LICHT-Galerie zurück

1 Viele mittelalterliche Städte – wie auch Berching – sind von Brücken geprägt, die die Altstadt mit dem umliegenden Land verbinden. Mit Flächenstrahlern und zum Teil farbigen Leuchtemitteln haben BEGA und BLV die Beleuchtung von Brücken und Wasserläufen realisiert.

Die »Berchinale des Lichts« im Altmühltal

Über 25 000 staunende Besucher erlagen der Faszination des Lichts

Mystische Zauberkugeln und leuchtende Äpfel in den Bäumen, indirekt beleuchtete Spitzbögen und Türme, fliederfarbener Märchenwald, dazu Lichtobjekte namhafter Künstler – in allen Regenbogenfarben hat sich das mittelalterliche Städtchen Berching bei der Ersten »Berchinale des Lichts« am 17. und 18. Juni präsentiert. Es war das erste Lichtevent, das von der dort ansässigen Akademie Licht initiiert und von Sponsoren aus der Licht- und Leuchtenbranche unterstützt wurde.

»Es war eine harte Woche«, stöhnte Bernhard Mann, Leiter der Akademie Licht sowie Gründer und Geschäftsführer des Lichtleitfaserspezialisten LBM. Zwar hatte er bereits im Herbst vergangenen Jahres mit der konzeptionellen Arbeit für das Lichtevent begonnen. Doch in den Tagen vor dem Event arbeitete er zusammen mit den Mitarbeitern der Sponsorenfirmen bis spät in die Nacht. Hunderte von Leuchten der unterschiedlichsten Art mussten optimal verteilt und installiert, Kontakte zu den acht Künstlern intensiviert und Informationen ausgetauscht werden. Schließlich war eine optimale Organisation die Grundvoraussetzung, damit das Experiment, Berching mit seinen beiden Kirchen und den imposanten Bürgerhäusern am Stadtplatz ins rechte Licht zu rücken, gelingen konnte.

Der Bürgermeister der Stadt Berching, Rudolf Eineder, zeigte sich dann auch bei den Eröffnungsfeierlichkeiten in der Akademie Licht begeistert. Mit der Veranstaltung würden »aus der Tradition der Vergangenheit Werte für die Zukunft geschaffen«, sagte er. »Es ist eine faszinierende Situation, die im mittelalterlichen Gepräge einmalig ist.« Durch dieses Event bekomme in Berching das Wort »Man(n)« eine andere Bedeutung, lobte er Bernhard Manns Initiative.

In der Tat war die Berchinale in dem rund 60 Kilometer von Nürnberg entfernten Städtchen am Main-Donau-Kanal ein voller Erfolg. Über 25000 staunende Besucher erlagen an den zwei Tagen dem Zauber des Lichts und wurden Zeugen, wie Licht als gestalterisches Element Architektur und Geschichte in eine neue Form der Wahrnehmung rücken kann. Die noch heute voll erhaltene Stadtmauer aus dem 15. Jahrhundert mit ihren 13 Türmen und 4 Toren, die gesamten Außenflächen und die Altstadt selbst wurden mit den unterschiedlichsten Lichteffekten zur Geltung gebracht.

Mit Strahlern der Firma BEGA sowie BLV- Farbleuchtmitteln wurden an Fassaden und Wehrmauern, an Brücken, Türmen und Toren abwechslungsreiche Lichtszenarien erzeugt. Farbstimmungen in Rot und Blau zeichneten Konturen und Mauervorsprünge nach (Bild 1). Es stand dabei nicht die totale Ausleuchtung im Vordergrund, vielmehr sollte ein Wechsel aus unterschiedlichen Licht- und Schatteneffekten eine spannende und abwechslungsreiche Lichtdramarturgie schaffen.

8 Überall im Stadtbild setzten die Moonlight-Kugeln leuchtende Akzente, sie zogen eine Lichtlinie, bildeten Lichtlgruppen oder schauten aus Baumgipfeln hervor.

Romantische Stimmung verbreiteten die Kugelleuchten von Moonlight. Sie setzten am Marktplatz Akzente und stellten Wegeverbindungen zu den Lichtinstallationen her. Auch in den Baumgruppen sorgten diese Kunststoffkugeln für stimmungsvolles Licht (Bild 8).

Studenten der Fachhochschule »Lippe und Höxter« unter der Leitung von Prof. Gräßer brachten den Frauenturm zum Strahlen (Bild 2).

