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Die Regensburger Maximilianstraße in neuem Licht

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In der Gestaltung ihrer öffentlichen Bereiche hat die Stadt Regensburg Vorbildfunktion

Fotos: VETmotion, Laaber, für Lehner WerkMetall, Nittendorf

Nach der erfolgreichen Stadterneuerung ihres Altstadtbereichs sieht die Stadt Regensburg eine vordringliche Aufgabe der Innenstadtentwicklung in der Verknüpfung der Altstadt mit den umliegenden Stadtteilen. Zentrale Bedeutung kommt dabei der Maximilianstraße als Verbindung zwischen der Altstadt und dem Hauptbahnhof zu. Ein integratives Licht-Kunst-Konzept soll auf dieser Strecke realisiert werden und die wichtige Verkehrsachse zu einem attraktiven Einkaufs- und Begegnungsbereich aufwerten.

Durch die Neugestaltung der nördlichen Maximilianstraße sind erlebbare öffentliche Räume mit hohen Aufenthaltsqualitäten geschaffen und diese gleichzeitig mit dem vorgegebenen Verkehrskonzept in Einklang gebracht worden. Die Strahlungsgeometrie der Lichtstelen, die im Abstand von 30 m entlang der Ostseite der Straße stehen, ist so berechnet, daß an den Fassaden keine direkten Strahlungsanteile wirksam werden.

Gute Erfahrungen im Bereich der Altstadt

Im Rahmen der Stadterneuerung und Stadtentwicklung von Regensburg besitzt die Gestaltung öffentlicher Räume seit langem einen hohen Stellenwert. Als eine der ersten Städte Deutschlands hat Regensburg bereits 1982 die Entlastung der Altstadt vom Durchgangsverkehr und die Auslobung eines
städtebaulichen Realisierungswettbewerbes zur Gestaltung von Straßen und Plätzen für den gesamten zentralen Altstadtbereich beschlossen. Die behutsame Wiedergewinnung des innerstädtischen Raumes im kunsthistorischen Kleinod von europäischem Rang (Regensburg ist die am besten erhaltene mittelalterliche Großstadt nördlich der Alpen) erhielt breite Anerkennung: Für seine neu gestalteten Stadtplätze wurde Regensburg 1998 mit dem Deutschen Städtebaupreis ausgezeichnet, im Februar 2001 folgte der Public-Design-Preis.

Fortsetzung des erfolgreichen Konzepts

Eine vordringliche Aufgabe der zukünftigen Regensburger Innenstadtentwicklung ist die Verknüpfung der Altstadt mit den umliegenden Stadtteilen. So wurde mit der Auslobung des zweiphasigen, europaweit ausgeschriebenen Wettbewerbes »Verbindung Altstadt – Hauptbahnhof« über die dicht bebaute Altstadt hinausgegangen, um die wertvollen, jedoch lange vernachlässigten Grün- und Verkehrsflächen funktional und gestalterisch aufzuwerten.

Zur Aufgabenstellung zählte zum einen, den Bereich zwischen Bahnhof und Altstadt so zu gestalten, daß er eine verbindende und frequenzbringende Funktion übernimmt. Zum anderen sollten erlebbare öffentliche Räume mit hohen Aufenthaltsqualitäten geschaffen und diese gleichzeitig mit dem vorgegebenen Verkehrskonzept in Einklang gebracht werden.

Ein Licht-Kunst-Konzept für die Achse Altstadt – Hauptbahnhof

Der Verbindung zwischen der Regensburger Altstadt und dem Hauptbahnhof kommt eine enorme Bedeutung als Entree zur Stadt Regensburg zu. Zentrale Wege- und Verkehrsachse dieser Verbindung ist die Maximilianstraße. Diese gliedert sich in ihrem Verlauf von Nord nach Süd in drei Bereiche:

Entlang dieser Strecke soll ein Licht-Kunst-Konzept von Markus Heinsdorff die Bedeutung der Straße betonen. Den Auftakt bilden zwei über 20 m hohe, blau schimmernde Lichtstelen vor dem Bahnhof. Im weiteren, südlichen Verlauf schließen sich 80 cm dicke Lichtsäulen mit changierendem farbigem Licht an. Im baulich gefaßten nördlichen Bereich der Maximilianstraße verfolgen grüne Bodeneinbauleuchten den Straßenverlauf.



