EDITORIAL

Liebe Leserin, lieber Leser!

nun ist es also wieder einmal soweit

… Weihnachten steht vor der Tür.

Pünktlich in der Woche vor dem 1. Advent sind die Weihnachtsbeleuchtungen in den Städten eingeschaltet worden, für uns der letztmögliche Termin, um Ihnen noch eine aktuelle Installation vorzustellen.

In Berlin hat man sich wieder besonders viel einfallen lassen: Lassen Sie sich von den Bildern auf S. 1210–1213 begeistern. Auch der vom letzten Jahr bekannte winkende Weihnachtsmann begrüßt wieder alle Berlin-Besucher und Berliner. Es soll Autofahrer geben, die mehrmals die Straße entlangfahren, weil sie so begeistert sind …


Auch in diesem Weihnachtsheft soll Sie ein Gedicht auf die besinnliche Vorweihnachtszeit einstimmen.

Der Autor/die Autorin ist uns leider nicht bekannt, wir würden uns sehr für diese Zeilen, die uns aus der Seele sprechen, bedanken. Vielleicht gefällt es Ihnen ebenso wie uns: Was wäre eine Zeit ohne Hoffnung! Ohne Hoffnung auf den Frieden in aller Welt – Hoffnung auf Glück, Liebe, Freundschaft, Hoffnung für Gesundheit, Hoffnung auf eine friedvolle Zeit …

Die vier Kerzen

Vier Kerzen brannten am Adventskranz.
Es war ganz still.
So still, daß man hörte,
wie die Kerzen zu reden begannen.

Die erste Kerze seufzte:
»Ich heiße Friede.
Mein Licht leuchtet,
aber die Menschen halten keinen Frieden,
sie wollen mich nicht.«
Ihr Licht wurde immer kleiner und verlosch schließlich ganz.

Die zweite Kerze flackerte und sagte:
»Ich heiße Glaube.
Aber ich bin überflüssig.
Die Menschen wollen von Gott nichts wissen.
Es hat keinen Sinn mehr, daß ich brenne.«
Ein Luftzug löschte die zweite Kerze aus.

Leise und traurig,
sehr traurig meldete sich die dritte Kerze zu Wort:
»Ich heiße Liebe.
Ich habe keine Kraft mehr zu brennen.
Die Menschen stellen mich an die Seite.
Sie sehen nur sich selbst und nicht die anderen.«
Und mit einem letzten Aufflackern war auch dieses Licht gelöscht.

Da kam ein Kind in das Zimmer.
Es schaute die Kerzen an und sagte:
»Aber ihr wollt doch brennen und nicht aus sein!«
Und es fing an zu weinen.

Da meldete sich die vierte Kerze zu Wort:
»Hab’ keine Angst,
solange ich brenne,
können wir auch die anderen Kerzen wieder anzünden.
Denn ich heiße Hoffnung.«

Mit einem Streichholz nahm das Kind Licht von dieser Kerze
und zündete freudig die anderen Lichter wieder an.


… rund um das Brandenburger Tor …

Das Titelbild dieser letzten Ausgabe des Jahres zeigt das Brandenburger Tor im neuen Lichterkleid. Am 3. Oktober wurde die »Umhüllung«, die sehr effektvoll fast zwei Jahre das Tor zudeckte, in einem Festakt mit dem ehemaligen amerikanischen Präsidenten Bill Clinton, Bundespräsident Rau, Bundeskanzler Schröder, dem Berliner regierenden Bürgermeister Wowereit mit feierlicher Musik, viel Prominenz und rund 1 Million Zuschauern enthüllt. Nun erstrahlt es in voller Schönheit.
Die Lichtplaner von Kardorff-Ingenieure haben es ins rechte Licht gesetzt, und wie sie das gemacht haben, lesen Sie in der nächsten Ausgabe.

In diesem Heft ein kurzer aktueller Vorab-Bericht zum Titelbild mit einem Interview und einigen technischen Details auf Seite 1206.Das Brandenburger Tor finden Sie an mehreren Stellen in dieser Ausgabe …

Am Brandenburger Tor begann auch die Schlußveranstaltung zu den 50-Jahr-Feiern des Bundes Deutscher Innenarchitekten (BDIA), natürlich gab es bei der Begrüßung unter der Quadriga auch ein schönes Erinnerungsfoto für alle (siehe S.1204). Das Highlight dieser Veranstaltung war jedoch – zumindest für Licht-Fans – das Event zum Abschluß: Es handelte sich um ein Gala-Dinner in den edlen Räumen der Neuen Nationalgalerie. Der amerikanische Künstler Keith Sonnier hatte dort eine Lichtkunst-Installation durchgeführt, die faszinierend war: die geraden Linien des Mies-van-der-Rohe-Baus sind mit Neonröhren in den Farben Rot, Blau und Gelb umzeichnet worden und scheinen ins Unendliche hineinzuragen. Die Teilnehmer der Jubiläumsveranstaltung kamen so vor der offiziellen Vernissage zu einem einmaligen Kunstgenuß …


