LICHT 06/2010 zurück
ZUM TITELBILD

Modulierendes Licht im Drift Park im walisischen Rhyl

Fotos:
F James Newton Photographs, London
für WE-EF Leuchten GmbH & Co. KG, Bispingen

Der walisische Badeort Rhyl hat seine Strandpromenade aufgewertet: Ein neu gestalteter Park am Meer soll das Städtchen für Touristen wieder attraktiver machen. Damit er auch in den Abend- und Nachtstunden Besucher anzieht, haben die Planer ein stimmungsvolles Lichtkonzept entwickelt, das mit Leuchten von WE-EF konsequent umgesetzt wurde.

Nicht jeder Park erhält Besuch vom britischen Königshaus – der Drift Park in Rhyl hingegen schon: Seine Eröffnung nahm Prince Edward persönlich vor.

Die kleine Stadt setzt große Hoffnungen in das neu gestaltete Stück Landschaft, denn zuvor hatte sie mit erheblichen Problemen zu kämpfen: Wie in vielen britischen Badeorten kamen seit einigen Jahren immer weniger Gäste. Während der Tourismus dort in den Sechziger- und Siebzigerjahren noch boomte, flogen die Briten ab den Achtzigerjahren lieber ans Mittelmeer, so dass der Abstieg vieler britischer Seebäder begann. In Rhyl war das Gebiet des heutigen Drift Parks zuletzt so stark heruntergekommen, dass man dort mit Vandalismus, Drogen und Kleinkriminalität zu kämpfen hatte. 2002 entschloss man sich daher zu einem Neuanfang. Die Landschaftsplaner aus dem Büro BCA Landscape haben nun einen modernen Park geschaffen, von dem Impulse für die Umgebung ausgehen sollen.



Künstliche Landschaften

Der Park setzt sich aus fünf einzelnen Gärten mit je einem eigenen Thema zusammen, das zu bestimmten Aktivitäten anregt: Es gibt Wasserspiele, ein Freilufttheater, ein Minigolfgelände, einen Spielplatz für Kinder und eine Grünfläche mit typischer Strandvegetation. Alle fünf Gärten befreien sich von der Tradition des englischen Landschaftsparks, versuchen also nicht, ein Bild von Natürlichkeit zu erzeugen, sondern zeigen Natur in explizit domestizierter Form. Freistehende Mauern sind das dominierende Element, das alle Grünflächen einfasst. Niedrigere, nur fünfzig Zentimeter hohe Mauern laden zum zwanglosen Sitzen ein, dienen aber gleichzeitig auch dazu, den vom Strand heranwehenden Sand von den Grasflächen und Wasserbecken fernzuhalten. Höhere Wände bieten Schutz vor dem kräftigen Seewind und machen den Park auch an kühleren Tagen zu einem angenehmen Aufenthaltsort. Gleichzeitig gibt es aber auch kleine, erhöhte Aussichtsplattformen, bei denen Besucher nicht nur den Seeblick genießen, sondern sich auch den Wind um die Nase pfeifen lassen können.

Um dem im Winter mitunter rauen Seeklima trotzen zu können, kamen überall nur sehr robuste Materialien zum Einsatz, die auch der salzigen Gischt widerstehen. Die Wege etwa sind mit kunstharzgebundenem Kies belegt und die Mauern bestehen aus hochwertigem Sichtbeton. An ihrer Oberfläche ist der Zuschlagstoff ablesbar, ein Granit aus Cornwall, der ihnen einen besonderen Charakter verleiht. Um die hohe Qualität der Betonflächen zu gewährleisten, wurden die Wände nicht vor Ort hergestellt, sondern im Werk komplett vorgefertigt und dann mit schweren Lastwägen angeliefert. Immer wieder sind Kunstwerke in den Beton eingelassen – mal kleine Bronzeplatten, mal Schriftzüge, mal grafische Elemente – die sich mit der Geschichte von Rhyl und der Vergangenheit als Seebad auseinandersetzen und damit den genius loci erlebbar werden lassen. Einheimische und Touristen erfahren auf diese Weise etwas über den Ort, bei einem Spaziergang durch den Park können sie an jeder Stelle neue Entdeckungen machen.



Licht für sichere Erkundungen

Das Lichtkonzept unterstreicht diesen Ansatz. Um den Park auch nach Einbruch der Dunkelheit für Besucher attraktiv zu halten, werden die Kunstwerke inszeniert. Bodeneinbauleuchten strahlen die Mauern von unten an und sorgen dafür, dass deren künstlerische Gestaltung schon von weitem zu erkennen ist. Sie tauchen die Mauern effektvoll in Streiflicht und betonen damit auch die besondere Oberfläche des Betons und seines Granitzuschlags.

