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nova | eventis: Szenografische Inszenierung einer Eventmall

Räume aus gestalteter Architektur, Licht, Farbe, Klang und Wasser

Nova | Eventis: Szenografische Inszenierung einer Eventmall in Leipzig

Mit nova eventis entstand in Leipzig die erste Eventmall des Betreibers ECE in Deutschland. Hier versucht man, über die Ansprache aller Sinne die Aufenthaltsqualität zu verbessern und die Verweildauer zu steigern. Ein herausragendes Element der Mall-Kulisse ist die vor dem Servicegebäude aufgeständerte Kugel, deren einzelne Schuppen bei Dunkelheit durch in Zusammenarbeit mit Insta, Lüdenscheid, entwickelte LED-Scheinwerfer schattenfrei ausgeleuchtet werden. Insgesamt 376 RGB-LED-Strahler der Schutzklasse IP 65 sind hier im Einsatz. Sie zeichnen sich durch eine homogene Lichtmischung und eine gute Lichtwiedergabe im Weißbereich aus.9 Die homogene Ausleuchtung der Glasfassade des Servicegebäudes durch LEDs lässt selbst auf Fotos keine Hotspots erkennen.

Fotos: Peter Franke, Leipzig, für Insta Elektro GmbH, Lüdenscheid; Oliver Jene, Scenario Licht- und Klangkonzepte, Saarbrücken; Christoph Gebler, Hamburg
weitere Infos: www.scenario.li

Mit nova | eventis entstand in Leipzig die erste Eventmall des Betreibers ECE in Deutschland. Nach amerikanischem Erfolgsrezept setzt man hier zur Verbesserung der Aufenthaltsqualität und zur Steigerung der Verweildauer auf das Kreieren von »Events«. Eine Eventmall stellt neben den üblichen technischen und logistischen Konzepten ganz besondere Anforderungen an die visuelle Gestaltung der Architektur und deren Inszenierung. Im Mittelpunkt steht dabei die Kommunikation mit der Zielgruppe im inszenierten Erlebnisraum des Events. Die klassischen Kommunikationsaufgaben des Marketing-Events lauten Information, Emotion, Aktion und Motivation: Erst ihre Mixtur macht ein Marketing-Event wirksam. Im Shopping-Center nova | eventis versucht man über die Ansprache aller Sinne Emotionen zu wecken, Menschen zur Interaktion aufzufordern, Inhalte emotional erlebbar zu machen und somit nachhaltiger und wirksamer zu vermitteln, als andere Maßnahmen dies vermögen.

Diese vielfältigen neuen Herausforderungen an den zu inszenierenden Raum übertrafen die übliche Bandbreite der Lichtplanung bei weitem. Aus diesem Grund engagierte Mariana Theiling, Abteilung Licht, ECE Baumanagement, Hamburg, die Licht- und Mediendesigner Oliver Jene und Tobias Link.

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1 Die Herbstpartitur der Lichtinszenierung zeigt den Erlebniskai der Leipziger Eventmall besonders farbenprächtig. Hier verbinden sich Sommer- und Nachtfarben zu einer abwechslungsreichen Szenerie. Kreiert wird eine lockere, lebensbejahende Stimmung. Die großzügige Freifläche mit ihrer abwechslungsreichen Uferzonierung und den Pflanzeninseln bietet romantische Sitz- und Flaniermöglichkeiten.
2 Glasfassade und Kugel bei Nacht: 21 Martin INGROUND 200-Strahler inszenieren die Dachuntersicht des Servicegebäudes.
3 Die homogene Ausleuchtung der Glasfassade des Servicegebäudes durch LEDs lässt selbst auf Fotos keine Hotspots erkennen.