Der Bund Deutscher Innenarchitekten BDIA feierte den Abschluß seiner über ganz Deutschland verteilten 50-Jahr-Feiern in Berlin (siehe S. 1204–1205).
Die feierliche Abschlußveranstaltung fand in der Neuen Nationalgalerie statt. Ein besonderes Highlight war die »Generalprobe« einer Keith-Sonnier-Kunstinstallation, die offiziell erst ein paar Tage später »eingeschaltet« worden ist. Die Festteilnehmer kamen so in einen ganz besonderen Genuß:
Der amerikanische Lichtkünstler Keith Sonnier, der in New York lebt, hat die architektonischen Grundstreben des Mies-van-der Rohe-Baus mit schmalen farbigen Neonröhren in den Farben Rot, Gelb und Blau nachgezeichnet. Die farbigen Linien scheinen in die Unendlichkeit zu gehen und betonen dadurch auch die Gebäude in der Umgebung. »BA-O-BA« nennt Sonnier seine Installation, das ist ein haitischer Ausdruck für das »Baden im Mondlicht« – eintauchen in Licht …
(Fotos: Regina Welk)

… noch ein wenig vom Brandenburger Tor: Am Schluß dieses Beitrags sehen Sie meine ganz persönliche Einstellung zum »Brandenburger Tor«. Begeistert bin ich von einem ganz besonderen Buch, in dem natürlich auch das Brandenburger Tor vorkommt: Es handelt sich um ein Pop-up-Buch über Berlin mit dreidimensionalen Gebäuden, weiteren interessanten Informationen (siehe S. 1323). Da ich als gebürtige Berlinerin nun nach München »ausgewandert« bin, habe ich mit diesem »Berlin-Paket« meine Heimat immer bei mir. Doch es wäre zu wünschen, daß es ein derartig faszinierendes Buch auch von anderen Städten geben sollte. Also, falls Sie noch ein originelles und auch »inhaltsschweres« Weihnachtsgeschenk brauchen …


Noch an dieser Stelle zur Erinnerung:
Die Anschrift der Redaktion LICHT ist nun:
Lazarettstraße 4
80636 München
und auch neue E-Mail-Adressen gibt es:

welk@lichtnet.de
heiden@lichtnet.de
hoelzemann@lichtnet.de
schitthelm@lichtnet.de

Foto: Swarovski, Wattens/Österreich


und deshalb gibt es weiter ein paar Kunstgenüsse aus München.

Weltweit erste Internet-Kunstfassade in München

… einen lichtvollen Kunstgenuß konnte man auch in München genießen: Am 20. November feierte die erste weltweit gestaltbare Internet-Kunstfassade ihre Premiere. Der Sitz der Münchner Agenturgruppe Serviceplan wird bis Ende der Winterzeit im März 2003 Anlaufstelle für Kunstbegeisterte. Täglich zwischen 17.00 und 20.00 Uhr erleben sie, wie Menschen aus aller Welt via World Wide Web die interaktive Hausfassade verändern. Menschen aller Nationen werden in Zusammenarbeit mit den Goethe-Instituten aufgerufen, von jedem Punkt der Erde die Worte »I am where I am not« in ihrer Landessprache auszusprechen und als Audiodatei via Internet an den Server des Hauses der Kommunikation weiterzuleiten. Dort werden die eintreffenden Sätze – in bis zu 551 möglichen Sprachen – dekodiert und digital in den entsprechenden Landesfarben optisch umgesetzt. Die individuelle Betonung, Höhe und Tiefe der Stimme wird durch die Bildsprache farblich wiedergegeben. Die Internet-Kunstfassade wird damit zu einer Kunstplattform, auf der alle Sprachen aus 226 Ländern über das Internet völkerverbindend vereint werden können.


»I am where I am not«:
Die Weltweit erste Internet-Kunstfassade feierte am 20. Oktober in München Premiere. Weitere Informationen im Internet unter www.kunstfassade.de. Die Fassade ist bis Ende März 2003 täglich zwischen 17 und 20 Uhr und im Internet
zu sehen.