Vor allem aber setzt das Lichtkonzept darauf, keine größeren Dunkelzonen im Park entstehen zu lassen, und vermittelt Besuchern damit ein Gefühl der Sicherheit. Nachdem man in der Vergangenheit genau an dieser Stelle schlechte Erfahrungen mit Kleinkriminalität gemacht hatte, soll jetzt ein hohes Maß an Helligkeit das sprichwörtliche »lichtscheue Gesindel« fernhalten.

Dennoch wird das Licht fein moduliert und differenziert eingesetzt. Den langen Weg, der den Park zum Sandstrand hin abgrenzt, erhellen WE-EF PFL240 Mastleuchten, bestückt mit 150W Halogen-Metalldampflampen Sie reihen sich in eher kurzem Abstand aneinander, so dass sie für eine möglichst gleichmäßige Ausleuchtung des Wegs sorgen, gleichzeitig aber auch wie eine Reihe von Pfeilern den städtischen Außenraum fassen und vom Naturraum Meer scheiden. Durch den geringen Abstand der Masten können die Leuchten tiefer angebracht werden, was den Eindruck einer Flutlichtbeleuchtung verhindert.

Das Licht im Drift Park erzeugt Abwechslung. An manchen Stellen kommt es aus Wandeinbauleuchten QRI254 und CRR224, die den Boden anstrahlen, an anderen genau umgekehrt aus den bereits erwähnten Bodeneinbauleuchten, welche die Wand anstrahlen. Beide Einbaulösungen bieten wenig Angriffsfläche für Vandalismus und versprechen damit geringe Wartungskosten. Für zusätzlichen Schutz der ETC130/140 Bodeneinbauleuchten sorgt eine speziell angefertigte vandalismussichere Abdeckung: Sie besteht aus einer zehn Millimeter dicken Lexan Margard Polycarbonat-Platte, die eine ausgezeichnete optische Klarheit aufweist, extrem schlagzäh und hoch abriebfest ist. Damit sind diese Leuchten beinahe unzerstörbar.

 

Objektinformationen

Projekt: Drift Park, Rhyl North Wales UK
Architekt: BCA Brock Carmichael Landscape Architects, Liverpool
Fertigstellung: 2008
Leuchten: WE-EF Leuchten GmbH & Co. KG., Bispingen


eingesetzte Leuchten:
ETC130/140 Bodeneinbauleuchten mit 70W Halogen-Metalldampflampen
PFL240 Technische Mastleuchten mit 150W Halogen-Metalldampflampen
QRI254 Wandeinbauleuchten mit 70W Halogen-Metalldampflampen
CRR224 Wandeinbauleuchten mit 20W Halogen-Metalldampflampen


Über WE-EF LEUCHTEN

Lichtplaner und Architekten wissen, warum sie bei ihren Projekten auf WE-EF setzen: leistungsstarke Technik, nachhaltige Qualität und das funktionale, unverwechselbare Design der WE-EF Lichtlösungen. Mehr als 60 Jahre nach ihrer Gründung besteht die WE-EF Gruppe heute aus sechs Unternehmen mit sieben verschiedenen Standorten auf vier Kontinenten. Ein enges Netzwerk von Vertriebspartnern sichert die weltweite Verfügbarkeit und den Service für die Leuchten.

Als Hersteller sieht WE-EF dabei seine Aufgabe insbesondere auch darin, den Planern Werkzeuge bereitzustellen, die durch ihre technische und lichttechnische Qualität die Architektur und ihre atmosphärische Wirkung unterstützen. Das Ergebnis sind weltweit anerkannte Lichtsysteme, die Projekte beleuchten wie z. B. das Bundeskanzleramt in Berlin, das Staten Island September 11th Memorial, das Sydney Opera House, die Southern Cross Station in Melbourne, das Emirates Palace Hotel in Abu Dhabi, die Formel 1 Strecke in Shanghai und den Snow Dome in Bispingen, das Parlamentsgebäude von Wales und den Landtag von Vaduz, die O2 Arena, das Westfield White City Shopping Centre und die temporären Serpentine Gallery Pavillon Installationen in London, das Schwimmbad Les Bains des Docks in Le Havre und nicht zuletzt den Drift Park in Rhyl und den Marktplatz von La Chaux-de-Fonds in der Schweiz, der Geburtsstadt von Le Corbusier (s. LICHT 3, S. 112).


LICHT 06/2010

Zurück zum Inhaltsverzeichnis / Zum nächsten Beitrag