Nachdem man sich für eine Inszenierung in vier Jahreszeiten als Grundstimmung in allen öffentlichen Bereichen der Mall entschieden hatte, erarbeiteten die beiden Mediendesigner zunächst ein Drehbuch als dramaturgischen Leitfaden. So entstanden vier Lichtpartituren, die Dynamik, Farbwerte und grafische Elemente vorgaben. Hieraus entwickelte Tobias Link für die unterschiedlichen Bereiche und verwendeten Lichtsysteme im Anschluss Ansteuerungsprofile, die in einer Mediensteuerung gespeichert wurden. Oliver Jene entwarf als Novum für den Betreiber ein auf DMX basierendes Lichtnetzwerk. Bislang kam in allen ECE-Centern das bewährte EIB zum Einsatz, das allerdings mit den vielfältigen und vor allem hochfrequenten Ansteuerungsaufgaben überfordert gewesen wäre. Das von Oliver Jene entwickelte Steuerungskonzept war so überzeugend, dass die ECE-Abteilung Sonderbeleuchtung und Elektrotechnik es zukünftig in allen Mall-Projekten einsetzen will.

Gemeinsam mit den Architekten Steffen Buchholz und Ulrich Schilling wurden sodann drei Bereiche festgelegt, die von Link und Jene gestaltet werden sollten. Dabei handelt es sich erstens um die Kulissenfassade mit dem vorgelagerten Landschafts-park »Erlebniskai«, zweitens dem eigentlichen Haupteingang der Mall, der Installation »The LIVING Seas« in einem 40 Meter langen, zehn Meter breiten und elf Meter hohen Durchgang des Parkhauses, sowie drittens den inneren Mallbereich.

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4 Wasserbühne und dahinter liegende Welle mit Projektionskugeln.
5 Hinter dem nova | eventis-Haupteingang beginnt die Installation »The LIVING Seas«, die mitten durch das Parkhaus führt.
6 Wasserkaskaden vor den mit LEDs herausgearbeiteten Konturen der Baukörper: Die partiell offene Architektur erlaubt den Blick ins Parkhaus.
7 Wandfläche mit aufprojizierten Motiven aus der allabendlichen Multimediashow.
dlichen Multimediashow.

Kulissenfassade und Erlebniskai

Die stark an die Architektur Luis Barragáns angelehnte Kulisse besteht aus zwei Ebenen, in denen die Gebäude wie Scheiben eingestellt sind. Hieraus ergeben sich unterschiedlich stark gestaffelte Flächen, die das dahinter liegende Parkhaus teilweise verdecken. Tobias Link, der schon die Retrospektive »Luis Barragáns« für Bruce Mau Design in Vancouver inszenierte, entwarf eine Illumination, die den Charakter der unterschiedlichen Flächen hervorhebt. Er setzte hierfür warmweißes Licht ein, das die jeweiligen Materialen und Oberflächen in ihrer Ursprünglichkeit herauszeichnet. Die Verwendung von multifunktionalen Scheinwerfern ermöglicht weiterhin, die Baukörper komplett zu verfremden und somit die Architektur immer wieder neu zu kleiden.

Bei der Verfremdung geht es darum, jedem Bauteil der kleinteilig verschachtelten Architektur einen eigenen Charakter zu geben – so entstehen einzelne Darsteller, deren dynamische Metamorphosen in der Nacht zu einem sehenswerten Schauspiel verschmelzen. Die Choreografie dieser Inszenierung folgt dabei den Jahreszeiten und Festtagen.
Ab der Dämmerung gibt es allabendlich eine zusätzliche Attraktion: Jede halbe Stunde interagiert die inszenierte Kulissenfassade mit einer Wassershow im Kaibecken zu unterschiedlichen, von Oliver Jene komponierten Musikstücken.

Tobias Link hält die Kombination möglichst vieler gestalterischer Elemente und Medien in einer Inszenierung für wichtig, denn je mehr Sinne eine solche Show anregt, desto nachhaltiger ist ihr Erlebnisfaktor.

