LICHT 07-08/2010 zurück
ZUM TITELBILD

Blaue Wellenfront

Der Waterside Car Parking Cardiff

Fotos: James Newton Photographs, London, für NORKA, Hamburg


Parkhäuser bieten gewöhnlich wenig Spielraum für eine ansprechende Gestaltung. Die Kosten-Nutzen Schere ist eng, baupolizeiliche Auflagen sind umfangreich. Gelungene Beispiele wie die des Hafen-Parkhauses im walisischen Cardiff haben leider Seltenheitswert. Die Fassadenbeleuchtung des Cardiff Waterside Car Park mit NORKA Leuchten demonstriert, dass es trotz strenger Budgetvorgaben möglich ist, ästhetisch überzeugende Nachtarchitekturen zu schaffen.

Der konventionell angelegte, lang gestreckte Stahlskelettbau verfügt über sechs Ge schosse und eine Fassadenbreite von etwa 125 Metern. An beiden Enden befinden sich jeweils kurze Querriegel mit den Treppen- und Aufzugsanlagen. Die langen, zur besseren Belüftung offenen Fassadenflächen boten sich nachgerade für die Anbringung zusätzlicher Gestaltungselemente an. Architekt Scott Brownrigg und seine Mitarbeiter wählten dafür eine Vordachkonstruktion mit einer halbtransparenten, wellenähnlichen Bespannung. In Anlehnung an den Ort und seine Geschichte wollte man ein symbolisches und zugleich dynamisches Statement setzen, das die unmittelbare Nähe des Meeres und seine Bedeutung für den Ort signalisieren soll.



NORKA
Das 1948 gegründete Familienunternehmen NORKA mit Sitz in Hamburg und Dörverden-Hülsen/Aller ist Marktführer im Bereich der Technischen Beleuchtung in hoher Schutzart für extreme Umgebungsbedingungen. Zu den Haupteinsatz bereichen zählen Bahnhöfe und Brückenbauten, Schwimmbäder, Hafenanlagen, Wartungsgruben sowie Parkhäuser, Produktionshallen, Logistikunternehmen und Kühlhäuser. Leuchten dieses Unternehmens finden sich z.B. im Hamburger Hafen und Flughafen, auf dem Anhalter Bahnhof und dem Hauptbahnhof in Berlin sowie im Stadion St. Jakob-Park in Basel. Im Jahr 2009 erwirtschaftete NORKA mit insgesamt 270 Mitarbeitern – davon 50in der Verwaltung in Hamburg und 220 am Produktionsstandort in Dörverden-Hülsen – einen Umsatz von rund 30 Millionen Euro.

Um die angestrebte Wellenanmutung besonders bei Nacht zu verstärken, suchte man zusammen mit dem Londoner Lichtplaner, Paul Traynor von Light Bureau nach einer kostengünstigen wie auch effizienten Beleuchtung der »Nachtfront«. Nach umfangreichen Versuchen, nicht zuletzt in einem 1:1 Mock-up eines Frontsegmentteils, wählte man die NORKA Leuchte »Erfurt« in der zweilampigen Version mit einem engstrahlenden und einem raumstrahlenden Reflektor, bestückt mit Leuchtstofflampen 58W.

Das luftdurchlässige aber nur schwach lichtdurchlässige Material der Dachbespannung machte es notwendig, die Segelstruktur von vorne zu beleuchten. Hierfür wurde eine Spezialhalterung entwickelt, die für jede Leuchte eine individuelle Ausrichtung innerhalb der Dächer mit Lichtpunkten entlang der Wellenform ermöglichte. Eingesetzt wurden insgesamt 380 Leuchten, wobei man sich 12 unterschiedlich modifizierter Ausführungen bediente. Das System wird von einer astronomischen Uhr gesteuert, die auf einem DMX Protokoll basiert und durch ein DALI System gesteuert wird.

Die vielen Test haben sich gelohnt: Zwischen Dämmerungseinbruch und 23.00 Uhr wird auf frappierende Weise die angestrebte Wellenwirkung hergestellt. Je nach Standort unterschiedlich wird durch das blaue und weiße Licht eine ausdrucksvoll plastische Wellenfront auf der Fassade ausmodelliert.


Objektinformationen
Projekt: Cardiff Waterside Car Park
Architekten: Scott Brownrigg, London/Cardiff
Lichtplanung: Light Bureau, London
Leuchten: NORKA
Norddeutsche Kunststoff- und Elektro-Gesellschaft
Stäcker mbH & Co. KG, Hamburg & Co.


LICHT 07-08/2010

Zurück zum Inhaltsverzeichnis / Zum nächsten Beitrag