| LICHT-Galerie |
Stefan Volkamer
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| Bild 1: »Himmel im Raum« ein hinterleuchtetes, großformatiges Himmelsbild, das die Architektur imaginär aufbricht und sich erst über zwei Etagen betrachtet als Ganzes zusammenfügt. |
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Wenn man sie fragt, welche Bedeutung Licht in ihrem Leben spielt, so gibt sie sich mit einer klaren und eindeutigen Antwort zu erkennen:
»Licht spielt eine Hauptrolle in meinem Leben«, so die Künstlerin und freie Designerin Astrid Waltenberg, die seit Jahren zu den herausragenden Persönlichkeiten eines Künstler- und Designerzirkels gehört, der mit innovativen und außergewöhnlichen Umsetzungen den Umgang mit dem Licht zu einer anspruchsvollen Ausdrucksform der Kunst erhoben hat.
»Ich denke, die Hinwendung zum Licht hat schon in meiner frühesten Kindheit begonnen. Mit meinen Eltern bin ich in Afrika, in den lichtdurchfluteten Ländern Tansania und Ägypten aufgewachsen. Das Wechselspiel von Licht und Schatten, die unterschiedliche Intensität und faszinierende Farbigkeit des Lichts, die man in Europa kaum in dem Maße erleben kann, hat mich von jeher fasziniert und ganz offenbar meinen späteren Berufswunsch entscheidend geprägt.«
Nach ihrer Ausbildung und weiteren Auslandsaufenthalten entwickelt Astrid Waltenberg heute von der Documentastadt Kassel aus Lichtkunstobjekte und Lichtinstallationen für den Innen- und Außenbereich, sie entwickelt maßgeschneiderte Leuchten als Kleinserien oder Unikate für Wohn- und Geschäftsräume, Unternehmen oder für Privatpersonen.
Ihre Arbeiten weisen zwei wesentliche Schwerpunkte aus, die je nach Umsetzung gegenpoliger Natur sein können und damit eindrucksvoll zeigen, über welche Bandbreite sich ihr kreatives Potenzial erstreckt: Licht in seiner architektonischen Dimension einerseits, die Auseinandersetzung mit flexiblen und textilen Materialien auf der anderen Seite.
Ein typisches Beispiel Ihrer Arbeit im Bereich des architektonischen Lichts ist ihr Werk »Himmel im Raum« (Bild 1), ein großformatig angelegtes, sich über zwei Etagen erstreckendes und hinterleuchtetes Himmelsbild, das die Architektur des Raumes imaginär aufbricht. Je nach Standpunkt des Betrachters liegt der Himmel entweder über oder unter einem, erst etagenübergreifend betrachtet fügt er sich zu einem Ganzen. Ein dekoratives und interessantes Licht-Kunstwerk für die Verwaltungszentralen von Unternehmen oder Ministerien.
Auf der Berchinale 2006, einer großen Lichtveranstaltung in Deutschland (s. S. 672), stellte sie ihre Außeninstallation »Licht-Schnitt« (Bilder 24) vor, von den fast 60000 Besuchern mit großer Aufmerksamkeit beachtet. In das 8 m breite und 2,50 m hohe, über den Weg verspannte Leuchttextil aus LBM-Lichtleitfasern hat sie in Analogie zum Scherenschnitt nur umgekehrt die Umrisse von Menschen eingeschnitten. Die Negativformen leuchten an den Schnittkanten. »Der Licht-Schnitt hat das Verhalten der Besucher in ihrer Auseinandersetzung mit dem Werk spürbar verändert«, so Astrid Waltenberg. »Die Besucher bildeten das Positiv, sie suchten sich die passende leuchtende Köperkontur, die im Moment des Durchschreitens zur Aura desjenigen wurde. Es entstand eine sakrale Atmosphäre bereits durch die behutsame Annäherung. Auch zeigte sich das Bedürfnis, die eigenen Körpergrenzen zu spüren und in Einklang mit der Leuchtkontur zu bringen. Obwohl abstrahiert in der Art der Darstellung, führte die Arbeit zu einer intensiveren Wahrnehmung der Menschen von sich selbst wie auch für das aus sich selbst heraus leuchtende Material.« Kein anderes Werk hat den Besuchern die Leichtigkeit, den Hauch des Lichts so anschaulich vor Augen geführt wie diese künstlerisch beeindruckende Installation.