Die ersten Sprachbilder stammen von prominenten Persönlichkeiten aus Kunst und Kultur. Dazu zählen: Sir Peter Jonas (Staatsintendant der Bayrischen Staatsoper) für Großbritannien, Zubin Mehta (»meistbeschäftigter Dirigent der Welt«) für Indien, Sonia Bogner (Modedesignerin) für Brasilien, Dr. Georg Kofler (Vorsitzender der Geschäftsführung, Premiere World) für Italien, James Levine (Chefdirigentent Münchner Philharmoniker) für die USA. Die Idee ist auf das ausgeprägte Kunstinteresse der Agenturgruppe Serviceplan zurückzuführen. »Wir möchten das reizvolle Zusammenspiel zwischen Kunst und Technik erlebbar machen und der Stadt München eine künstlerische Innovation bieten«, erläuterte Peter Haller, der Mitbegründer der Agenturgruppe, das Kunst-Engagement. In ihrem »Haus der Kommunikation« in der Brienner Straße gibt es u.a. eine bedeutende Sammlung von den 1960er Jahren bis in die Gegenwart, darunter Künstler wie z.B. Joan Miró, Antoni Tapies und Fritz Winter.

Lichtkunst: Von künstlerischen Leuchten und leuchtenden Kunstwerken

Ein Vortrag in der Bezirksgruppe Südbayern der Lichttechnischen Gesellschaft am 21. 11. paßte hervorragend zum Inhalt dieser Lichtausgabe: Prof. Dannhauer sprach über Licht und Kunst in München und Lichtkunst allgemein. Wir zeigen Ihnen auf den nächsten Seiten ein bunte Vielfalt zu diesem Thema:

Schon die Weihnachtsbeleuchtung in den Städten besteht z.T. aus wahren Kunstwerken, wie z.B. die mit Licht umrahmten Bäume in der Straße unter den Linden in Berlin (S. 1211). Keith Sonnier ist ein berühmter Lichtkünstler, und auch die Internet-Fassade paßt durchaus in diese Reihe. Mal wird eine Bar mit Licht verzaubert (S. 1232), mal wird ein Gebäude, welches Kunst beheimatet, selbst zu einem Kunstwerk (S. 1238). Auch Brücken werden durch Licht zu etwas ganz Besonderem …

Eine Malerin aus Amerika, die ebenfalls das Licht liebt stellen wir auf S. 1262 vor:
Zu einer Vernissage im Berliner Liquidrom wurde die Musik im Solebad zusätzlich durch farbige Moonlight-Kugeln betont … Licht und Musik für das Wohlbefinden …

Barbara Alfen malt zauberhafte Seidenbilder, doch den richtigen Pep bekommen sie vielleicht durch das Licht … (S. 1266). Steffen Kluge hat das Licht zum Malen entdeckt (S. 1270) und die Glasleuchten aus dem Glasstudio Borowski sind Kunstwerke zum Verlieben (S. 1274).

Städte leben durch Licht, sie betonen ihre Bauwerke, setzen ausdrucksstarke Lichtakzente und entdecken »Wege aus Licht« (S. 1280). Den Weg zum Licht finden wir am 8. Dezember – dann wird nämlich in Lyon das große Lichterfest gefeiert, wir werden Sie gern daran teilhaben lassen …

Die nächste Ausgabe der Zeitschrift LICHT erhalten Sie als Doppelausgabe am 10. Februar 2003. Wir haben deshalb diese Ausgabe so umfangreich gestaltet, damit Sie eine LICHTlose Zeit gut überstehen …

Auf vielfachen Wunsch haben wir auch den Erscheinungstermin der neuen Zeitschrift TAGESLICHT etwas verschoben: Heft 1 der TAGESLICHT erscheint Mitte März. In LICHT 1–2 werden wir Ihnen jedoch schon das Inhaltsverzeichnis dieser spannenden Zeitschrift vorstellen …

Allen unseren Lesern und ihren Familien und Freunden, nah und fern, im Osten, Norden, Süden und Westen wünschen wir eine besinnliche Weihnachtszeit und einen guten Start in das neue Jahr mit Glück – und vor allem Gesundheit, so daß wir uns alle munter wiedersehen.

Das wünscht von ganzen Herzen


Ihre



mit allen Mitarbeitern und Verlag


… so habe ich Berlin immer bei mir!
… nicht nur ein vortreffliches Weihnachtsgeschenk ist dieses zauberhafte Pop-up-Buch. Es ist zauberhaft gearbeitet und enthält spannende Informationen für Berliner und Nicht-Berliner (siehe auch S. 1208 und 1323).



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