Treppenhäuser

Besonders interessante Charaktere der Fassade sind die begehbaren Treppenhäuser, die dem Besucher erlauben, Akteur der Inszenierung zu werden. Link und Jene entwarfen hierfür ein zweischaliges System. Die mit Edelstahlnetz abgespannten Stahlkonstruktionen erhielten Lichtkonturen aus weißen LEDs, die – einzeln dimmbar – an jeder Windrispe entlanglaufen. Da sie direkt nach vorne abstrahlen, wird alles, was sich dahinter befindet, unsichtbar. Der Hintergrund wird mittels Leuchtstofflampen mit blauem Farbton und asymmetrischem Reflektor flächig geflutet. Die Etagen sind alle einzeln ansteuerbar. Beim Aufleuchten wird nun das Volumen des Treppenhauses sichtbar und bildet zusammen mit der Edelstahlnetzabspannung ein laternenähnliches Lichtobjekt. Personen, die sich über die einzelnen Etagen des Treppenhauses bewegen, werden zu schattenrissähnlichen Akteuren.

Betonputzflächen

In wetterfeste Glaskugeln montierte Projektionsscheinwerfer lassen gegenständliche Grafiken auf den Wandflächen erscheinen. Sie bilden die komplexesten Informationsträger der Inszenierung: So zeigt sich z. B. zu Weihnachten der Nikolaus freundlich lächelnd auf der Fassade und allerorts schweben Sternschnuppen über die Kulisse.

Über besondere Blenden lassen sich auch die einzelnen Bauteile scharf aus der Fassade herauszeichnen. Dies nutzen Jene und Link in den Lichtpartituren, um in den verschiedenen Jahreszeiten einzelne Flächen unterschiedlich zu gewichten. Diese Funktion lässt die angestrahlten Objekte selbstleuchtend wirken, was zur Vielfalt des Gesamtbildes beiträgt.

Filigrane Bauteile

Als Gegenpol zu den flächig ausgeleuchteten Elementen erhalten die Himmelsleiter und einige ausgewählte Durchbruchkanten leuchtende Kanten durch weiße und rote LED-Konturen. Eine geschickte Lichtführung lässt diese dabei zu unterschiedlichen Zeiten wie Gittermodelle des Baukörpers aussehen.

Die Wassershowanlage

Einer der »Hauptakteure« der Mallinszenierung ist die Wasserseebühne, denn ihre neun Fontänenkreise sind die einzigen Komponenten, die sich tatsächlich physikalisch bewegen können. 30 Wibre-LED-Unterwasserscheinwerfer, die über RGB-Farbmischung die einzelnen Kaskaden und Wasserwände herauszeichnen, übernehmen die Beleuchtung. Jene und Link sorgten dafür, dass die Regelkreise der Pumpen über die Lichtmediensteuerung bedienbar sind.

Durch die Kombination von Wasserspiel und Projektionsscheinwerfer entstehen als weitere Variante der Inszenierung »Lichtgestalten«, die scheinbar aus dem Nichts entstehen und mitten auf der Seebühne schweben.

Die Kugel und die LED-Glasfassade

Herausragende Elemente der gesamten Kulisse sind die Glasfassade des Servicegebäudes und die davor aufgeständerte Kugel. Sie bildet einen »runden Abschluss« und verleiht dem Gesamtensemble ein fröhlich-verspieltes Erscheinungsbild. Architekt Steffen Buchholz sieht in der Kugel einen Baukörper, dessen raumbildende Stahlkonstruktion mit der gegenüberliegenden Kulissen- fassade kommuniziert. Deren Form erinnert an eine überdimensionale Welle, auf der die Kugel wie ein bunter Wasserball tanzt. Nach der Entscheidung des Betreibers, die Kugel als rein dekoratives Element auszuführen, erhielt Tobias Link den Auftrag, Vorschläge hinsichtlich Konstruktion und Inszenierbarkeit der Kugel zu machen.

Link, dem die glatte Haut eines Wasserballs für die Kugel zu schlicht war, entwarf eine geschuppte Variante, die auch bei Tageslicht durch ihre äußere Form interessant wirkt. Um die ausgewogene Gliederung des Gesamtbildes zu erhalten – und auch um im Rahmen des Budgets zu bleiben –, wurde der Durchmesser der einzelnen Schuppen auf 1,4 Meter festgelegt.

