LICHT 07-08/2007 zurück
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Lichte Leichtigkeit

LED-bestückte Flächenleuchten als integrative Architekturkomponente

In die Börsenhalle der Handelskammer Hamburg wurde ein fünfgeschossiger Baukörper integriert, der moderne Formensprache und unkonventionelle Materialien in die historische Kulisse einbringt. Eine beispiellose Lichtlösung soll Innovationskraft, Offenheit und Modernität der Bauherren versinnbildlichen. Beleuchtet wird das »Haus im Haus« mit über 160 000 LEDs auf 380 quadratischen Deckenfeldern. Diese Lösung beeindruckt nicht nur als technische Innovation, sondern auch durch ihre gestalterische Qualität, die das architektonische Konzept von Leichtigkeit und Transparenz hervorragend stützt und ergänzt.
Titelfoto: Roland Halbe, Stuttgart, für Nimbus Leuchten GmbH und Behnisch Architekten, Stuttgart
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Text, Fotos 1, 6 – 8: Sigrun Heiden, Berlin;
Fotos 2 – 5: Roland Halbe, Stuttgart, für Nimbus Leuchten GmbH und Behnisch Architekten, Stuttgart

Mit reich verzierten Giebeln und solidem Fachwerk symbolisierten die Kaufmannshäuser Hamburgs in alten Zeiten den Stolz und Reichtum ihrer Besitzer. Jetzt haben Unternehmer der Hansestadt wieder gebaut, doch der fünfgeschossige Baukörper, der dabei in der Börsenhalle der Handelskammer entstanden ist, transportiert ein zeitgemäßes Image: klare Linien, transparente Materialien und eine beispiellose Lichtlösung sollen Innovationskraft, Offenheit und Modernität der Bauherren versinnbildlichen. Gleichzeitig entsteht ein spannungsreicher Austausch mit der umliegenden historischen Bausubstanz. Er baut die Brücke zu alten Werten wie Tradition und Kontinuität.

Beleuchtet wird das »Haus im Haus« mit über 160000 LED auf 380 quadratischen Deckenfeldern. Diese Lösung beeindruckt nicht nur als technische Innovation, sondern auch durch ihre gestalterische Qualität, die das architektonische Konzept hervorragend stützt und ergänzt.

Die Handelskammer Hamburg ist seit gut 340 Jahren Börsenplatz und wichtige Institution des wirtschaftlichen Lebens der Hansestadt. Sie begreift sich als kritischer Partner der Politik, service-orientierter Dienstleister der Unternehmen und unabhängiger Anwalt des Marktes. Um diesen Ansprüchen auch in Zukunft gerecht werden zu können, hatte die Kammer beschlossen, ihr klassizistisches Gebäude am Adolphsplatz in Teilen neu zu ordnen.


   

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1 LED-Einsatz in großem Maßstab: Das »Haus im Haus« der Hamburger Handelskammer wird fast ausschließlich mit LED beleuchtet. Die flächigen Deckenmodule mit den minimalistischen Lichtquellen sind eine wesentliche Komponente, um die architektonischen Intentionen von Leichtigkeit und Transparenz zu erfüllen.
2 Das »Haus im Haus« wurde in die historische Börsenhalle eingestellt. Über drei Brücken ist die Struktur mit dem Altbau verbunden. So kann sie, je nach Erfordernissen, eigenständig oder als Erweiterung der vorhandenen Flächen genutzt werden. Das Gründerzentrum, verschiedene Ausstellungsflächen und der »Börsenclub« haben ihr dauerhaftes Domizil im Neubau.
3 Im Erdgeschoss ist der Info-Counter des Existenzgründerzentrums mit Beratungsbereichen angeordnet. In der darüber liegenden Ebene befinden sich die über eine interne Spindeltreppe erschlossenen Beratungsplätze, sowie drei Besprechungsräume für vertrauliche Gespräche.