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| Abb. 2 Der »Licht-Schnitt« leuchtendes Lichttextil. |
Abb. 3 . . . aus LBM-Lichtleitfasern, dessen sakrale eindrucksvolle Ausstrahlung zu einer behutsamen Annäherung . . . |
Abb. 4 . . . und einer intensivierten Wahrnehmung führte. |
Abb. 13 Das »Licht-Nest« wirkt durch seine Größe und 1000 im magischen Blau funkelnden LEDS wie ein Objekt aus einer anderen Welt. |
Nicht die Leichtigkeit, sondern den Aspekt der Geborgenheit dokumentiert Astrid Waltenberg mit ihrem »Licht-Nest« (Bild 13). Eine zurückhaltende Edelstahlkonstruktion dient als Grundlage für ein Geflecht aus transparenten Industrieschläuchen, das die Form eines Nestes aufnimmt und mit 2,50 m Durchmesser auf die Maße eines Menschen überträgt. 1000 funkelnde eingearbeitete LEDs lassen das Nest wie ein Objekt aus einer anderen Welt erscheinen, das die Umgebung mit seinem kühlen, magischen Blau verfremdet und damit einen interessanten Kontrast zu dem Sinnbildhaften eines Nestes Schutz, Wärme, Geborgenheit entstehen lässt.
In ihren Kunstwerken vermittelt sie überraschend neue Bedeutungen im Umgang mit dem Licht. Licht ist für sie damit »ein ideales Medium, um neue Interpretationsräume zu erschließen.«
Wie flexibel und vielseitig die Künstlerin ist, zeigt sich auch in ihren dekorativen Leuchten für den Wohn- und Einrichtungsbereich. Ob einzelne Unikate oder Kleinserien, flexible, meist textile Materialien stehen hier im Vordergrund. Auf eine perfekte Verarbeitung legt sie viel Wert. »Das Ziel bestimmt den Weg«, so Astrid Waltenberg. »Form, Design, Material alles wird in Hinsicht auf die Verwendungssituation hin abgestimmt, wenn es darum geht, spezifische Leuchten zu entwickeln. Der Raum, die Architektur, das Interior, die Person oder das Unternehmen es sind viele Faktoren, die den Entwicklungsprozess einer derartigen Kollektion begleiten.« Dabei können die verwendeten Materialien harmonisch ineinander überfließen, können aber auch in einem spannenden Kontrast zueinander stehen.
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| Abb. 5 | Abb. 10 | Abb. 9 | Abb. 8 | Abb. 6 |
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| Abb. 5 »Marilyn« eine Hommage aus Federn, Kristallen und synthetischem Japanpapier. Abb. 10 »Ella« Spiel mit dem Licht Abb. 9 ... und diese Leuchte erinnert an Doris Day Abb. 8 »Zen« meditatives Licht und beschwingte Leichtigkeit. Abb. 6 »Licht in Hülle« phantasievolle, transparente Elemente aus hauchdünnem Kunststoff, auf eine passgenaue Hülle genäht. Zieht man sie mit einem Handgriff ab, kommt darunter ein ästhetisch strenger, puristischer Kubus zum Vorschein. Widerspruch und Materialbruch aber dennoch ein harmonisches Ganzes. |
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Ein Leuchtenschirm zeigt sich beispielsweisezunächst extravagant, mit phantasievollen, transparenten Elementen aus hauchdünnem Kunststoff, auf eine passgenaue Hülle genäht. Zieht man sie mit einem Handgriff ab, kommt darunter ein ästhetisch strenger, puristischer Kubus zum Vorschein. Widerspruch und Materialbruch aber dennoch ein harmonisches Ganzes. Natürlich können weitere, austauschbare Leuchtenschirme in Auftrag gegeben werden, stets mit einer anderen Lichtwirkung.
Das Prinzip der Individualität setzt sich auch in der maßgefertigten Wand- und Deckenleuchte »Spiegel-Licht-Bild« fort, die Facetten ihres Besitzers reflektiert. Denn hier setzt Astrid Waltenberg das ist der Clou auch persönliche Materialien aus dem Leben des Auftraggebers ein. Das Brautkleid, das geliebte, inzwischen zu enge Designerhemd oder Segeltuch für den passionierten Segler etwa. Die Stoffe werden in aufwendiger Handarbeit zu plastischen Formen genäht. Sie bilden das äußere Arrangement einer Plexiglasscheibe, die mit farbigen Leuchtstofflampen oder wahlweise auch anderen Leuchtmitteln hinterleuchtet wird. Formate bis zu wandfüllend sind realisierbar. Das Resultat ist eine absolut einzigartige Leuchte, in der sich das Licht zu einem höchst individuellen Spiegelbild seines Besitzers materialisiert (Bilder 11 und 12).
