

LICHT: Wieso bedarf es Ihrer Meinung nach einer solchen Weiterbildung?

Stefan Gramm: Lassen Sie mich kurz erläutern, wie es zum ELE kam: Der ELE selbst ist keine Weiterbildung, sondern ein von LiTG, LTG, NSVV und SLG abgestimmter Wissensstandard über Licht und Beleuchtung unterhalb der Hochschulausbildung. Durch Bestehen einer Prüfung vor der Prüfungskommission einer nationalen Lichtgesellschaft kann sich der Absolvent im ELE-Register eintragen lassen und den Titel ELE führen. Zur Vorbereitung auf die Prüfung entwickelte die LiTG ihr Weiterbildungsprogramm »Geprüfter Lichtexperte (LiTG)«. In den anderen beteiligten Ländern gibt es eigene Weiterbildungsmöglichkeiten.

LICHT: Es gibt ja mehrere Anbieter auf dem Markt. Was macht die LiTG-Weiterbildung anders?

Stefan Gramm: Die LiTG-Weiterbildung ist herstellerneutral. Dies ist für den Großteil unserer Teilnehmer von entscheidender Bedeutung. Der modulare Aufbau ermöglicht auch, einzelne Themen gezielt aufzufrischen. In der Tat haben wir eine ganze Reihe solcher Anmeldungen. Zum Beispiel schulen wir im September die Berliner Umweltämter gezielt in den Grundlagen der Lichttechnik im Hinblick auf die Blendungsbewertung. Auch gibt es eine Zusammenarbeit mit dem Institut für betriebliche Bildungsforschung ibbf, sodass Berliner Unternehmen, die ihre Mitarbeiter durch die LiTG weiterbilden lassen, eine Förderung von bis zu 70 % der Nettokosten vom Land Berlin erhalten.

Im schwarzen Labor der TU Berlin führen die Teilnehmer lichttechnische Versuche durch.

LICHT: Sie haben eben zwei Teilnehmergruppen erwähnt. Wer ist sonst Ihre Zielgruppe?

Stefan Gramm: Wir sprechen vor allem Personenkreise an, die in ihrer Arbeit mit den Themen Licht und Beleuchtung konfrontiert sind. Dazu zählen Architekten, Innenarchitekten oder Elektroplaner, die auch lichtplanerische Aufgaben übernehmen. Oder Mitarbeiter aus Kommunen, die für die öffentliche Beleuchtung zuständig sind und sich das nötige Wissen aneignen wollen, um Angebote von Herstellern richtig bewerten zu können. Genauso Facility Manager und Mitarbeiter aus der Wohnungswirtschaft, die für ihre Objekte die geeigneten Leuchtmittel und Lichtsysteme aussuchen möchten. Auch Vertriebsmitarbeiter aus der Licht-Industrie, die heute oft einen betriebswirtschaftlichen Hintergrund haben, denen aber das lichttechnische Fachwissen fehlt, gehören zu unseren Zielgruppen.

LICHT: Das sind sehr unterschiedliche Berufsgruppen. Was muss ich an Zugangsvoraussetzungen mitbringen?

Stefan Gramm: Die theoretischen Hintergründe erklärt zu bekommen und im praktischen Versuch auszuprobieren und zu erfahren, ergibt den schönsten Aha-Effekt. Dies gelingt am besten, wenn Teilnehmer vorher schon einmal auf Probleme mit Licht und Beleuchtung gestoßen sind. Aber grundsätzlich können alle Interessierten auch ohne technische Vorbildung die Weiterbildung besuchen. Um sich für die Prüfung anzumelden, muss man die LiTG-Weiterbildung aber nicht besucht haben. Jeder, der über das in den Lernzielen geforderte Wissen verfügt, z. B. durch langjährige Berufserfahrung oder weil er an der Weiterbildung eines anderen Anbieters teilgenommen hat, kann sich zur Prüfung anmelden. Die Lernziele sind auf unserer Webseite veröffentlicht.

LICHT: Wie sieht das Programm inhaltlich aus?

Stefan Gramm: Die LiTG-Weiterbildung besteht aus zwei Grundlagenseminaren, je drei speziell auf die Innen- bzw. Außenbeleuchtung zugeschnittenen Seminaren sowie dem Modul Elektrotechnik und Lichtsteuerung. Anhand der Darstellung lichttechnischer Grundgrößen in Theorie und Praxis vermitteln die beiden Grundlagen-Seminare die Zusammenhänge zwischen dem Wahrnehmen von Licht, seiner messtechnischen Erfassung sowie der lichttechnischen Funktionsweise von Lichtquellen und Leuchten. Die Spezial-Seminare vermitteln das zur selbstständigen Planung von Innen- bzw. Außenbeleuchtung notwendige Wissen: Dazu zählen u. a. gestalterische Entwurfstechniken, Anwendung und Interpretation relevanter Normen- und Regelwerke, technischer und wirtschaftlicher Betrieb, Wartung, Modernisierung, Wirtschaftlichkeitsberechnung.

