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Licht als Katalysator vorhandener Ästhetik

Ein farbdynamisches Lichtkonzept macht die Architekturen von
Aspire Dom und Aspire Academy in Qatar auch nachts erlebbar

Text: Evelin Voigt-Eggert, Frankfurt
Fotos: © emdelight GmbH, Frankfurt

Architektur ist seit Jahrtausenden nicht nur geplante und gestaltete menschliche Behausung, sondern auch markantes Ausdrucksmittel von Macht und Zeitgeist. Licht spielt in diesem Kontext eine tragende Rolle, sowohl in natürlicher, als auch in künstlicher Form. Revolutionäre technologische Entwicklungen im Lichtsektor eröffneten in den letzten Jahrzehnten völlig neue Optionen für den Einsatz von Kunstlicht als künstlerisches Stilmittel am Bau. Gestalterisch und technisch professionell arbeitende Spezialisten sind gefragt. Die Gemeinde der international renommierten Lichtkünstler ist klein, der Frankfurter Thomas Emde gehört dazu.


Der Aspire Dome. Das Lichtkonzept stützt sich auf die vorhandene Architektur. Die gebaute Form wird nicht überzeichnet, den Strukturen nichts hinzugefügt.

Links: Blick in den Innenhof der Aspire Academy: Medaillengewinner und Sportstars sollen Qatar in der Welt bekannt machen. National, aber auch international rekrutiert man dafür Nachwuchs und bildet ihn unter optimalen Bedingungen und nach neuesten Erkenntnissen aus.
Rechts: Die Aspire Academy. Die Anstrahlung von Dome und Academy besteht aus fünf verschiedenen Farbbildern, die innerhalb von 35 Minuten nacheinander ablaufen.

Auf Emdes Arbeiten aufmerksam geworden sind auch Bauherrn aus Qatar und sie luden ihn deshalb ein, Lichtkonzepte für Prestigeobjekte vor Ort zu entwickeln. Aufgrund seiner internationalen Referenzen und überzeugenden Ideen, durfte er das I-Tüpfelchen auf eines der spektakulärsten Bauprojekte im Nahen Osten setzen. Thomas Emde illuminierte in Doha, der Hauptstadt von Qatar, den Aspire Dome, die weltweit größte überdachte Sportstätte, und die Aspire Academy. Das Projekt ist eines der umfangreichsten in der Unternehmensgeschichte von emdelight.

Der Dome und die Academy sind Teile der Aspire Zone. Die Anlage wurde im Rahmen einer Investition in Höhe von einer Milliarde Dollar in den Sport in Qatar entwickelt und war Austragungsort der Asian Games 2006. Heute ist sie hochmoderne Sportanlage für Ausnahmesportler aus aller Welt. Dort werden junge Talente trainiert, die in der Zukunft für Qatar siegen und die Aufmerksamkeit der Welt auf den kleinen Wüstenstaat lenken sollen. Gleichzeitig finden hier Spitzenwettbewerbe des internationalen Leistungssports statt.

Unter einem frei schwebenden und 46m aufragenden Dach von 250m Spannweite beherbergen die beiden halbrunden, leicht gegeneinander versetzten Baukörper des Aspire Domes auf rund 290000m2 Fläche: zwei Fußballfelder, eine Leichtathletikarena mit 200-m-Bahn, ein Schwimmstadion nach Olympia-Norm, zwei Sporthallen für Spiele und Gymnastik, drei Kampfsportstätten, acht Fechtbahnen, zwei Squashplätze, 13 Tischtennisplatten sowie mehrere Fitnesseinrichtungen und modernste Sportlaboratorien.


Links: Zu den Ehrengästen bei den dreitägigen Einweihungsfeiern des Aspire-Domes im Jahr 2005 zählten Pelé und Diego Maradona. Sicher schritten sie auch durch diesen VIP-Eingang. Ob er dabei gerade blau leuchtete, bleibt ungewiss.

Rechts: Die Architekturbeleuchtung wurde nach Fertigstellung des Baus installiert. Zahlreiche Strahler, besonders auf den Dächern, werden deshalb über wireless DMX angesteuert.


Links: Im Jahre 2006 fanden in Qatar die Asian Games statt. Aus diesem Anlass wurden die größte überdachte Sportanlage der Welt und eine Sportakademie errichtet.