3 4 5 2
2 Die Fassade des Frauenturms wurde mit BEGA-Flächenstrahlern ins rechte Licht gesetzt und von BLV in grün-blaue Farbe getaucht.
3–5 Schon von weitem war der Kirchturm der Stadt zu sehen, den IGuzzini mit Farbwechselstrahlern der Serie »Colour Woody« in ein dynamisches Licht aus wechselnden Farben tauchte. Insgesamt 6 Strahler wurden dabei so um das Gebäude herum positioniert, dass selbst die Kirchtumspitze in die Beleuchtung eingeschlossen werden konnte. Leuchten des Typs »Mini Woody« modellierten die runden Fensterbögen des Kirchenschiffes heraus.

Das Lichtkonzept der Firma iGuzzini an der Lorenzkirche stellte die Verbindung von Himmel und Erde her (Bilder 3–5).

Die quallenähnliche Leuchte »Jelly Light« des Designers Dirk Rutten mit Lichtleitfasern von LBM verbreitete Tiefseeatmosphäre im alten Stadttor (Bilder 6 + 7).

6 7   9
6 + 7 Das Objekt »Jelly Light« des Designers Dirk Rutten besteht aus Lichtleitfasern, die durch Projektoren mit Farbrad unterschiedlichste Lichtstimmung in das Stadttor zauberten.
9 Ein besonders schönes Beispiel für den Zauber des Lichts vermittelten die LED-Stableuchten von Holophane, die die Stadttore von innen heraus in immer neue Farbfelder tauchten und den Besucher gleich beim Eintritt in die Altstadt in Staunen versetzen. Der Farbwechsel war dabei bewußt so schnell angelegt, dass sich seine Dynamik in einen ausdrucksstarken Kontrast zur Starrheit der Architektur stellte. Binnen kürzester Zeit konnten die Besucher die Stadttore in einer immer neuen Farb- und Lichtanmutung erleben.

Selbst der Main-Donau-Kanal wurde mit Lichtinstallationen der Gruppe Donaulichter in das Event einbezogen.

Witzig war auch die Idee von Steffen Schönfeld, der Äpfel mit Lichtleitfasern zum Leuchten brachte. Apfelsaft in leuchtenden Flaschen fand ebenfalls reißenden Absatz (Bilder 10 + 11).

Die Textildesignerin Xiaohui Mann beschäftigt sich mit Textildesign und setzte einen Jadedrachen, der im Meer tanzt, künstlerisch um (Bild 12).

10

11
 12
10 + 11« Leuchtende Äpfel« zeigte Steffen Schönfeld. Untergründig vergrabene oder den Baum hinauf verlegte, dünne Endlichtfassern von LBM wurden einfach in echte Äpfel gesteckt, die dann von innen heraus zu leuchten begannen.
12 Groß war das Interesse an den Arbeiten der Textildesignerin Xiaohui Mann, deren mit chinesischen Ornamenten verzierte Leuchttextilien besondere Akzente in der Nacht bildeten. Basis ist das leuchtende Gewebe Clothlight, welches aus hauchdünnen Lichtleitfasern und Textilfasern besteht. Die Ornamente werden per Hand nach einem speziellen Verfahren in das Gewebe eingebracht, der Lichtaustritt ist an diesen Stellen dann besonders stark und zeichnet so die Ornamentik nach.

Auf den Freiflächen vor der Stadtmauer waren die Lichtskulpturen der Künstler zu sehen

Tilmann Krieg hat die Kultur Brasiliens mit reduzierten Formen der Schwarzen Götter Orixas umgesetzt. Doch auch seine Fotoausstellung im Rathaus oder die meterhohen leuchtenden Mikadostäbe beeindruckten die Besucher (Bilder 13–16).

13–16 Tilmann Krieg hat die Kultur Brasiliens in seinen Skulpturen verwirklicht. Acrylglasstäbe und Lichtleitfasern bilden den Materialkern seiner Arbeiten, deren Aufbau am schwersten war. Die mehr als 4 m hohen und schweren »Orixas«-Lichtskulpturen mußten fest im Boden verankert werden.-Bekannt ist auch sein »Fischernetz«,das über dem Teich der Akademie Licht verspannt war (Bild 15).
13   14
15 16

Vor den Lichtkokons von Wolfgang Weber bildeten sich lange Warteschlangen. Insbesondere die Kinder wollten sich hier im wahrsten Sinne des Wortes ins richtige Licht setzen. Wolfgang Weber hatte Korbschaukeln mit dem Leuchttextil von LBM überzogen, die so in unterschiedlichem Farblicht schaukelten (Bilder 17 u. 18).