Ursprünglich war die Kugel als rein kristalliner Körper geplant; dem Auftraggeber war dessen Wirkung gegenüber den farbigen Elementen der Kulissenfassade jedoch zu schwach. So entschied man sich für eine leichte Einfärbung der Schuppen durch orange abgetönte Ringe, die zusätzlich auch das »Wasserball«-Thema transportieren.

Um auch in den Nachtstunden den hohen gestalterischen Anspruch der Kugel weiterzuführen, werden die einzelnen Scheiben mittels LED-Strahlern ausgeleuchtet. Diese sind so in den Scheibenachsen montiert, dass sie die Scheiben schattenfrei und homogen ausleuchten. Auf diese Weise verschmilzt jede Schuppe mit ihrer Leuchte zu einem Pixel. Alle Pixel zusammen bilden eine Matrix, die sich videografisch belegen lässt. Bei Dunkelheit wird die im Durchmesser zwölf Meter starke Kugel zu einem aktiven Kommunikator, der seine eigene Struktur aufzuheben scheint und eine Flut von dynamischen Lichtgestalten erzeugt.
Die Kugel wurde als Gesamtauftrag von der ECE direkt an die Firma Polenz vergeben, die als GU in einem reibungslosen Bauablauf hervorragende Arbeit leistete und das Gewerk in der vorgesehenen Zeit fertigstellte.



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8 Mitarbeiter der Firma Polenz montieren die einzelnen Schuppen und die in die Kugel integrierten Insta-LED-Sonderleuchten.
9 Vormontage der Kugel im neuen Wasser-becken des östlichen Erlebniskais.
10 Blick in den Gang hinter der Glasfassade mit dem aufgesetzten Alukanal, der die gesamte Pfostenkonstruktion durchläuft.
11 Detail der glasabgedeckten 4,5 Watt-LED-Sonderleuchte von Insta, die für die gleichmäßige Hinterleuchtung der Glasfassade sorgt.

LED-Sonderleuchte

Die für die Ausleuchtung benötigten LED-Scheinwerfer entstanden in Zusammenarbeit zwischen Tobias Link und Insta, Lüdenscheid. Die vielfältigen Anforderungen des Lichtdesigners an die Sonderleuchte wurden alle zu dessen großer Zufriedenheit erfüllt.

Das neue Lichtwerkzeug verfügt über folgende Eigenschaften:

Die Leistungsaufnahme eines Strahlers bei voller Helligkeit liegt bei etwa 18 Watt. Diese an der Gehäusegröße des Strahlers gemessene geringe Leistung führt zu einem sehr konservativen thermischen Management, was sich positiv auf LED-Degradation und Lebensdauer auswirkt. So ist die Applikation auch aus dieser Sicht optimal für den Long Life-Betrieb geeignet.

LED-Spezialisten für die große Lichtkugel

Auf der Stahlkonstruktion der »Lichtkugel« von Polenz sind insgesamt 376 RGB-LED-Strahler von Insta im Einsatz. Die Strahler leuchten die Acrylglasscheiben der »Außenhaut« von innen her an.

Durch ihre hohe Schutzklasse (IP 65) lassen sich die LED-Strahler dauerhaft im Außenbereich einsetzen. Die LEDs in den Leuchten erreichen eine elektrische Leistung von knapp 14 Watt. Sie zeichnen sich durch eine homogene Lichtmischung und eine gute Lichtwiedergabe im Weißbereich aus. Ein eigens für diese Anwendung entwickeltes Verschattungssystem sorgt für die exakte Abbildung des Lichtfeldes auf den zugehörigen Kunststoffscheiben.

Zur Lichtsteuerung wird das instalight LEDTRIX®-System eingesetzt, wobei als Steuerungskomponente der von dem Lüdenscheider Unternehmen entwickelte LEDTRIX®-Hochstrom-Core zum Einsatz kommt.