Rechts: Als Austragungsstätte für Sportevents ist der Aspire Dome begehrt: WTA und ATP tragen hier Tennisturniere aus, es gab Tischtennis-Weltcups, Gewichtheber-Weltmeisterschaften und zahlreiche andere Tourniere mit internationalem Renommee. Die stimmungsvolle und repräsentative Architekturanstahlung erzeugen fast 600 Strahler, von denen jeder in Helligkeit und Farbe individuell angesteuert werden kann.


Thomas Emde und seinem Team blieben nach Vertragsabschluss nur sechs Monate Zeit zur Realisierung der aus 575 Einzelleuchten bestehenden Lichtkunstinstallation. Die Arbeit vor Ort stellte Mensch und Technik vor große Herausforderungen. Die Temperaturen in Qatar liegen permanent in hohen Bereichen, im Sommer steigen sie oft über 50°C. Fünf bis sieben Mitarbeiter von emdelight waren ständig vor Ort, und im Durchschnitt waren 80 Fachleute für Erdbauarbeiten und Elektroinstallationen im Einsatz. Nach Freigabe aller Planungen mussten innerhalb von nur drei Monaten die Leuchten installiert und insgesamt rund 25km Daten- und Stromkabel verlegt werden. Da das Gebäude bereits komplett fertig gestellt war, ließen sich die Strahler auf den Dächern nicht mehr über Kabel ansteuern. Sie werden deshalb drahtlos über Wireless-DMX angesprochen.

Die Programmierung der Anlage war sehr aufwändig, weil das Lichtkonzept eine Beleuchtung des Gebäudes als Ganzes sowie in einzelnen Segmenten vorsieht. Jede Leuchte muss deshalb individuell ansteuerbar und in Helligkeit sowie Farbe separat variabel sein. Fünf verschiedene Farbbilder werden innerhalb von 35 Minuten nacheinander abgespielt.

Als idealer Partner für die Umsetzung erwies sich Martin Professional. Das dänische Unternehmen ist einer der größten Hersteller von intelligenten Scheinwerfersystemen. Die deutsche Division, die Martin Professional GmbH, übernahm den Planungssupport und die Lieferung. Der After Sales Support wird von Martin Middle East bereitgestellt.

Am Aspire Dome und der Academy kommen 180 Strahler »Inground 200« und 395 »Exterior 200«, alle mit jeweils 150W, zum Einsatz. Die Hard- und Software für die Steuerung der Lichtinstallation kommt ebenfalls von Martin.

Thomas Emde blickt inzwischen zufrieden und vor allem erleichtert auf das Projekt zurück. Auf seinen Schultern lastete eine große Verantwortung. Die Lichter mussten pünktlich zur Eröffnung der Asian Games 2006 angehen und sowohl die Erwartungen der Auftraggeber, als auch die tausender Zuschauer aus aller Welt erfüllen. »Die Herausforderung bei der Realisation eines Projektes dieser Größenordnung liegt nicht so sehr in der technischen Umsetzung, sondern viel mehr in Entwurf und Planung. Mein Anliegen ist es schon immer, die durch die Architektur vorgegebene Ästhetik mit Licht zu verstärken. Die Beleuchtung darf nicht Fremdes applizieren. Die Kunst heutzutage besteht in einem großen Maße in der Beschränkung. Technisch gibt es kaum noch Grenzen, alles ist möglich. Als Künstler muss ich die Klaviatur der Lichtsteuerung beherrschen und darf nicht der Optionsvielfalt erliegen. Eine künstlerische Lichtinstallation ist kein Malen nach Zahlen, sondern eher vergleichbar mit dem Komponieren einer Symphonie«, erklärt Thomas Emde seine Arbeitsweise und ist dabei gedanklich längst bei aktuellen Projekten.


Objektinformationen
Bauherr: State of Qatar
Architekten: CICO und Roger Taillibert, Paris
Entwurf Lichtkonzept: Thomas Emde, Frankfurt
Realisierung Lichtkonzept: emdelight GmbH, Frankfurt   
Beleuchtung und Lichttechnik: Martin Professional
Der Frankfurter Künstler Thomas Emde plant und realisiert seit 1998 künstlerische Architekturbeleuchtungen. Zu seinem Portfolio gehören Lichtinstallationen für Museen und Hotels sowie weltweit Aufsehen erregende Projekte in seiner Heimatstadt Frankfurt am Main, darunter die Illumination des Commerzbank-Towers von Lord Norman Foster und des historischen Rathauses auf dem Römerberg.


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