Projekte

Das Tor zum Reich der Schätze

Licht für das neue Eingangsgebäude auf der Berliner Museumsinsel

Auf einen Blick

Lichtexperte Zumtobel hat die langjährige Planungs- und Bauphase der James-Simon-Galerie als Lichtpartner begleitet und maßgeschneiderte Lichttechnik geliefert.

Die James-Simon-Galerie ist das neue Besucherzentrum der Berliner Museumsinsel und wurde von 2009 bis 2018 nach Plänen des britischen Architekten David Chipperfield erbaut. (Foto: Zumtobel)

Die James-Simon-Galerie ist das neue Entrée der Berliner Museumsinsel. Mitte Juli 2019 eingeweiht, dient sie als zentrale Anlaufstelle für Besucher aus aller Welt. Mit dem markanten Neubau ist David Chipperfield Architects Berlin eine architektonische Willkommensgeste gelungen: Die breite Freitreppe lädt ein, die Berliner Museumsinsel zu betreten und in das Reich der großen Kunstschätze einzutauchen. Die Galerie bietet dem Publikum ein wunderschönes Areal zum Flanieren und Verweilen. Benannt ist das neue Besucherzentrum nach dem Unternehmer und Kunstmäzen James Simon (1851 – 1932). Ihm haben die Staatlichen Museen Berlin unter anderem die weltberühmte Büste der Nofretete und das Ischtar-Tor zu verdanken.

Die James-Simon-Galerie dient nach dem 1999 beschlossenen Masterplan Museumsinsel als zentrales Eingangsgebäude und Besucherzentrum für die fünf Museen. (Foto: Zumtobel)

Die James-Simon-Galerie schafft oberirdisch eine direkte Anbindung zum Pergamonmuseum und verbindet dieses über die Archäologische Promenade mit dem Neuen Museum, dem Alten Museum und dem Bode-Museum. Von der Freitreppe bewegt sich der Besucher zunächst in das großzügige Foyer des Gebäudes. Dort kauft er sein Ticket, genießt den Blick von der Terrasse und verweilt im Café. In den unteren Geschossen befinden sich Ausstellungsflächen und ein Auditorium. Weite Bereiche der James-Simon-Galerie werden auch außerhalb der Öffnungszeiten zugänglich sein und den öffentlichen Raum auf der Museumsinsel erweitern.

Die James-Simon-Galerie gliedert sich in drei Hauptgeschosse, ein zwischen den oberen Ebenen eingeschobenes Mezzanin und ein Untergeschoss. (Foto: Zumtobel)

Die großzügige Architektursprache schafft einen fließenden Übergang zwischen innen und außen. Elemente wie Oberlichter, Kolonnaden und Freitreppe lassen ein Gebäude entstehen, »dass die Zugänglichkeit der Museen und der Schätze, die sie bergen, feiert – und zum Flanieren einlädt.« So jedenfalls beschreibt Alexander Schwarz, Partner im Büro David Chipperfield Architects Berlin und Design Director des Projektes, den Entwurf. Die Architekten schufen eine stilistische Anlehnung an die anderen Baumeister, die die Museumsinsel geprägt haben – unter anderem Karl Friedrich Schinkel und Friedrich August Stüler. Aber sie transformierten das Bauwerk in gleichem Maße in unsere Zeit, zum Beispiel durch die Wahl zeitgenössischer Materialien wie Glas, Beton und Naturstein.

Im Mezzanin sind Museumsshop, Garderobe und Sanitäranlagen untergebracht. (Foto: Zumtobel)

Die von Tageslicht geprägte, offene Architektur mit Kunstlicht optimal zu inszenieren, war eine große Aufgabe für die Lichtplanung. Darüber hinaus hieß es, alle Gewerke in einem Kanal für den Besucher unsichtbar zu bündeln, um die klare Struktur des Baukörpers zu unterstreichen. Zumtobel entwickelte mit diesem Auftrag die passenden Licht- und Medienkanäle. Sie ziehen sich durch die Betondecke des gesamten Gebäudes und integrieren zugleich Lautsprecher und Sprinkleranlage. Die indirekte Beleuchtung ergänzt das natürliche Licht tagsüber, dort wo es nötig ist, und lässt das Besucherzentrum nachts von innen heraus dezent leuchten.