Besonders die Umnutzung der Börsenhalle sollte neue Räume schaffen. Unter Beachtung des Denkmalschutzes und der vorhandenen Bausubstanz wurde in die Halle ein neuer Baukörper als »Haus im Haus« eingefügt. Rund 1000 m2 Nutzfläche bieten seine fünf Stockwerke für die folgenden Funktionsbereiche:

Am Architektenwettbewerb beteilgten sich 600 Büros. Diese große Resonanz auf eine Wettbewerbsausschreibung markiert eine neue Rekordmarke in der Hansestadt. Eingeladen wurden 25 Architekturbüros, den ersten Preis gewann der Entwurf von Behnisch & Partner (Günter Behnisch und Manfred Sabatke). Er wurde dann von Behnisch Architekten in enger Kooperation mit dem Bauherren weiter bearbeitet. Ein wichtiges Anliegen bei der Planung des ungewöhnlichen Projektes war es, der umgebenden Bausubstanz gebührenden Respekt zu erweisen. Die historische Börsenhalle sollte als Halle erlebbar bleiben, das heißt der neue Baukörper durfte ihre visuelle Wirkung möglichst wenig beeinträchtigen. Das »Haus im Haus« musste also weitgehend transparent sein und sollte leicht, fast schwebend wirken. »Wir entschieden uns, das Volumen eher in der Höhe zu belegen als in der Fläche, dadurch ist ein großer Teil der Halle frei geblieben«, erklärt Stefan Behnisch. »Außerdem strebten wir für den Einbau den Eindruck einer gewissen Immaterialität an«.


 

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4 Ein großer Teil der Fläche ist Ausstellungen vorbehalten. Geplant sind fünf Wechselausstellungen pro Jahr und die ständige Präsentation von bibliografischen Schätzen der Commerzbibliothek. Das UV- und IR-freie Licht der LED eignet sich hervorragend zur Ausleuchtung von empfindlichen Exponaten.
5 Genau 400 LEDs sitzen auf einem Deckenmodul. Unterer Abschluss der Module ist eine Kunststoffplatte. Kegelbohrungen im Kunststoff sorgen für Lichtlenkung und Entblendung.

Die vertikalen Flächen wurden deshalb mit verchromten Lamellen ausgeführt. Sie begrenzen die Obergeschosse und geben ein subjektives Sicherheitsgefühl. Spiegelungen auf ihrer Oberfläche sorgen dafür, dass die Außenwelt in Form von Reflexionen in das Innere des Hauses hineinreicht. Die Grenze zwischen Innen und Außen erscheint fließend, kann kaum verortet werden. Diese Wirkung begegnet auch dem außen stehenden Betrachter beim Blick auf die »Fassade«. Bewegt man sich in Nähe der Lamellenflächen durch die Räume, entsteht ein dynamisches Licht- und Schattenspiel.


   

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6 Die vierte und fünfte Raumebene beherbergen Bar, Restaurant und kleine Kabinette. Auch der Kronleuchter in den Kabinetten ist mit LEDs bestückt.
7 Eine Fassade im herkömmlichen Sinn war nicht nötig, aber eine Haut aus verchromten Lamellen markiert die fast virtuell anmutenden Raumbegrenzungen.
8 Neues Haus in alter Halle: Der neue Baukörper wird aus Reflexionen und Licht gezeichnet und bildet so einen interessanten Kontrast zur massiven Anmutung der alten Bausubstanz.

Um den horizontalen Flächen eine ähnliche Transparenz zu geben, sollten sie als Glasböden ausgeführt werden. Dies war aus statischen Gründen allerdings nicht möglich und so entstand die Idee, die Unteransicht der Böden, also die Deckenflächen der Geschosse, mit Licht zu rastern.
LEDs boten sich dafür als optimales Leuchtmittel an, denn sie haben als Lichtquelle selbst minimalste Abmessungen und benötigen außerdem keinen konventionellen Leuchtenkörper, der in diesem Fall die gestalterischen Absichten gestört hätte.