Auch in der Tageslichtsitution wirken die Lichtstelen als gestaltendes und gliederndes Element im Straßenraum. Mit einem maximalen Strahlungswinkel von 72° gibt die Leuchte gerichtete Strahlungsanteile ausschließlich in den unteren Halbraum ab. Neben ihrer Funktion zur effektiven Ausleuchtung des Straßenraumes werden die Lichtstelen durch ihre hinterleuchteten Zylinder selbst zu Lichtobjekten.

Bereits realisiert: Die nördliche Maximilianstraße

Als erster Bauabschnitt wurde im letzten Jahr die nördliche Maximilianstraße realisiert, basierend auf dem Entwurf der Wettbewerbsgewinner, der Architektengruppe Morpho-Logic aus München.

Mit der Aufwertung der nördlichen Maximilianstraße zu einem attraktiven Einkaufs- und Begegnungsbereich geht auch die neue Ausleuchtung der ehemaligen »Prachtstraße« einher, die nach dem Beschuß durch napoleonische Truppen 1809 in einem für die Altstadt untypisch geradlinigen Verlauf als repräsentative Hauptstraße geplant worden ist. Insbesondere in Verbindung mit der Verlängerung der Ladenöffnungszeiten bekommt die Rauminszenierung mit Licht einen besonderen Stellenwert. Wird Shopping nicht gleichgesetzt mit Kaufen, sondern verstanden als Freizeitbeschäftigung, sich zu treffen, zu promenieren und Produkte anzusehen – ähnlich wie in einer Galerie –, so müssen die entsprechenden öffentlichen Räume dafür entsprechend angenehm gestaltet und ausgeleuchtet sein. Hinzu kommen natürlich die Aspekte der guten Orientierung und der nächtlichen Sicherheit.

Die formale und entstehungsgeschichtliche Sonderstellung der nördlichen Maximilianstraße findet in der Gestaltung des öffentlichen Raumes ihren Ausdruck. Als formales Mittel dient hierzu das Bodenbelagsmaterial in der Wahl seiner Form, Farbe und Gliederung (mittelformatige, grünliche Granitsteinplatten, jetgestrahlt, und helle Granitbänderung). Ebenso spiegelt das Lichtkonzept die Sonderstellung der Straße mit der ihr eigenen Linearität wider. Die Beleuchtung der nördlichen Maximilianstraße ist dabei integraler Bestandteil der Gesamtlichtplanung für den kompletten Bereich zwischen Bahnhof und Altstadt.

Abgeleitet aus dem Gesamtkonzept, erfolgt die Beleuchtung der nördlichen Maximilianstraße mit Halogen-Metalldampflampen weißer Lichtfarbe. Die Strahlungsgeometrie der Lichtstelen, die im Abstand von 30 m entlang der Ostseite der Straße stehen, ist so berechnet, daß an den Fassaden keine direkten Strahlungsanteile wirksam werden. Für die Anwohner steigt die Lebensqualität durch die stark verminderte Lichtbelästigung. Die Vermeidung allzu flacher Strahlungswinkel sorgt für eine größtmögliche Blendungsbegrenzung der Passanten. Mit einem maximalen Strahlungswinkel von 72° gibt die Leuchte gerichtete Strahlungsanteile ausschließlich in den unteren Halbraum ab.



Die Lichtstele »Lucky Light« wurde speziell für die Umsetzung des Licht-Kunst-Konzeptes zwischen Regensburger Altstadt und Bahnhof entworfen. Das Spiegelsystem im Leuchtenkopf sorgt durch Lichtpunktzerlegung für blendfreie Beleuchtung. Der Metallsockel der Leuchten geht in einen satinierten Acrylglaszylinder über, auf den der klare Leuchtenkopf aufgesetzt ist.

Die Lichtstelen »Lucky Light«

Die Lichtstele wurde nach formalen Vorgaben der Architekten von Conceptlicht in Zusammenarbeit mit dem Leuchtenhersteller Lehner WerkMetall entwickelt sowie von Lehner WerkMetall konstruiert und ausgeführt.