Die Komposition verschiedenster Materialien in einer Leuchte beherrscht sie ebenso wie eine eher reduktive, fließende Formensprache. Ein gelungenes Beispiel dafür ist die Tisch- und Bodenleuchte »Kokon« aus textiler Kunstfaser, deren spezieller Faltenwurf ein warmes und zugleich facettenreiches Licht bietet. Eine Hommage an die kunstvolle Gestaltung afrikanischer Makonden, aber auch das Ergebnis der Beobachtung von Seidenraupen aus dem 2-jährigen Aufenthalt der Künstlerin in China.
Nicht formale Aspekte, sondern Materialvielfalt und Stilmix sind das Erkennungszeichen dieser Künstlerin. Das zeigt sich auch in den Stehleuchten »Doris-Day-Light« und »Marilyn«. Während beide Leuchten auf einem Leuchtenfuß aus Stein oder Edelstahl basieren, verwendet sie für den Leuchtenschirm bei »Doris Day« kunstvoll arrangiertes Textilgewebe, das ein sündhaft schönes Lichterlebnis bietet. Verträumt, verspielt, ironisch hingegen gibt sich die Leuchte »Marilyn«, bei der sie synthetisches Japanpapier, Federn und Kristalle kombiniert. Materialien, die in ihrer nuancenreichen Weise, das Licht einzufangen, zu reflektieren oder durchscheinen zu lassen, ein wahres Lichtvergnügen bereiten.
»Es gibt«, so Astrid Waltenberg, »in Afrika bestimmte Stämme, die bei besonderen Anlässen einen formal reduzierten, aber doch wunderschönen Kopfschmuck tragen, der mit wenigen, aber dafür kräftigen Farben spielt.« Ein bisschen davon findet sich in der Leuchte »Ella« wieder, eine eigenwillige Stehleuchte, innen farbig lasiert, mit drapiertem, textilem Gewebe.
Die ungewöhnlichen, lasergeschnittenen Plexiglasformen haben ihr eigenes Spiel mit dem Licht und beziehen umliegende Wandflächen gerne mit in dieses ein. Besonders schön sind sie in Kobaltblau und leuchtendem Orange, edel hingegen wirken sie in satiniertem Weiß.
Schlichte Klarheit in der Formgebung charakterisiert »ZEN« mit einem quadratischen Schirm aus synthetischem Japanpapier. Beweglich angebrachte, kleine Marmorsteine vermitteln eine schwingende Leichtigkeit. Mit dieser Leuchte werden die meditativen Seiten des Lichts zum Ausdruck, gebracht, die von Ruhe und sanfter Aufmerksamkeit auf unsere Gedankenwelt bestimmt sind (Bild 8).
Astrid Waltenberg spielt auf einer breiten Klaviatur und beherrscht die unterschiedlichsten Töne. In ihrem Konzept demonstriert sie eindrucksvoll, dass sich selbst die gegensätzlichsten Materialien zu vielschichtigen und ausgewogenen Werken kombinieren lassen. Lichtquellen, ob klassische Glühlampen, Leuchtstofflampen, LEDs oder Lichtleitfaser, sind ein Mittel zum Zweck.
Sie ordnen sich stets dem Design und der eigentlichen Aussage unter.
Mit ihren »Lichtwerken« schafft die Künstlerin Astrid Waltenberg einmalige Leuchten mit einem hohen Grad an innerer Reflektion: Leuchten, die die Poesie und die Magie des Lichts neu wahrnehmen lassen.
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| Astrid Waltenberg | Abb. 11 | Abb. 12 | Abb. 7 |
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| 11 u. 12 »Spiegel-Licht-Bild« . . . Licht als individuelle Reflektion seines Besitzers Abb. 7 »Kokon« afrikanische Makonden und chinesische Seidenraupen standen für diese Leuchte Pate. |
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Fotos: Astrid Waltenberg, Waltenberg Licht Design, Kassel
Stefan Volkamer, Freier Journalist, Starnberg