Für eine größtmögliche Flexibilität bei der Raum- und Exponat-Beleuchtung in den Ausstellungsbereichen wählte Zumtobel unter anderem die Leuchte »Cieluma«. (Foto: Zumtobel)

Die Deckenleuchte »Cieluma«besteht aus quadratischen Gewebe-Licht-Modulen. Bemerkenswert ist der sanfte Lichtverlauf vom Rand zur Mitte der Leuchte. Eine Farbtemperatur von 3.800 K sorgt dabei für eine angenehme und gleichmäßige Grundbeleuchtung im Raum. Zudem bietet »Cieluma« noch einen weiteren Vorteil für die Besucher: Das Akustik-Gewebe absorbiert den Schall und mindert dadurch unerwünschte Umgebungsgeräusche im Raum.

Eine optimale Inszenierung der Exponate übernehmen »Arcos LED«-Spots. Die Strahler bieten eine akzentuierende Beleuchtung der Ausstellungsobjekte, eine hohe Farbwiedergabe (Ra > 90) und hervorragende Lichtqualität. Das UV- und IR-freie Licht schont zudem die empfindlichen Kunstwerke. Dank der TunableWhite-Technologie lässt sich die Farbtemperatur je nach Ausstellungsobjekt individuell einstellen. So kommen Farben und Materialien perfekt zur Geltung.

Das Strahlersystem »Arcos« wurde speziell als Museumsstrahler entwickelt. Der hier eingesetzte Typ bietet einen Farbwiedergabeindex Ra > 90 und TunableWhite-Funktion. (Foto: Zumtobel)

Eine Sonderleuchte hat Zumtobel für die zweite Ebene der James-Simon-Galerie entwickelt. In einen Lichtwürfel aus dünnen Marmorplatten wurde die Hallenleuchte »Craft« eingehängt, deren Licht breit und zugleich präzise abstrahlt. Das Ergebnis sind eine angenehme Beleuchtung und ein echter Blickfang.

Bei der Lichtplanung für die James-Simon-Galerie galt es, besondere Herausforderungen zu meistern. So lange sich die Planungs- und Bauphase eines musealen Gebäudes auch hinziehen kann, so rasant verläuft parallel die Entwicklung der LED-Technik. Das bedeutet auch, die Lichtplanung immer wieder auf den neuesten Stand zu bringen und flexibel anzupassen. Bei der Beleuchtung von Architektur sei es entscheidend, ihre Wahrnehmung in der Realität zu testen und dann die Technik darauf abzustimmen, so der Architekt Alexander Schwarz. Für diesen Diskussionsprozess und »das Ausprobieren am lebenden Objekt« habe sich Zumtobel immer offen und sehr professionell gezeigt, beschreibt er die Zusammenarbeit mit dem Leuchtenhersteller. Die James-Simon-Galerie ist dabei nicht das einzige Projekt, bei dem Zumtobel und David Chipperfield Architects zusammenwirkten. Unter anderem hat David Chipperfield für Zumtobel den Museumsstrahler »Arcos« entwickelt.

In diesem Auditorium mit 300 Sitzplätzen können künftig Veranstaltungen stattfinden. (Foto: Zumtobel)

Weitere Informationen:

Architekten: David Chipperfield Architects, Berlin, https://davidchipperfield.com
Bauleitung: Wenzel + Wenzel Architekten, Berlin, www.wenzel-wenzel.com
Gebäudetechnik: Inros Lackner, Rostock, www.inros-lackner.de
Lichtplanung: Conceptlicht, Traunreut, www.conceptlicht.com
Lichtberatung: Mati, Adliswil (CH), www.mati.ch
Leuchten: Zumtobel, Dornbirn (A), www.zumtobel.com


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