In der Vergangenheit hat das Unternehmen seine Kompetenz im Bereich der Beleuchtung und Stadtmöblierung schon vielfach unter Beweis gestellt. So wurde zum Beispiel das gesamte Regensburger Altstadt-Beleuchtungskonzept mit Produkten aus dem Hause Lehner WerkMetall realisiert: unter anderem dabei auch der Neupfarrplatz, der mit 7 000 m2 Fläche den größten Platz der Regensburger Altstadt darstellt und dem beim Deutschen Städtebaupreis 1998 eine besondere Erwähnung galt.

Der Aufbau der 6 m hohen Stele gliedert sich in drei Teile. In einem Metallsockel mit 300 mm Durchmesser ist die Elektrotechnik untergebracht. Darauf ist ein satinierter Acrylglaszylinder installiert, der mit zwei innenliegenden Power-LED-Ringen hinterleuchtet wird.

Den oberen Leuchtenabschluß bildet der klare Lichtkopf. Lichttechnisch ist er mit einem Spiegelsystem für 150-W-Halogen-Metalldampflampe ausgestattet und gewährleistet über die Funktionsweise der Lichtpunktzerlegung eine asymmetrische Lichtverteilung. Die Farbtemperatur liegt bei 4 200 K (neutralweiß).

Neben ihrer Funktion zur effektiven Ausleuchtung des Straßenraumes werden die Lichtstelen durch ihre hinterleuchteten Zylinder selbst zu Lichtobjekten. Darüber hinaus erhellen diese diffus strahlenden Komponenten das unmittelbare Umfeld der Stelen und tragen zur Aufhellung der Fassaden bei.

Die Leuchtdichten sind dabei so eingestellt, daß die Leuchtflächen der Stele neben den hell erleuchtenden Schaufenstern noch gut erkennbar sind, ohne mit den bunten Auslagen in Konkurrenz zu treten.

Pläne für die südliche Maximilianstraße: Der Europabrunnen

Das Gestaltungskonzept sieht im weiteren Verlauf der Maximilianstraße nach Süden den Brunnenpavillon des Europabrunnens auf dem Ernst-Reuter-Platz vor. Der leuchtende Glaskörper soll in der Zukunft die Platzmitte erhellen. Er wird mit drei unterschiedlichen Lichtelementen ausgestattet. Drei Wasservorhänge werden im Sommer intensiv mit Strahlern von oben beleuchtet; im Winter sind es die Gittervorhänge, die angestrahlt werden. Als Leuchtmittel werden

energiesparende Halogen-Metalldampflampen verwendet. Die Lichtfarbe dieser Leuchten wird mit subtraktiven Farbfiltern gemäß dem Farbkonzept des Künstlers (Markus Heinsdorff) eingestellt. Ein weiteres Lichtelement bildet die Hinterleuchtung der Wasserfälle mit farbigem Licht. Hierzu werden Unterwasserstrahler mit Halogen-Glühlampen zwischen die Wasserfälle montiert. Als drittes Lichtelement sind Wandeinbaustrahler unmittelbar oberhalb der Wasseroberfläche geplant. Diese Leuchten mit tiefblauer Lichtfarbe erzeugen auf der Wasseroberfläche einen Spiegeleffekt, der eine Abbildung der Wellenbewegung auf den Wänden bewirkt.

Postive Effekte für Anrainer und Flaneure

Die neu gestaltete Maximilianstraße sowie die gesamte Regensburger Altstadt braucht die Konkurrenz zu den Einkaufszentren, Shopping-Malls und Ladengalerien auf der Grünen Wiese nicht zu scheuen. Den gesichts- und phantasielosen Einkaufsstätten trotzt sie schon längst erfolgreich mit ihrer ambitionierten Gestaltung der öffentlichen Räume.


Objektinformation

Bauherr: Stadt Regensburg, Planungs- und Baureferat
Architektur und Stadtplanung: Morpho-Logic, Ingrid Burgstaller, Michael Gebhard, München
Landschaftsarchitektur: Uta Stock-Gruber, Buch am Erlbach
Künstler: Atelier Markus Heinsdorff, München
Lichtplanung: Conceptlicht, Rainer Teifel, Traunreut

»Lucky Light«- Lichtstele:

Gestaltung: Morpho-Logic
Entwicklung: Conceptlicht, Martin Möller in Zusammenarbeit mit Lehner WerkMetall
Konstruktion und Ausführung: Lehner WerkMetall, Nittendorf

Abmaße der Lichtstele


LICHT 06/2003

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