Aber auch eine LED schwebt nicht frei im Raum. Sie bedarf eines Trägerelementes, ihr Licht muss gelenkt werden und ein effizientes Thermomanagement ist für ihre Langlebigeit unverzichtbar. Die Lösung dieser Probleme übernahm die Nimbus GmbH.
Sie entwickelte LED-Deckenmodule mit jeweils 400 LED und einem Schichtaufbau aus dünner Trägerstruktur und etwa 10mm starker Kunststoffplatte. Jede einzelne SMD-Leuchtdiode sitzt in einer Kegelbohrung in der Kunststoffplatte. Die Bohrung definiert wie ein Reflektor den Lichtaustritt und begrenzt den Abstrahlwinkel auf 90°.

In der Hamburger Handwerkskammer wurden die LED-Module an eine Lichtsteuerung angeschlossen. Diese DMX-Steuerung kann jedes LED-Modul über eine eigene Adresse ansprechen. Im Ergebnis lassen sich nicht nur einzelne Zonen bedarfsgerecht einschalten, ausschalten oder dimmen, sondern über die Flächen können auch dynamische Lichteffekte und grafische Muster laufen. Diese Option harmoniert wiederum mit den gestalterischen Vorgaben der Architekten, denn so, wie die Spiegelflächen in der Vertikalen durch Reflexionen dynamisiert werden, lassen sich die horizontalen Ausdehnungen durch die LED-Lichteffekte beleben.

»Im Ergebnis wird das Haus mit dem LED-Licht und der Lichtsteuerung absolut energie-effizient beleuchtet«, erklärt Lichtspezialist und Nimbus-Chef Dietrich Brennenstuhl.

»Außerdem wäre der Eindruck einer flächigen Beleuchtung mit konventionellen Lichtquellen nur durch die Hinterleuchtung von transluzenten Materialien zu erreichen. Eine solche Lichtdeckenlösung kam in diesem Fall schon wegen der dafür nötigen Aufbauhöhe nicht in Frage. Wirkliches Highlight unserer Lösung ist natürlich die Option auf dynamisches Licht. Die LED-Lichtdecken werden den unterschiedlichen Nutzungsanforderungen gerecht, vom konzentrierten Arbeiten über Firmenevents bis zur Simulation vorüberziehender Wolken ist alles möglich«.

Aus der Sonderleuchte für Behnisch Architekten hat Nimbus inzwischen die LED-Serienleuchte »Modul Q400« entwickelt. Als kleine Schwester dieser Leuchte ist »Q36« entstanden, eine 10mm hohe Deckenaufbauleuchte mit 36 SMD-LED. Wie beim »Modul Q400« kommt auch hier eine Kunststoffplatte mit Kegelbohrungen quasi als Leuchtenkörper und Reflektor zum Einsatz. Der Lichtaustritt erfolgt vorwiegend (ca. 75%) nach unten. Der Abstrahlwinkel beträgt 60°. Rund um die Leuchte wird die Decke diffus aufgehellt. Bei verschiedenen anderen Leuchtenvarianten wird das LED-Modul in Gehäuse eingebettet und mit Abgedeckungen versehen.
Verschiedene Designs zur Deckenmontage oder als Wandeinbauleuchte sind verfügbar.


Objektinformationen
Bauherr: Handelskammer Hamburg
Architekten: Behnisch Architekten, Stuttgart (Projektleitung: Katja Knaus)
LED-Decken- und Einzelleuchten: Nimbus GmbH, Stuttgart
Lichtplanung: Ulrike Brandi Licht, Hamburg
Sonstige Lichttechnik:
– Touchpanels für die Lichtsteuerung: Erco Leuchten, Lüdenscheid
– Beleuchtung der Treppen-Handläufe: Luxx Lichttechnik, Anröchte
9 Als kleinere Varianten von »Modul Q400« sind inzwischen »Q64«, »Q144« und »Q36« verfügbar. Das Bild zeigt »Modul Q36«. Die Leuchte kann auf abgehängter Decke oder in einer Deckenverbindungsdose installiert werden. Sie hat eine Leistungsaufnahme von 12W.


LICHT 07-08/2007

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