Ausleuchtung der Glasfassade des Servicegebäudes
Die der Glasfassade des Servicegebäudes vorgelagerte Kugel »schwebt« quasi vor einem künstlichen Horizont, den es ebenfalls zu inszenieren galt.

Ursprünglich sah ECE die Ausleuchtung des Servicegebäudes mittels im Inneren angeordneter, RGB-mischender Leuchtstofflampen vor. Da sich mit dieser Technologie aber nicht annähernd die Farbwerte erreichen lassen, die Tobias Links Farbpartituren vorsahen, wurden die Pläne zugunsten einer Ausleuchtung durch RGB-LEDs abgeändert.

Zum Einsatz kam auch hier die schon beschriebene Insta-Technologie, allerdings wurden die LEDs anders verteilt: Um die Glaskonstruktion von störenden Leuchtengehäusen freizuhalten, entwarf Link eine Sonderleuchte, die in Form eines Alukanals auf das vertikale Fensterprofil bündig aufgesetzt wurde und die gesamte, acht Meter hohe Pfostenkonstruktion kaum sichtbar durchläuft.

In dem Kanal verteilen sich sechs RGB-LEDs , die durch winzige, mit Glas abgedeckte Öffnungen ihr Licht auf die dahinter liegende Wand abgeben und diese absolut homogen ausleuchten. Durch ihre hohen Framerates lassen sich die LEDs auch videografisch nutzen.


12 Schnittmodell aus der 3D-Animation der Installation
»The LIVING Seas«, das Scenario als Arbeitsmodell erstellte.


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13 Tobias Link am 1:20-Modell der Installation. Hier wurde schon im Vorfeld die Wirkung der Architektur und des Raumes getestet.
14 Nicht nur Kindern macht der Spaziergang durch die »LIVING Seas« Freude.
15 Das Thema »Wasser« bildet die gedankliche Basis der Raumskulptur »The LIVING Seas«

»The LIVING Seas«

Der Haupteingang der Mall weist eine besondere bauliche Situation auf: Er führt über einen 40 Meter langen und zehn Meter breiten Gang durch das vorgelagerte Parkhaus. Tobias Link und Oliver Jene standen vor der Aufgabe, eine Eingangssituation zu schaffen, die einer Eventmall gerecht wird, den Besucher empfängt und ihn gedanklich auf Shopping-Erlebniswelten einstimmt.

Aufbauend auf das Thema »Wasser« aus dem Gestaltungsleitfaden der Mall modellierte Tobias Link eine sich aus 54 Bögen zusammensetzende, raumbildende Skulptur. Diese basiert auf dem Studium sich im Meer überschlagender Wellen als Modell für die Ausrichtung der Bögen im Raum, ihre Größe und Drehung zueinander: Es entstand ein »lebendig« anmutender Raum, der durch seine enorme Höhe zugleich kathedrale Zügen zeigt. Ein Besucherpfad mit einem an eine Reling erinnernden Holzhandlauf unterstützt das visuelle Erlebnis mit maritimem Charakter. In sanften Bögen erhebt er sich über das normale Fußbodenniveau und nimmt den Besucher mit – hinaus aus seinem gewohnten Umfeld hinein in ein emotionsgeladenens Stimmungsfeld. Kies bedeckt den gesamten Boden des Raumes und rundet damit die materielle Ausgestaltung ab.

Die mediale Gestaltung basiert auf einer dynamischen Licht- und Klang-Choreografie. Akteur der Installation ist der Besucher selbst. Sensoren erfassen die Anzahl der Personen im Raum, auf die die »LIVING Seas« reagieren. Befindet sich kein Besucher in der Installation, verfällt der Raum in Schlaf. Meditative Klänge aus der Tiefe sind zu hören, eine dunkelblaue Mitternachtsstimmung verhüllt die Skulptur. Hier und da hört man Wassertropfen unregelmäßig ins Nass tropfen.

