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Gregory Prade

Die Leichtigkeit des Lichts

Stefan Volkamer

Der im Südwesten der Vereinigten Staaten geborene Amerikaner Gregory Prade zählt zu den herausragenden Leuchtendesignern. Er gilt als einer der führenden »Essenzialisten« der internationalen Szene für Leuchtendesign. Seine außergewöhnlich kreativen, in Handarbeit gefertigten Leuchten verbinden erlesene Materialien mit einem auf die pure Ästhetik und Funktion reduziertem Design, wie es leichter nicht sein kann.



Bestellleuchte »Julia Tischlampe« Bestellleuchte »Julia Tischlampe« Wandleuchte »Birdsnest«

Stefan Volkamer, freier Journalist für Licht und Architektur, führte für LICHT ein erstes Interview mit dem Künstler und Designer in seinem Studio am Starnberger See.

SV (Stefan Volkamer): Herr Prade, wenn man sich unter den Leuchtendesignern umhört und fragt, wer die mit am kunstvollsten Leuchten entwickelt, fällt immer wieder Ihr Name. Sind Sie damit eigentlich noch Leuchtendesigner oder schon Künstler, der Licht als sein Ausdrucksmittel ansieht?

GP (Gregory Prade): Der Übergang vom Design zur Kunst ist auch bei mir fließend. Aber eigentlich soll ja gutes Design im Gegensatz zur reinen Kunst schon zweckorientiert sein. Design und seine Anwendung stehen in einem engen Wechselspiel miteinander.

SV: Also eher Designer?

GP: Meine Leuchten stellen eine Symbiose aus Kunst und Funktion dar, jede für sich ist ein handgefertigtes Unikat. Jede unterscheidet sich von der anderen und bekommt damit ihren individuellen Charakter. Bei reinen Kunstobjekten ist das ähnlich.

SV: Mir fällt auf, dass Sie – vordergründig betrachtet – keine klare Designlinie haben. Ihre Leuchten sind mal verspielt und bunt und heiter, dann wieder elegant und leicht mit vornehmer Distanziertheit. Mal grell und laut, mal nur ein Hauch von Licht.

GP: Sie haben eine schöne Art die Dinge zu beschreiben. Was unsere Leuchten, so unterschiedlich sie auf der ersten Blick auch wirken mögen, miteinander verbindet, ist ihr poetischer und spielerischer Charakter. Ich reduziere meine Entwürfe auf die Essenz durch den minimalen Einsatz von Material. Dann füge ich etwas Lebendiges, Witziges und Schönes hinzu. Das ist für mich »Essenzialism«, im Gegensatz zum »Minimalism«. Sie alle sind Ausdruck meiner Haltung und spiegeln die Leichtigkeit des Lichts wieder.

SV: Man sagt, wenn nichts mehr wegzunehmen ist . . . , Sie finden immer noch etwas, das sich auf den Punkt bringen lässt.

GP (grinst):
Manchmal, ja. Für mich ist das Finden der Essenz die reinste Form des Designs. Und auch die Schwierigste. Mit wenigen Mitteln viel zum Ausdruck bringen . . .

SV (unterbrechend): . . . das hat etwas mit Kunst zu tun?

GP: Ja, irgendwie schon.
Es ist jedenfalls etwas anderes, als wenn ich Material in Hülle und Fülle einsetze und alles zusammen lediglich zu einer netten Komposition zusammenfüge.
Die Kunst ist es, die das Design mit Leben und Freiheit erfüllt.



Deckenleuchte »77 moons« Wandleuchte »Tora«
Objektleuchte »Evolution« Pendelleuchte »Gaudius«

SV: Wie zum Beispiel bei Ihrer Leuchtenfamilie »Lighted Golden Mobile«?

GP (lacht): Das ist richtig. Hier bewegen wir uns hart an der Grenze. Reduzierter und leichter, glaube ich, kann Leuchtendesign kaum noch sein, ohne seinen Geist zu verlieren. Bei meinen leuchtenden Mobiles stand übrigens die Natur Pate. Sehen Sie sich eine Lindenblüte an und Sie erkennen sofort den Grundgedanken des Designs.

Bei diesen Leuchten werden nur die schönsten Materialien eingesetzt. Unsere Mobile-Leuchten fertigen wir aus vernickeltem Messingrohr, manchmal vergoldet oder geölt. Die einfach aufgesteckten Blätter, die das Licht reflektieren, stellen wir aus speziellem Papier her. Dieses wird wahlweise mit 24 Karat Blattgold, Blattweißgold oder Blattrotgold beidseitig per Hand beschichtet. Die größte Blattform liegt derzeit bei einer Länge von 70 cm, aber auch größere Formen sind machbar. Zum Gewichtsausgleich sind an den gegenüber liegenden Enden der Messingrohre Kugeln aus Bergkristall angebracht.

SV: Das klingt nach viel Handarbeit und hat sicher auch seinen Preis?
Wer sind denn die Käufer Ihrer Mobile-Leuchten?

GP: Jedes Mobile ist ein Unikat. Alles ist reinste Handarbeit. Von der Fertigung der Blätter über die aufwändige Blattvergoldung bis zum feinsten Austarieren bei der Probeaufhängung in der Werkstatt.

Die Arbeiten dabei sind zum Teil so filigran, dass wir für die Fertigung nur ausgesuchte Fachkräfte mit einer außerordentlichen, feinmotorischen Begabung einsetzen können. Manche meiner Mitarbeiter sind Musiker und bildender Künstler.

SV: Den zweiten Teil meiner Frage haben Sie damit aber nicht beantwortet.

