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Ausgeglichen: »Juralis«

Hans-georg Grone zeigt ein doppelt dreidimensionales leuchtendes Raumobjekt

Mit »Juralis« präsentiert Hans-georg Grone aus Kassel ein Raumobjekt, das gleichermaßen modernes Standes-Signet, asketische Skulptur und funktionale Leuchte in einem ist. Gestalterische Basis des doppelt »dreidimensionalen« Objekts bilden der Waagbalken samt Balancegewicht und seine zwei Auflager. Diese besondere »Waage« lässt an die Göttin Justizia denken, die damit zur Namenspatin von »Juralis« wird.



»Juralis« Entwurf: Hans-georg Grone, 2004 Höhe: 1550 mm Waagbalkenlänge: 550 mm, Gewicht: 32 kg, Leuchtmittel: 50 W, Halogen, dimmbar

Der Waagbalken besteht aus Edelstahl, einem der korrosionsresistentesten und widerstandsfähigsten Materialien unserer Zeit. Er symbolisiert die unparteiische, beständige Justiz, die einen gerechten Ausgleich zwischen zwei streitenden Parteien schafft.
Weit entfernt vom Waagbalken an einem filigranen Stahlstab befestigt, befindet sich das Balancegewicht als Sinnbild der Öffentlichkeit und ihrer Volksvertreter. Die räumliche und optische Distanz verdeutlicht die Funktion des Volkes als seinerseits übergesetzlich verankertes Recht und Unrechtstat richtende Instanz.

Dem Bleikubus als Symbol der schwer wiegenden, dunklen, rechtlich wie ethisch verwerflichen Untat auf der einen Waagseite steht der sehr viel größere, transparente, lichte Glaskubus gegenüber. Er ist Sinnbild einer »gläsernen« Gesetzgebung. Im Inneren dieses Kubus, des von allen Geometrien kleinsten Körpers, befindet sich ein satinierter, transluszenter Lichtquader.
Dieser steht für den Richter, Rechtsprecher und Interpreten des Gesetzes, der sowohl Licht auf die dunkle Tat als auch in die »gläserne«, dennoch oft undurchsichtige Rechtslage bringt.

Alle Elemente zeichnen sich stofflich und symbolisch durch ein spezifisches Gewicht aus. Multipliziert man das jeweilige Gewicht mit der Länge des Hebelarmes, auf dem es befestigt ist, ergibt dies das summarische Waagen-Gleichgewicht beziehungsweise das symbolische Rechts-Gleichgewicht.

Damit sowohl die physikalische Balance als auch das juristische »Gleich-Gewicht« als Sinnbild und Maß für Gerechtigkeit gewahrt bleiben, ist eine dritte Kraft nötig. Allgemein menschliche, moralisch-ethische Grundsätze finden ihren Ausdruck als »Volkes Stimme«, die aus der Distanz heraus für Ausgleich sorgt: Das Pendelgewicht des Raumobjektes bringt »Juralis« in eine dauerhaft stabile, ausgewogene Position. Auch in der Farbgebung – Schwarz und Edelstahl – zeigt sich »Juralis« neutral.

Hans-georg Grone schlägt mit »Juralis« eine Brücke zwischen Naturwissenschaft, Philosophie und Jurisprudenz: Subjektive Empfindungen zu ethisch-moralischen Fragen, die in letztendlich »willkürlichen« und nur temporär gültigen Gesetzen ihren Niederschlag finden, beantwortet er mit einer exakt berechneten geometrisch-physikalischen Analogie.

Fotos: Hans-georg Grone, Kassel