Nähert sich nun ein Besucher, erwacht der Raum: Im Fluss des Besucherstroms bilden sich sanfte Farbnuancen auf den fächerartigen Bügeln der Raumstruktur, einzelne Klänge gehen in stereophone Klangräume über, die sich je nach Aktivität auf der Lauffläche zu komplexen Klangwelten aufbauen. In den Hauptbesuchszeiten erblüht der Raum in den leuchtenden Farben eines Korallenriffs. Leuchten in Form eines Fischschwarmes begleiten den Besucher durch die Unterwasserwelt. Ihr Licht unterstützt die Dynamik der Installation zusätzlich.

Zur technischen Umsetzung entwarf Tobias Link zwei mit Farbmischscheinwerfern ausgerüstete Beleuchterbrücken. Über subtraktive Mischung bilden die Geräte rein rechnerisch über 16 Millionen Farbnuancen. Besonders wichtig war hierfür die Geschwindigkeit bei der Realisation der Farbmischung, da zur Erzeugung der Unterwasserstimmungen eine hohe Farbwechselfrequenz erforderlich ist. Projektoren aus dem Bereich der Theaterbühne mit besonders wartungsfreundlicher Mechanik streuen Wassereffekte in den Raum und ergänzen damit das »gelebte Raumgefühl«.

Besonderes Augenmerk richteten die Planer auf die Auswahl der Leuchtmittel. In der ge-samten Installation kommen langlebige und somit wartungsarme Philips-CDM-T 150 und Leuchtstofflampen zum Einsatz.

Die ersten Entwürfe in der Entwicklungsphase der Installation realisierte Tobias Link als rechnergestützte 3D-Modelle. Der finale Entwurf wurde als 1: 20-Modell gebaut, das im kleinen Maßstab alle Choreografien der »LIVING Seas« zur Funktionsüberprüfung enthielt, und sich als sehr überzeugendes Mittel zur Präsentation eignete. Die Installation selbst wurde für die »Goldene Flamme 06« nominiert.

Der innere Mallbereich

Hier sah Mariana Theiling Lichtdecken und Vouten vor, die mit einer farbdynamischen Ausleuchtung der geschwungenen Deckenuntersicht in den Eventmalls kombiniert werden sollten. Für die vier unterschiedlich gefärbten Rotunden schlugen Link und Jene grafische Projektionen vor, die mittels spiegelabgelenkter Profilscheinwerfer realisiert wurden. Diese strahlen je nach Jahreszeit verschiedene, von scenario entwickelte fotografische Motive in die Halbkugelfläche.

Die Lichtgestaltung in der großen Eventmall wird ergänzt durch vier 22 Meter hohe Lichtstelen aus dem Hause Neon Müller, Dresden, die wie Mikado-Stäbchen in der darunter liegenden Quellenlandschaft stecken (siehe LICHT 10-2006). Tobias Link empfahl eine segmentiert steuerbare Aufteilung der für sie verwendeten Leuchtstofflampen, um einen dynamischen Lichtfarbfluss über den Verlauf aller vier Stelen realisieren zu können.

Für die farbdynamische Ausleuchtung der Deckenuntersicht entwickelte Link eine auf einer Standardleuchte basierende Sonderleuchte, die mittels subtraktiver Farbmischung die sanften Schwünge der Decke inszeniert und durch ihre besonders kleine Bauform mit abgesetztem Vorschaltgerät in die vorgesehenen Scheinwerfervouten passt.

Der letzte Bauabschnitt der Eventmall nova | eventis wurde am 20. September 2006 eröffnet und erfreut sich seither großer Beliebtheit. Die stetig steigenden Besucherzahlen lassen vermuten, dass die Konzepte aller beteiligten Planer aufgingen, und unterstreichen den großen Erfolg des auf der grünen Wiese zwischen Leipzig und Halle gelegenen, besonderen Shopping-Centers.


Links: Blick in die kleine Eventmall mit farbdyamischer Deckenausleuchtung gemäß der Sommerpartitur.
Rechts: Blick in eine der vier Rotunden mit projizierten Motiven aus der Frühlingspartitur.



LICHT 04/2007

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