GP: Die Besitzer unserer Mobiles haben eines gemein. Sie haben eine große Sehnsucht nach Freude im Leben und einen Blick für das Besondere. Unsere leuchtenden Mobiles finden Sie in Privathäusern von Grünwald bis zur Mathildenhöhe und natürlich hier am Starnberger See. Aber auch in New York, Quatar, Sarasota und Positano. Und alles von hier aus. Aber wer das sich bewegende Filigrandesign der Mobiles als zu ausufernd empfindet, entscheidet sich gerne für das zwar ebenfalls sehr leichte, aber in seiner Form eher bescheidene Design unserer Leuchte „Birdsnest“.


Deckenleuchte »Lighted Golden Mobile«


Wandleuchte »Aruba« Wandleuchte »Aruba«

SV: Sehr edel, sehr elegant, sehr zurückhaltend. Diesem Design folgt auch Ihre Leuchte »Julia«.

GP: »Julia Tischlampe« ist zur Zeit mein Lieblingsobjekt. Sie besteht lediglich aus einer Lampe, einer Schnur, einem Schalter, Schirm und jeder Menge Spaß. Das war’s. Reine Essenz. Graphisch gesehen eine Linie. Hier wird auf das Minimum reduziert, die ergonomische Form macht sie lebendig. Ein Lampenschirm aus hitzebeständigem Spezialpapier schafft ein freundliches, weiches und blendfreies Licht. Der Schirm ist waschbar, ein Klettverschluss ermöglicht das leichte Abziehen des Schirmes. Das Kabel folgt dem Schwung des gebogenen und polierten Edelstahlgestells, der leuchtende Schalter dient als Orientierungshilfe bei Dunkelheit. Julia ist eine heitere und freundliche Leuchte mit Charakter und Esprit, die dem Betrachter ein Lächeln ins Gesicht zaubert.

SV: Da ist Ihre Leuchte »77 moons« aber was völlig anderes. Die strotzt vor Farben und projeziert sie förmlich auf die Wand.

GP: Ja, hier steht das Spiel mit dem farbigen Licht im Vordergrund, die Leuchte selbst zieht sich zurück. Mit »77 moons« können Sie unzählig viele unterschiedliche Lichtszenarien auf der Wand kreieren. Ganz individuell und immer wieder anders. Optische Glasfilter zerlegen weißes Licht in die Farben des Regenbogens. Die Filter sind beliebig dreh- und schwenkbar und können so immer wieder auf’s Neue ausgerichtet werden. Jeden Tag also ein jeweils neues Spiel mit der Leichtigkeit des Lichts. Bei unserer »77 moons« wird der Besitzer zum Lichtdesigner.

Links: Leuchte »Little Moon«
Rechts: Schalter der Leuchte »Little Moon«

SV: Das gilt in gewisser Weise auch für Ihre Leuchte »Little Moon« ?

GP: Jein, nicht in dem Maße. »Little Moon« ist für mich der pure Minimalismus, reduziert auf die reine Funktion. Sie ist eine vielseitig einsetzbare Leuchte, bei der eine Bergkristallkugel als Halterung dient. Sie können die Halterung der »Little Moon« eigentlich überall anbringen – einfach in die Wand schrauben, ins Bücherregal, in einen individuellen Fuß aus Stein oder Holz zum Beispiel, oder in den Korken einer Flasche. Es gibt viele Möglichkeiten. Besonders schön ist das Zuleitungskabel mit dem Magnetschalter, der bereitet so vielen Kunden eine fast schon kindliche Freude. Einfach Klick – auch das ist ein Symbol für die Leichtigkeit des Lichts.

SV: Das gilt wohl im Besonderen auch für die Wandleuchte »Lil« nehme ich an?

GP: »Lil« wirkt wie eine leuchtende Blüte auf der Wand, federleicht und von großer Anmut. Edelstahl, ein spezielles Papier, eine einfache Wandbefestigung – that´s all. Was braucht man mehr? Das Kabel geht geradezu nahtlos in die dünne Edelstahlstange über und verlängert die ohnehin schon schlanke Linie der Leuchte zum Boden hin. Die Zuleitung wird nicht versteckt, sie wird in das Gesamtdesign integriert.

SV: Ganz einfach.

GP (lacht): Nein. Ganz leicht.

SV: Also dann auf die Leichtigkeit des Lichts und vielen Dank für dieses Gespräch. Ich wünsche Ihnen alles Gute und viel Erfolg in diesem noch jungen Lichtjahr.

GP: Thanks, my pleasure.


GREGORY PRADE

1959 in den USA geboren, in den Südstaaten aufgewachsen.
1987 erstmals nach Europa gekommen, um Kunst und Design in Milano zu studieren.
1991 tätig als Lichtgestalter in München.
1993 Beleuchtung des Spittelauer Turms für Friedensreich Hundertwasser.
1994 Mitarbeiter im Design-Team von Ingo Maurer
1996 Gründung des Studios Gregory Prade in einem ehemaligen Gewächshaus in den Isarauen.
2005 Verlagerung des Studios nach Holzhausen am Starnberger See.

Fotos: Gregory Prade, Holzhausen

Gregory Prade mag es, schöne Dinge zu kreieren. Er bringt gerne Formen aus der Vergangenheit mit dem Gefühl der Gegenwart zusammen und verbindet die Ästethik der Natur mit der Funktion der Technik. Für ihn ist gutes Design Ausdruck einer inneren Verbindung zu unserer emotionalen Natur.

Gregory Prade

Stefan Volkamer, Freier Journalist, Starnberg