17 + 18 Viel Anklang fanden die Lichtkokons von Wolfgang Weber.
Pendelstüchle aus Korbgeflecht sind mit dem leuchtenden Textilgewebe von LBM überzogen worden. Effektvoll sind besonders auch die Fotos dieser leicht schwingenden Lichtschaukeln.
17 18

Dicht gedrängt standen die Besucher auch an der Lichtwiese von Nico Schäfer von der Fachhochschule Coburg. Er hatte hauchdünne Lichtleitfasern und transparentes Glasgranulat zu einem Kunstobjekt der besonderen Art verschmolzen (Bild 19). 19 Hauchdünne Lichtleitfasern und
transparentes Glasgranulat wurden
von Nico Schäfer, Fachhochschule Coburg,
zu einer leuchtenden »Lichtwiese« gestaltet,
die besonders großen Anklang fand.

Der Lichtgarten der Jenaer Papierkünstlerin Anke Neumann fand großen Anklang (Bild 20). Der »Lichtgarten« besteht aus eigenhändig geschöpftem, japanischem Papier und Leuchtstofflampen. Nur wenige Schritte von diesem Kunstobjekt entfernt ließ sie Lichtleitfasern in einem Bachlauf leuchtend »fließen«.

20 Die Jenaer Papierkünstlerin Anke Neumann zeigte mehrere Kunstwerke aus Papier.
Faszinierend war besonders ihr Lichtgarten aus handgeschöpftem Papier. Die Leuchte »Lichtlinie« zeigte leuchtende Horizontallinien im Papierschirm. Ihr Objekt »Lichtfluß« zauberte leuchtende Wasserfäden in den Bach
 
21 Eine schöne Umsetzung war das Objekt »Situation« von Stella Kasparek und Christin Lose von der Fachhochschule Coburg.
Ihre leuchtenden Bänke »setzten das Publikum ins rechte Licht«.
In die gefrästen Holzrillen waren gedehnte Lichtleitfasern eingesetzt, die anschließend mir einer neuartigen Gel-Matte überdeckt worden sind.

Eine schöne Umsetzung war ebenfalls das Objekt »Situation« von Stella Kasparek und Christin Lose von der Fachhochschule Coburg (Bild 21). Die Designerinnen setzten Lichtleitfasern in die gefrästen Holzrillen und überzogen sie mit einer neuartigen Gel-Matte.

Dem Initiator Bernhard Mann waren die meisten Künstler schon seit Jahren bekannt, weil er deren Diplomarbeiten unterstützt hatte. LBM hatte daher auch das Material zur Verfügung gestellt.

»Mit allem haben wir gerechnet, nur nicht mit einem derartigen Besucherandrang«, gesteht der Bürgermeister der Stadt Berching Rudolf Eineder, der auch mitverantwortlich für diesen ersten Lichtevent der Superlative war. Noch nicht einmal zur 1100-Jahrfeier der Stadt hat es einen derartigen Besucheransturm gegeben. »Toll, Super, wirklich schöne Sachen.« Dies waren die Kommentare der Besucher. Sowohl Initiatoren, Organisatoren, Sponsoren, Künstler und die Stadt Berching haben aufgrund dieser Resonanz die 2. Berchinale des Lichts im kommenden Jahr ins Auge gefasst.


22 Höhepunkt und Abschluss der ersten Berchinale des Lichts war das Feuerwerk am Samstagabend, welches die Stadt noch einmal in ein buntes Lichtermeer tauchte.

Sylvia Böhm-Haimerl, Stefan Volkamer, Freie Journalisten, Starnberg

Fotos:
LBM, Berching 1, 7,10,14,15,19, 21
Guttenberger 13, 22
Tilmann Krieg 11
Nachtmann 2, 3–5, 6, 8, 9, 12,16,17,18, 20


Objektinformationen

Initiator und Organisator:
Bernhard Mann, Akademie Licht, Berching und LBM GmbH Lichtleit-Fasertechnik, Berching

Sponsoren:
LBM, Berching
BEGA Gantenbrink Leuchten,Menden
BLV Ushio Group, Steinhöring
Holophane Europe,Milton Keynes, UK
Hydrel, Milton Keynes, UK
iGuzzini, Planegg
Moonlight Leuchten, Wehr

Lichtkünstler:
Nico Schäfer, Fachhochschule Coburg
Wolfgang Weber, Nürnberg
Steffen Schönfeld, Benshausen
Xiaohui Mann, Berching
Tilmann Krieg, Kehl
Anke Neumann, Jena
Dirk Rutten, Nuenen
Christin Lose und Stella Kasparek, Fachhochschule Coburg
Fachhochschule Lippe und Höxter, Leitung Prof. Gräßer