LICHT: Von der Theorie in die Praxis: Wie hoch ist der praktische Anteil und wie wird dies vermittelt? Gibt es auch Schulungen am realen Objekt?

Stefan Gramm: Praktische Übungen machen einen großen Teil der Weiterbildung aus. So führen die Teilnehmer lichttechnische Messungen und Versuche im Lichtlabor durch. Sie erarbeiten theoretische Beleuchtungsplanungen, die sie in die Praxis umsetzen sollen. Dabei lernen sie unmittelbar, wie schwierig das sein kann. Der Praxisbezug reicht bis in die Prüfung. Dort muss als Hausarbeit die Beleuchtungsplanung eines realen Objektes konzipiert und ausgearbeitet werden.

LICHT: Wie sichern Sie eine hohe und gleichbleibende Qualität der Lehrinhalte? Welche Referenten und Experten ziehen Sie hinzu?

Stefan Gramm: Unsere Lehrinhalte wurden von renommierten Experten erarbeitet, die auch als Referenten tätig sind. Meine Aufgabe besteht unter anderem darin, die Seminarinhalte in Zusammenarbeit mit den Referenten aktuell zu halten und die Abläufe zu optimieren. Dabei helfen regelmäßige anonyme Bewertungen der Inhalte und Referenten durch die Teilnehmer. Für die Inhalte der Prüfung ist die Qualitätssicherungskommission der European Lighting Expert Association (ELEA) zuständig.

LICHT: Sie treten in direkten Dialog mit den Teilnehmern. Wo drückt der Schuh besonders?

Stefan Gramm: Viele unserer Teilnehmer sind zur LiTG gekommen, weil wir herstellerneutral sind, einen interdisziplinären Ansatz verfolgen und Theorie und Praxis verbinden. Die meisten arbeiten schon länger praktisch im Bereich Licht; dies möchten sie durch theoretische Kenntnisse auf eine solide Basis stellen und ihr Wissen verbreitern. Damit fühlen sie sich ganz einfach sicherer in ihrer beruflichen Tätigkeit.

LICHT: Was kostet mich der Lehrgang etwa und wieviel Zeit muss ich investieren?

Stefan Gramm: Wer sich beispielsweise in der Innenbeleuchtung weiterbilden will, besucht zwei Grundlagen- und vier Spezialmodule, das sind insgesamt 12 Tage. Zusätzlich benötigt die Prüfungsvorbereitung natürlich auch etwa eine Woche Zeit. Zusammen mit den Kosten für die Prüfung und Registrierung ist mit ungefähr 5500 € zu rechnen. Für LiTG-Mitglieder gibt es Rabatte.

LICHT: Was kann ich mit einem fertigen Abschluss als ELE machen?

Stefan Gramm: Der Titel ELE wirkt in mehrfacher Hinsicht: Er dient der Vergleichbarkeit der Qualifikation in Europa. Unternehmen, die ELE beschäftigen, zeigen damit, dass sie Wert auf eine fundierte Weiterbildung ihrer Mitarbeiter legen. Der ELE kann gegenüber seinen Auftraggebern belegen, dass er die Fachinhalte beherrscht. Der Auftraggeber kann dann sicher sein, dass er einen qualifizierten Lichtfachmann im Boot hat.

Bei der praktischen Umsetzung von Außenbeleuchtungsplanungen...

... lernen die Teilnehmer verschiedene gestalterische Möglichkeiten...

... in der Anwendung kennen.

LICHT: Mit wie vielen Absolventen rechnen Sie bis Ende des Jahres?

Stefan Gramm: Wir rechnen mit knapp 60 ELEs aus allen beteiligten Ländern bis Ende 2017.

LICHT: Herr Gramm, herzlichen Dank für das Gespräch.

Stefan Gramm: Auch ich bedanke mich dafür, dass ich das ELE-Konzept und die LiTG-Weiterbildung in der LICHT vorstellen konnte.

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Weitere Informationen:

Deutsche Lichttechnische Gesellschaft e. V., Berlin, www.litg.de/Bildung-Forschung/LiTG-Weiterbildung.html
Fotos: Stefan Gramm, Britta Hölzemann, LiTG; Thomas Mehls


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